Beide konstruierten dafür unabhängig voneinander Fallen, in denen geladene Teilchen (Ionen) oder Lichtteilchen (Photonen) eingefangen werden können. Die besondere Leistung der Forscher: Ihre Objekte werden dabei nicht zerstört, sondern können über eine gewisse Zeit beobachtet werden. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm mit.
In einer ersten Reaktion sagte Haroche dem Komitee am Telefon: „Das ist nur schwer zu fassen. Ich war auf der Straße, zusammen mit meiner Frau auf dem Weg nach Hause. Ich war froh, dass ich mich hinsetzen konnte, das ist überwältigend. Ich werde zu Hause Champagner trinken und dann ins Labor gehen.“
Bild: dpaDer Nobelpreis
Der Preis wird seit 1901 jährlich vergeben. Gründer der Auszeichnung ist der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Stiftung solle einen Preis ausschreiben, mit dem diejenigen geehrt werden, die im "verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." Der Nobelpreis wird in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Außerdem stiftet die schwedische Reichsbank einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaftler. Anbei eine Übersicht über die Preisträger 2012.
Bild: dpaNobelpreis für Physiologie oder Medizin
Der japanischen Forscher Shinya Yamanaka ist einer der beiden Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin. Der Arzt und Stammzellenforscher erhielt die Auszeichnung für die künstliche Herstellung von Stammzellen. Ihm ist es gelungen, erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben - eine Revolution in der Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können.
Bild: dpaNobelpreis für Physiologie oder Medizin
In dieser Kategorie wurde auch der Brite John Gurdon ausgezeichnet. Der Entwicklungsbiologe Gurdon forschte viele Jahre an der britischen Cambridge-Universität. Er entdeckte bereits 1962, dass die Spezialisierung der reifen Zelle rückgängig gemacht werden kann. In einem klassischen Experiment ersetzte er den unreifen Zellkern - in diesem liegt das Erbgut, die DANN - in der Eizelle eines Frosches mit dem Zellkern einer ausgereiften Darmzelle. Diese manipulierte Eizelle entwickelte sich trotzdem zu einer normalen Kaulquappe. Gurdon bewies so, dass das Erbgut in der reifen Zelle alle Informationen besitzt, die benötigt werden, um jegliche Zellarten eines Frosches auszubilden. Er legte damit die Grundlage für die Forschung von Yamanaka.
Bild: ReutersNobelpreis für Physik
Der Amerikaner David J. Wineland teilt sich mit dem Franzosen Serge Haroche den Nobelpreis für Physik. Die beiden werden für ihre für ihre „bahnbrechenden Methoden“, mit denen sich kleine Teilchen beobachten lassen, geehrt. Beide konstruierten dafür Fallen, in denen geladene Teilchen (Ionen) oder Lichtteilchen (Photonen) eingefangen werden können. Die besondere Leistung der Forscher: Ihre Objekte werden dabei nicht zerstört, sondern können über eine gewisse Zeit beobachtet werden. Wineland wurde 1944 geboren und promovierte an der Harvard University. Zurzeit forscht er am National Institute of Standards and Technology (NIST) und der University of Colorado in Boulder.
Bild: dapdNobelpreis für Physik
Durch die Arbeiten der beiden Quantenforscher sei es erst möglich geworden, extrem schnelle Computer zu entwickeln, erklärte ein Sprecher der Wissenschaftsakademie. Die beiden Forscher (Serge Haroche im Bild) hätten „die Tür zu einem neuen Zeitalter der Quantenphysik-Experimente geöffnet“, heißt es in der Begründung. Haroche, Jahrgang 1944, studierte und promovierte in Paris. Derzeit arbeitet er an der Ecole Normale Superieure (ENS) in Paris.
Bild: dpaNobelpreis für Chemie
Robert Lefkowitz erwarb 1962 an der Columbia University in New York City einen Bachelor in Chemie, 1966 folgte der M.D. Darauf arbeitete zunächst als Assistenzarzt ehe er 1968 in die Forschung an das National Institutes of Health wechselte. Seit 1973 hat Lekowitz einen Professur am Duke University Medical Center in Durham. Den Nobelpreis für Chemie erhält er gemeinsam mit Brian Kobilak für die Erforschung der Kommunikation von Milliarden von Körperzellen.
