Ökomythen: Die schlimmsten grünen Irrtümer

Ökomythen: Die schlimmsten grünen Irrtümer

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Biomythen

von Dieter Dürand

Ist Biosprit gut und Massentierhaltung schlecht? Eine genaue Bilanz entlarvt manch gut gemeinte Tat als Irrtum.

Es klingt nach einer simplen Gleichung: Wer auf einem Biohof einkauft, handelt verantwortungsvoll, unterstützt die Wirtschaft der Region, kauft unbehandeltes Gemüse und schützt irgendwie auch das Klima. Soweit der Glaube.

Doch die Realität ist komplizierter: Wer den weit entfernten Hofladen mit dem Auto ansteuert, schadet dem Klima mehr als derjenige, der zum Supermarkt um die Ecke läuft. Der Apfel aus der Region wiederum hat nur dann eine bessere Energiebilanz als das Pendant aus Neuseeland, wenn er nicht im Strom schluckenden Kühlhaus gelagert wurde. Und das Bioduschgel verliert seinen Umweltvorteil, sobald der Nutzer ausgiebig heiß duscht, weil er dabei Unmengen an Energie verbraucht.

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Vor ähnlich komplexen und verwirrenden Zusammenhängen stehen die Unternehmen. Schlimmer noch: Ob eine angeblich nachhaltige Strategie tatsächlich ökologisch ist, bleibt mangels Datenbasis und Überprüfbarkeit oft Spekulation. „Die Entwicklung aussagekräftiger Indikatoren und Messgrößen steht erst am Anfang“, sagt Dirk Vallbracht, Geschäftsführer der DNV Zertifizierungs und Umweltgutachter GmbH.

Das Essener Unternehmen ist eine Tochter der Det Norske Veritas, dem norwegischen Gegenstück zum deutschen TÜV. Vallbracht und seine Kollegen helfen Unternehmen, ein systematisches Nachhaltigkeits-Managementsystem aufzubauen. Denn ohne verbindliche, für alle gültigen Regeln sind Umwelt-Bilanzen kaum vergleichbar. Ein Unternehmen, das bei der Berechnung seiner CO2-Emissionen auch die Nutzung eines Produkts und seine Entsorgung berücksichtigt, steht schlechter da als der Konkurrent, der nur die Herstellung erfasst und auf den Rest verzichtet.

Zugleich ist ein kleiner CO2-Fußab-druck noch lange kein Beweis für verantwortungsvolles Umwelthandeln, wie Vallbracht am Beispiel der Lachszucht erläutert: Zwar legt die Sorge um die leergefischten Meere nahe, die Lachse nicht ausschließlich mit Fischmehl zu füttern. Werden die Fische jedoch mit Soja ernährt, verschlechtert sich die Klimabilanz, weil bei Anbau, Ernte und Transport der Pflanzen massenhaft Kohlendioxid freigesetzt wird. „Erst die Kombination aller relevanten Nachhaltigkeitsfaktoren ergibt ein vollständiges Bild“, sagt Vallbracht.

Da genaue Nachhaltigkeitsbilanzen und klare Regeln jedoch bisher weitgehend fehlen, sind Mythen und Irrtümern Tür und Tor geöffnet.

Der gefährlichste Irrglaube sei, sagt Richard Häusler, Chef der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Berliner Beratungsagentur Stratum, dass gute Absichten Wirtschaftskompetenz ersetzen könnten. Nachhaltigkeit muss sich rechnen. Häusler: „Wer ein Unternehmen ruiniert und Arbeitsplätze vernichtet, hat kaum sozial verantwortlich gehandelt.“

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