
Wenn wir 2020 auf 2011 zurückblicken, werden wir feststellen, dass kaum ein Jahr unser Leben mit technologischen Brüchen so sehr verändert hat, wie die vergangenen zwölf Monate. Nachdem im Frühjahr die Meiler in Fukushima explodierten, verordnete die Bundesregierung dem Land mit der Energiewende einen nie da gewesenen industriepolitischen Kraftakt. Etwa zur gleichen Zeit kamen mit den ersten serienmäßigen Elektroautos Fahrzeuge mit radikal neuen Antriebstechniken auf die Straßen – die Basis für eine neue Mobilitätsform.
Im Geschäft mit Smartphones wiederum ist es Google mit seinem kostenlosen Betriebssystem Android gelungen, Apple bei den Verkaufszahlen vom ersten Platz zu stoßen. Das ist die Grundlage dafür, dass die vernetzten Telefone zu einem erschwinglichen Massenprodukt werden können. Nur wenige Monate später zeigte sich, dass das Internet eine weitere Branche auf den Kopf stellt: Befeuert durch den Erfolg der Tablet-Rechner, verkauften Buchhändler in den USA erstmals mehr E-Books als fest gebundene Exemplare.
Wie es nun weitergeht, hat die WirtschaftsWoche-Technologieredaktion auf den nächsten Seiten analysiert.
Die Energiewende etwa wird Millionen Verbraucher zu Stromproduzenten machen. Getrieben wird die Entwicklung von Innovationen in der Solartechnik. So sinken nicht nur die Modulpreise – mit den hauchdünnen Farbstoffsolarzellen verlässt Technik die Labors, mit der in Zukunft Handys, Fassaden und selbst Picknickkörbe Strom produzieren können. Das bringt die grüne Revolution in den Alltag.
Noch auffälliger ist der Boom des mobilen Internets. Laut den Marktforschern von Comscore besitzen 34 Prozent der Deutschen ein Multimediatelefon. Und damit erreicht die Digitalisierung auch Lebensbereiche, die bislang von ihr ausgespart blieben: In den nächsten Monaten kommt eine wachsende Zahl von vernetzten Haushaltsgeräten auf den Markt. Waschmaschinen, Heizungen und Stromzähler lassen sich dann via Handy oder Tablet-Rechner fernsteuern und überwachen.
Quelle: PresseStandheizung
Selten wurde heiße Luft so ansehnlich produziert: Der Heizlüfter des britischen Hausgeräteherstellers Dyson soll auch ohne Propeller Räume schneller mit Wärme fluten als andere Geräte. Preis: 349 Euro.
Quelle: PresseTaschen-Bibliothek
8,8 Millimeter dünn, 12.000 Bücher drin – der E-Reader PRS-T1 von Sony nimmt es mit den Regalen ganzer Stadtbibliotheken auf. Per WLAN erreicht er obendrein Online-Lexika und virtuelle Buchläden. Preis: 149 Euro.
Quelle: PresseSolar-Bonsai
Kunstwerk, Ladestation, Ökostatement – der Electree des französischen Designers Vivien Muller ist alles in einem. 27 Solarmodule speisen Strom in einen Akku, der für mehrere iPhone-Ladungen reicht. Preis: 299 Euro.
Quelle: PresseBewegungsmelder
Adidas sprintet mit dem ersten intelligenten Fußballschuh auf den Markt: Sensoren im adizero f50 powered by miCoach messen Lauftempo, Strecke, die Zahl der Sprints und mehr. Per WLAN gelangen die Daten auf Handy und Tablet. Preis: 220 Euro.
Videobotschafter
Hat man schon wieder vergessen, Milch einzukaufen, hilft vielleicht eine Entschuldigung auf dem Video-Post-IT Play des Hongkonger Elektronikherstellers Native Union. Das Gadget nimmt, per Magnet an den Kühlschrank gepappt, bis zu drei Minuten bewegtes Bild auf. Preis: 59,99 Dollar.
Quelle: PresseEi-Phon
Als würde er gleich davonkullern: Seine Eiform macht den iPhone-Lautsprecher Fidelio SoundSphere des niederländischen Elektronikherstellers Philips zum Hingucker. Per Funk greift die Anlage auch auf den Computer zu. Preis: 990 Euro.
Quelle: PresseRollator
Wie von Geisterhand angestoßen rollt der Sphero des US-Startups Orbotix voran – gesteuert via Bluetooth-Funk per Smartphone. Nicht nur ein Spielzeug für Katzen – mit mehreren Handy-Spielen können Menschen Parcours bewältigen oder Minigolf spielen. Preis: noch unbekannt.