Bild: dpaNobelpreis für Chemie
Brian Kobilak ist Professor an der Stanford Univerity School of Medicine. Kobilka studierte Biologie und Chemie an der University of Minnesota Duluth und absolvierte nach seinem Bachelor die School of Medicine in Yale. Später wechselte er an die Duke University, wo er als Postdoc bei Robert Lefkowitz arbeitet.
Bild: dpaNobelpreis für Literatur
Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den 57-jährigen Autoren Mo Yan aus China. Zur Begründung sagte das Komitee in Stockholm, Mo Yander vermische "halluzinatorischem Realismus" Volksmärchen, Geschichte und Gegenwart.
Bild: dpaFriedensnobelpreis
Das Nobelkomitee in Oslo hat den Friedensnobelpreis 2012 an die EU vergeben. Komiteechef Thorbjörn Jagland begründete die Entscheidung damit, dass die Europäische Union über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe.
Der Nobelpreis
Der Preis wird seit 1901 jährlich vergeben. Gründer der Auszeichnung ist der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Stiftung solle einen Preis ausschreiben, mit dem diejenigen geehrt werden, die im "verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." Der Nobelpreis wird in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Außerdem stiftet die schwedische Reichsbank einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaftler. Anbei eine Übersicht über die Preisträger 2012.
Per Delsing, Mitglied des Nobelkomitees, sagte bei der Begründung der Zuerkennung: Dass die beiden Forscher das Messen von Photonen (Lichtteilchen) möglich gemacht haben, ohne dass diese dabei zerstört werden, „sei ein bisschen so, also ob man einen Kuchen zwar isst, ihn danach aber noch hat“. Damit spielt er darauf an, dass Lichtteilchen in vielen anderen Messgeräten zwar nachgewiesen werden können, dann aber verschwunden sind.
Bild: dpaEs gibt aus Sicht der Schweden einige gute Gründe, nicht zur Euro-Zone zu gehören. Einer davon ist der Nobelpreis. Kaum auszudenken, wie prosaisch es sich anhören würde, wenn die Königliche Akademie der Wissenschaften bekannt gäbe, das Preisgeld läge bei knapp einer Million Euro. Zehn Millionen Kronen, das klingt. Aber was machen Nobelpreisträger eigentlich mit dem Geldsegen?
Bild: APZwar spricht man auch unter Forschern, Literaten und Friedensaktivisten ungern über das eigene Bankkonto. Doch die Summe, die die Schweden den Laureaten überweisen, ist für die meisten Preisträger mindestens ebenso bedeutsam wie der ideelle Wert der Auszeichnung. Die Literaturnobelpreisträgerin von 2004, Elfriede Jelinek, beantwortete die Frage, was die Auszeichnung für sie bedeute, ganz eindeutig: finanzielle Unabhängigkeit.
Bild: APTatsächlich ist es so, dass viele Nobelpreisträger zwar gute Jobs an Unis haben, aber durchaus keine Großverdiener sind. Und gerade die renommiertesten Forschungsinstitute - etwa das MIT nahe Boston, die Rockefeller Uni in New York oder in Deutschland die Uni München - liegen in Gegenden mit extrem hohen Lebenshaltungskosten.
Wolfgang Ketterle, deutscher Physik-Nobelpreisträger von 2001, kennt das Problem. Er lebt und forscht in Cambridge, Massachusetts, einem der teuersten Pflaster Nordamerikas. "Ich habe das Nobelpreisgeld verwendet, um ein Haus zu kaufen und die Ausbildung der Kinder zu finanzieren", so Ketterle im Gespräch mit Handelsblatt.com. Der Professor hat deren drei, und an guten Unis in Nordamerika kosten allein die Studiengebühren schon mal gerne 30.000 Dollar pro Jahr.
Bild: rtrRichard Roberts (hier als 2. von links bei der diesjährigen Verleihung der Ig-Nobelpreise), der dem so genannten Gen-Splicing auf die Spur gekommen war und dafür 1993 den Nobelpreis erhielt, nutzte das Geld, um vor seinem Haus ein Croquet-Feld mit englischem Rasen anzulegen. Dass er auch aufgrund dieser entschieden britischen Upper-Class-Variante der Geldverwendung von Königin Elizabeth 2008 zum Ritter geschlagen wurde, ist aber nur ein Gerücht.
