Pharmaindustrie: Nur jedes zweite neue Medikament hat echten Mehrwert

Pharmaindustrie: Nur jedes zweite neue Medikament hat echten Mehrwert

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Verschiedene Pillen und Tabletten.

Neue Arzneimittel erzeugen oft große Hoffnungen - bei Patienten auf Besserung ihrer Leiden, bei der Industrie auf Umsatz. Doch viele der Mittel wirken nicht besser als bereits eingeführte Präparate.

Fast jedes zweite neue Arzneimittel gegen schwere Krankheiten nutzt den Patienten nicht mehr als die gewohnten Medikamente. Offizielle Prüfungen der oft teuren Pharma-Neuerungen haben ergeben, dass in rund 45 Prozent der Fälle der neue Wirkstoff den gängigen Therapien nicht überlegen ist. Das zeigt eine neue Bilanz des zuständigen höchsten Gremiums im Gesundheitswesen, des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wie der Ausschuss am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Von mittlerweile fast 100 Präparaten, die bisher nach den seit 2011 geltenden Regeln bewertet wurden, erkannten die Prüfer bei 20 einen beträchtlichen Zusatznutzen. Einen geringen Mehrwert bescheinigten die Prüfer 25 Medikamenten.

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8 Mittel bekamen einen Zusatznutzen bescheinigt, der allerdings nicht näher quantifizierbar sei. In vielen Fällen sei ein Zusatznutzen nicht für das gesamte Anwendungsgebiet, sondern nur für einzelne Patientengruppen anerkannt.

Zahlen zu gefälschten Medikamenten

  • Weltweites Problem

    Weltweit stehen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa 15 Prozent der Arzneimittel unter Fälschungsverdacht. Die Fakes kursieren in 123 Ländern.

  • Afrika und Asien

    Besonders schlimm ist die Entwicklung in etlichen Regionen Afrikas und Asiens, dort wird die Einnahme von Medikamenten fast zum Glücksspiel. Bis zu 30 Prozent der Tabletten und Ampullen enthalten in Asien keinen oder einen falschen Wirkstoff, in Afrika zuweilen bis zu 50 Prozent.

  • Industrienationen

    In den westlichen Industrieländern sowie in Japan dürfte bis zu ein Prozent der Medikamente gefälscht sein. Die Bedrohung hat zugenommen, seit aus italienischen Kliniken zunehmend Medikamente gestohlen wurden und über Osteuropa vorwiegend nach Deutschland gelangten. Die Apennin-Halbinsel gilt wegen der Mafia als das Herkunftsland für gefälschte Arzneimittel hierzulande.

  • Einnahmen

    Insgesamt, so schätzt die Beratung Deloitte, dürften die organisierten Kriminellen mit Medikamenten-Fälschungen jährlich und weltweit zwischen 75 und 200 Milliarden Dollar einnehmen.

G-BA-Chef Josef Hecken sagte anlässlich der demnächst anstehenden 100. Bewertung, das Verfahren erfülle seine Funktion, „echte Innovationen von Scheininnovationen und damit die „Spreu vom Weizen“ zu trennen“. Hersteller hätten neun Medikamente im Zuge der Bewertungsverfahren vom Markt genommen.

108 Fachanhörungen habe der Ausschuss zu den Wirkstoffen durchgeführt - auch unter intensiver Teilnahme von Vertretern der Pharmaindustrie. Die Branche hatte das Bewertungsverfahren heftig kritisiert.

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