Quelle: PresseScharfschütze
Stets scharfe Fotos macht die elf Zentimeter lange Lichtfeldkamera des US-Startups Lytro: Wo der Fokus liegt, wird nach der Aufnahme eingestellt. Preis: ab 399 Dollar.
Quelle: PresseFind-Hund
Mit dem GPS-Halsband tagg des US-Startups Snaptracks lassen sich entlaufene Hunde per Smartphone-App orten. Preis: 99,95 Dollar.
Quelle: PresseLaser-Feger
Das Wuppertaler Hausgeräte-Urgestein Vorwerk hat seinem Kobold-Staubsauger Robotorintelligenz eingehaucht: Der VR 100 soll sich per Lasersteuerung schneller als ähnliche Geräte durch die Wohnung navigieren. Preis: 649 Euro.Welches Produkt fasziniert Sie besonders? Stimmen Sie hier ab und gewinnen Sie das neue Mega-Smartphone Samsung Galaxy Note.
Standheizung
Selten wurde heiße Luft so ansehnlich produziert: Der Heizlüfter des britischen Hausgeräteherstellers Dyson soll auch ohne Propeller Räume schneller mit Wärme fluten als andere Geräte. Preis: 349 Euro.
All das aber ist nur möglich, weil die vernetzten Alltagsgeräte immer intelligenter werden: Über das Internet haben sie Zugriff auf gigantische Großrechner, die Handys, Autos und Computer zu verlässlichen Assistenten machen – wie Apples neues iPhone mit der Software Siri.
Trotz dieser immer klügeren Technik gilt: Denken müssen wir wohl auch weiterhin selbst. „Selbst die smartesten Maschinen tun nur, wofür man sie programmiert hat“, sagt IBM-Softwarechef Steve Mills im WirtschaftsWoche-Interview. „Das universelle, geniale Gehirn aber, das gibt es schon. Es sitzt zwischen unseren Ohren. Und da bleibt es auch.“
Die Technik-Trends des Jahres 2012:
Interaktion: Siri war nur der Anfang
Apples Sprachsteuerung soll Konkurrenz bekommen. Digitale Assistenten erleichtern bald die Bedienung von immer mehr Elektronik.
Internet: Teilen statt Kaufen
Es ist der Megatrend der Generation Facebook: Millionen Menschen vermieten online Zimmer, Geräte und Autos.
Energie: Engpässe überbrücken
Die Energiewende erfordert tausende Kilometer neuer Stromtrassen. Dank neuer High-Tech-Leitungen könnten weniger reichen.
Rohstoffe: Zinngräberstimmung
Die hohen Preise von Zinn, Kupfer und Seltenen Erden sorgen für eine Renaissance des Bergbaus in Deutschland.
Ernährung: Zucker light
Der Naturstoff Stevia ist viel süßer als Zucker und dennoch kalorienfrei. 2012 kommen die ersten Produkte mit diesem Süßstoff der Zukunft auf den Markt.
Elektronik: Das Haus denkt mit
Das Licht angelassen, die Heizung nicht ausgestellt? Intelligente Wohnungen und Häuser managen sich künftig selbst.
Hirnforschung: Autos mit Gedanken lenken
Wissenschaftler verfeinern die Technik zum Gedankenlesen. Autos und sogar Hubschrauber sollen mit Gedanken gesteuert werden.
Raumfahrt: Live aus dem All
Ab 2012 senden Satelliten Live-Bilder der Erde ins Internet. Das könnte unseren Blick auf die Welt für immer ändern.
Medizin: Schlag den Keim
Viele Medikamente sind heute gegen aggressive Krankheitserreger wirkungslos. Nun schlagen Forscher mit neuen Wirkstoffen zurück.
Airlines: Neue Jets aus Plastik
Emissionshandel und Spritpreise befeuern den Wettbewerb um sparsame Langstreckenflieger. Boeing und Co. setzen auf Kunststoff statt Aluminium.
Fotovoltaik: Energiewände
Fassaden, Rechner, Autos: Neue, hauchdünne Solarzellen versorgen Alltagsgegenstände und ganze Gebäude mit Elektrizität.
Ultrabooks: Kampf um das flachste Laptop
Neben den erfolgreichen Tablet-PCs kommt 2012 eine Flut superflacher Laptops auf den Markt. Der Sieger ist keineswegs gesetzt.
Luftfahrt: Drohnen im Anflug
Verbrecher jagen, Vulkane überwachen und vielleicht sogar den Welthunger bekämpfen – Drohnen erobern den Himmel.
Automarkt: Die neue Hybrid-Welle
Mit neuen Hybrid- und Elektroautos eifern deutsche Hersteller den Pionieren Toyota und Honda nach.
Medizin: Leber aus dem Drucker
Lebensrettende Ersatzorgane sind knapp. Bald sollen sie aus dem Drucker kommen.











