Phobos-Grunt: Mars-Sonde bald wieder auf der Erde

Phobos-Grunt: Mars-Sonde bald wieder auf der Erde

, aktualisiert 11. November 2011, 14:16 Uhr
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Die Marsmond-Sonde Phobos-Grunt vor dem Start im russischen Weltraumzentrum in Kasachstan.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein Absturz der russischen Raumsonde Phobos-Grunt auf die Erde wird immer wahrscheinlicher. Experten sehen die Chancen auf Rettung bei nahe Null. Sorge bereitet vor allem der giftige Treibstoff.

Moskau/KölnDie Raumfahrtbehörde Roskosmos in Moskau gehe davon aus, dass die 13,5 Tonnen schwere Raumsonde Phobos-Grunt mit radioaktivem Kobalt 57 und giftigem Treibstoff in den ersten Dezember-Tagen aus der Umlaufbahn trudeln könnte. Das meldeten russische Agenturen am Freitag.

Zuvor war es auch der Europäischen Weltraumbehörde Esa nicht gelungen, Funkkontakt zu der über der Erde schwebenden rund 120 Millionen Euro teuren Marsmond-Sonde aufzunehmen. „Die Chancen auf Rettung sind nahe Null““, sagte ein Roskosmos-Mitarbeiter. Das von einer US-Behörde berechnete mögliche Absturzdatum 26. November sei aber falsch.

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Trotz des erneuten Rückschlags für die russische Raumfahrt halte Roskosmos an dem für diesen Montag geplanten Start einer bemannten Sojus-Kapsel fest, teilte die Behörde mit. Dann sollen vom Weltraumbahnhof Baikonur - von dem am vergangenen Dienstag auch Phobos-Grunt startete - um 5.14 Uhr MEZ die Kosmonauten Anton Schkaplerow und Anatoli Iwanischin sowie der US-Astronaut Daniel Burbank zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen.

„Weltraumtouristen“ werde Roskosmos vorerst nicht mehr zur ISS mitnehmen, sagte ein Sprecher. „Viele Kosmonauten kündigen, weil sie zehn Jahre auf einen Flug warten und zusehen müssen, wie wir stattdessen Privatleute mitnehmen.“ Dies wolle sich Roskosmos nicht mehr leisten. In der Vergangenheit hatte Russland für einen mehrtägigen Trip zur ISS 20 Millionen US-Dollar kassiert.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew betonte, die Pläne des Riesenreichs für ein Kosmodrom unweit der chinesischen Grenze blieben unverändert. Vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny, den Russland derzeit für mehr als 600 Millionen Euro baut, sollten bereits 2013 erste Raketen ins All starten, sagte der Kremlchef.


Absturz höchstwahrscheinlich glimpflich

Ein Absturz der Marsmond-Sonde würde wahrscheinlich glimpflich und unbemerkt verlaufen - ähnlich wie beim Röntgensatelliten Rosat Ende Oktober, so ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt am Freitag in Köln. Dass der 13 Tonnen schwere russische Transporter radioaktives Kobalt 57 an Bord habe, ändere daran nichts. „Es sind nur wenige Milligramm Kobalt, die zu wissenschaftlichen Zwecken an Bord sind. Selbst wenn Phobos-Grunt in die Erdatmosphäre eintauchen sollte, würde das wohl völlig zerfallen“, sagte Andreas Schütz.

Zu den Tanks mit giftigem Treibstoff könne das DLR keine Angaben machen. „Wie die Russen mit dem Problem umgehen, ob sie den Treibstoff ablassen wollen, dazu haben wir keine Erkenntnisse.“ Das DLR ist an der Rettungsaktion für die Marsmond-Sonde nicht beteiligt, sondern beobachtet den Prozess lediglich.

Nach DLR-Einschätzung würde wohl ein Großteil des Transporters verglühen. „Da außer der kleinen Kapsel mit den Bodenproben nichts zur Erde zurückkommen sollte, gehen wir davon aus, dass die Mehrheit verglühen wird“, sagte der Sprecher. Eine gesicherte Prognose könne das DLR aber nicht geben, weil den Kölner Experten Struktur und Material der Sonde - anders als bei Rosat - nicht bekannt seien. „Die russischen Kollegen kennen die Konfiguration und die Flugbahn genau und können simulieren und berechnen, was wohl übrig bleiben wird und wann und wo nach Modellrechnungen runterkommen könnte.“

Russische Raumfahrtexperten sahen nach den ersten Rettungsversuchen zunächst kaum noch Chancen für Phobos-Grunt. Die Sonde kreist um die Erde, weil ihre Triebwerke nicht ansprangen und sie so nicht auf Kurs zum Mars kam.

Wirklich klar sei aber noch nicht, ob es tatsächlich zum Scheitern und zum Absturz komme, betonte der DRL-Sprecher. Die russischen Experten hätten noch rund 14 Tage Zeit, um Phobos-Grunt zu retten. „Die Hoffnung ist, in dieser Zeit den Fehler genau zu identifizieren, festzustellen, ob es an der Hardware oder an der Software liegt, und den Fehler dann zu beheben, etwa mit dem Aufspielen neuer Software.“ Gelinge das, könnten die Triebwerke doch noch gezündet und die Sonde auf die Transferbahn zum Mars gebracht werden, erklärte Schütz. „Ansonsten würde Phobos-Grunt weiter abgebremst und sinken.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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