Bild: APPaul Nurse (l.), Nobelpreisträger für Medizin 2001, steckte einen Teil seiner Kronen in eine Anschaffung, die die Königin eher nicht so amüsiert hätte. Nurse kaufte sich ein großes, schnelles und sehr teures Motorrad. Inzwischen ist er Präsident der Rockefeller University in New York und kann sich mit seinem Lohn dort wahrscheinlich auch das Benzin für sein Bike leisten.
Bild: dpaFranco Modigliani, Ökonomie-Preisträger von 1985, zog es dagegen aufs Wasser. Kein Problem, mit dem Geldsegen aus Stockholm konnte er sich gleich ein ganzes Segelboot kaufen.
Bild: APAls besonders vorausschauend erwies sich Albert Einstein im Umgang mit seinem Nobel-Preisgeld. Er vermachte die gesamte Summe in einem Scheidungsvertrag seiner Ex-Frau Mileva Maric und den beiden gemeinsamen Söhnen. Klingt nach pflichtbewusstem Vater, ansonsten aber eher weniger außergewöhnlich, finden Sie? Falsch. Denn den Vertrag setzte Einstein im Jahr 1919 auf - den Nobelpreis erhielt er aber erst 1921.
Bild: APViele Nobelpreisträger haben aber auch Teile ihres Preisgeldes für philanthropische Zwecke oder neue Wissenschaftspreise zur Verfügung gestellt. Paul Greengard etwa, Medizin-Nobelpreisträger von 2000, steckte sein gesamtes Preisgeld in einen Fonds, aus dem wiederum ein Preis bezahlt wird. Der "Pearl Meister Greengard Prize" wird seit 2004 jährlich an Forscherinnen auf dem Gebiet der Biomedizin vergeben. Greengard benannte ihn nach seiner Mutter, die bei seiner Geburt gestorben war. Der Preis ist mit 50.000 Dollar dotiert.
Bild: APAuch die deutsche Medizin-Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard steckte einen Teil ihres Preisgeld von 1995 in eine Stiftung zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Projekt soll jungen Forscherinnen die Arbeit erleichtern, etwa durch Zuschüsse für Kinderbetreuung und Hilfe im Haushalt.
Bild: APVon den deutschen Nobelpreisträgern der jüngeren Zeit ist eine Spende besonders bekannt geworden. Günter Blobel bekam die Auszeichnung für Medizin 1999 und überwies die gesamte Summe nach Dresden, speziell für die Restaurierung der Frauenkirche und den Bau der Synagoge. Blobel war mit der Familie auf der Flucht aus Niederschlesien, als er im Februar 1945 durch Dresden kam und von einem Lager vor der Stadt den Bombenangriff der Alliierten miterlebte. Seine Schwester war bei einem anderen Bombenangriff ums Leben gekommen.
- ...
Es gibt aus Sicht der Schweden einige gute Gründe, nicht zur Euro-Zone zu gehören. Einer davon ist der Nobelpreis. Kaum auszudenken, wie prosaisch es sich anhören würde, wenn die Königliche Akademie der Wissenschaften bekannt gäbe, das Preisgeld läge bei knapp einer Million Euro. Zehn Millionen Kronen, das klingt. Aber was machen Nobelpreisträger eigentlich mit dem Geldsegen?
Die Arbeiten von Haroche und Wineland sind entscheidend für neuartige Computer und extrem genaue Uhren. Beide Wissenschaftler wurden 1944 geboren, Haroche in Casablanca.
Die Ehrung für die beiden ist nach Ansicht eines deutschen Atomforschers eine würdige Entscheidung. „Hier ist keine neue Entdeckung ausgezeichnet worden, sondern ein Lebenswerk der beiden, das zu einem tieferen Verständnis der Quantenphysik geführt hat“, sagte Prof. Wolfgang Sandner vom Berliner Max-Born-Institut am Dienstag. Auf einer Veranstaltung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) hatten er und viele Kollegen die Nobelpreis-Bekanntgabe verfolgt. Die Preisträger zeichnen sich nach Angaben von DPG-Präsidentin Johanna Stachel vor allem durch ihre cleveren Experimente aus. „Sie testen mit kleinsten Systemen die fundamentalen Prinzipien der Quantenmechanik.“
- Seite 1: Serge Haroche: "Ich werde Champagner trinken und dann ins Labor gehen"
- Seite 2: Der Nobelpreis für Physik















