Open-Access: Falsche Forschungsartikel schaffen es immer öfter ins Netz

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Open-Access: Falsche Forschungsartikel schaffen es immer öfter ins Netz

von Susanne Kutter

Wie verbreitet das Problem pseudowissenschaftlicher Veröffentlichungen weltweit ist, beweist ein gerade im Top-Magazin „Science“ veröffentlichter Selbstversuch. Über den zigfachen Abdruck einer lausigen Arbeit.

John Bohannon, Biologe an der US-amerikanischen Elite-Universität Harvard, machte die Probe aufs Exempel: Er reichte eine frei erfundene Studie unter falschem Namen und unter Angabe einer fiktiven Forschungseinrichtung bei 304 Wissenschaftsjournalen auf der ganzen Welt ein. Ein Extrakt aus Flechten könne das Wachstum von Krebszellen hemmen, schrieb er alias “Ocorrafoo Cobange” vom “Wassee Institute of Medicine in Asmara” in einer Abhandlung, die vor Fehlern nur so strotzte – sowohl bei der Versuchsanordnung bis hin zur Interpretation der angeblichen Ergebnisse.

Trotz dieser offensichtlichen Mängel akzeptierten 157 der 304 angeschriebenen Fachblätter das lausige Werk – obwohl sie angeblich in einem so genannten Peer-Review-Prozess die eingereichten Facharbeiten anderen Wissenschaftler zur Prüfung vorlegten. Nur 98 Blätter lehnten einen Abdruck ab. Der restlichen 49 Journale hatten innerhalb der vergangenen zehn Monate nicht geantwortet, wie Bohannon in der aktuellen Ausgabe des weltweit hoch angesehenen Wissenschaftsmagazins „Science“ in seinem sechs Seiten langen Artikel „Who´s Afraid of Peer Review?“ ausführt.

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Forschungsfälschung Persiflage entlarvt Wissenschaftsbetrieb

Serbische Forscher haben eine frei erfundene Abhandlung in ein wissenschaftliches Magazin gehievt. Sie wollten damit zeigen, wie einfach es ist, mit fragwürdigsten Forschungsergebnissen Anerkennung einzuheimsen.

"B. Sagdiyev", die durchgeknallte Hauptfigur in der Film-Satire "Borat" des britischen Komikers Sacha Baron Cohen, taucht neben "M. Jackson" oder "A.S. Hole" in der Liste der zitierten Quellen auf. Quelle: dpa

Der Selbstversuch beweist, wie virulent das Problem von schlecht kontrollierten Fachpublikationen ist. Gerade erst hatten serbische Forscher es beim rumänischen Titel „Metalurgia International“ geschafft, eine ebenfalls frei erfundene, fast schon satirische Arbeit unterzubringen: In der Quellenangabe hatten sie längst verstorbene Wissenschaftler, Michael Jackson, Borat und Micky Maus zitiert, wie die WirtschaftsWoche berichtete.

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