Shinkansen und Co,: Warum die Bahn in Japan so pünktlich ist

Pünktlichkeit: Warum Japans Bahn auf die Sekunde fährt

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Die Japaner haben die hohe Pünktlichkeit neben der hervorragenden Technologie und der guten Wartung dem Umstand zu verdanken, dass das Shinkansen-Netz vom Nah- und Güterverkehrsnetz getrennt und fast durchweg eingezäunt ist.

Quelle:Handelsblatt Online

Wenn es um die Pünktlichkeit geht, kann sich die Deutsche Bahn von japanischen Bahnbetreibern eine Scheibe abschneiden. Das gilt für Pendlerzüge ebenso wie für den schnellen Shinkansen. Was dahinter steckt.

Davon können deutsche Pendler nur träumen: Während sich die Bahn in Deutschland immer wieder für Verspätungen und Zugausfälle rechtfertigen muss, ist es im fernen Japan bisweilen genau umgekehrt. Dort sah sich ein Bahnbetreiber kürzlich dazu veranlasst, sich bei den Fahrgästen zu entschuldigen, weil eine Vorortbahn von Tokio nicht zu spät, sondern zu früh abgefahren war. Statt wie vorgesehen um 9 Uhr 44 Minuten und 40 Sekunden fuhr der Tsukuba Express doch glatt um 9 Uhr 44 Minuten und 20 Sekunden ab. Also in der richtigen Minute, aber eben um 20 Sekunden zu früh.

„Wir entschuldigen uns zutiefst für die Umstände, die wir Ihnen, den Kunden bereitet haben“, hieß es auf der Webseite der Bahngesellschaft Metropolitan Intercity Railway Company. Dabei hatte sich gar keiner beschwert. Trotzdem unangenehm, dass die Durchsage zur Abfahrt des Zuges erst erfolgte, als der schon fuhr.

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Japans Bahnen sind Weltklasse. Zu Recht ist die asiatische Hightech-Nation stolz auf die Zuverlässigkeit – und auch die Sauberkeit – ihrer Züge. Für Takeshi Hara, Professor der Open University of Japan, geht die Gewohnheit, sich absolut strikt an den Zeitplan zu halten, auf die einstigen Sonderzüge für das Kaiserpaar zurück. In der Zeitung „Asahi Shimbun“ erzählt er, wie bei einer Reise des Kaisers 1928 nach Kyoto der Zeitplan auf die Sekunde genau eingehalten wurde.

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Heue benutzt der Monarch zwar einen Wagen eines normalen Zuges, um seinem Volk keine Umstände zu bereiten. Aber mit der „kaiserlichen“ Pünktlichkeit nimmt es Japan noch heute höchst genau, wie das obige Beispiel zeigt.

Beim Thema Verspätungen agiere Japan „in einer anderen Liga als Deutschland“, urteilte die „Süddeutsche Zeitung“ dieser Tage. Das gilt auch für Japans Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der Stolz der Nation. Außer bei Naturkatastrophen wie Erdbeben kommt es auch hier kaum zu Verspätungen. 2011 betrug die durchschnittliche Verspätung 36 Sekunden. 2015 waren es beim Tokaido-Shinkansen allerdings schon 54 Sekunden.

Bei der Deutschen Bahn gilt ein Zug bis zu einer Verspätung von 5:59 Minuten als pünktlich. Und das Ziel, in diesem Jahr eine Quote von 81 Prozent pünktlicher Fernzüge zu erreichen, hat Bahnchef Richard Lutz bereits aufgegeben. Als Grund nannte er die vielen Bauarbeiten und die Herbststürme.

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Die Japaner haben die hohe Pünktlichkeit des Shinkansen neben der hervorragenden Technologie und der guten Wartung dem Umstand zu verdanken, dass das Shinkansen-Netz vom Nah- und Güterverkehrsnetz getrennt und fast durchweg eingezäunt ist. Die Fahrt-, Ankunfts- und Durchfahrtszeiten werden in Einheiten von 15 Sekunden geplant.

Der Zugfahrer muss die Distanz zur nächsten Station genau im Blick haben. Sobald sich eine Verspätung von mehr als einer Minute abzeichnet, wird die Einsatzzentrale alarmiert. Gemeinsam mit dem Fahrer wird dann alles versucht, um die Verspätung einzuholen. Die Pünktlichkeit der Züge hat allerdings auch mit dem Pflichtbewusstsein und der Disziplin des Personals zu tun. Dafür, dass er 20 Sekunden zu früh abgefahren war, hatte der Zugführer des Tsukuba Express eine Ermahnung erhalten. Hinzu kommt die Konkurrenz zwischen den Bahnen.

Niemand wolle hinter den Mitbewerber zurückfallen, auch nicht, wenn es um Entschuldigungen für kleinste Abweichungen vom Zeitplan gehe, so Professor Hara. Im vergangenen Juni hatte eine Bahn dafür entschuldigt, dass ein Zugführer gar um 30 Sekunden zu früh abgefahren war. Und so hielt es nun auch der Betreiber des Tsukuba Expresses, obwohl es gar keine Klagen seitens der Fahrgäste gegeben hatte.

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Rechtswissenschaftler Naoki Sato vom Kyushu Institute of Technology erklärt, in Japan sei es eben üblich, „sich zunächst einmal zu entschuldigen“, damit die Atomsphäre nicht beeinträchtigt wird und das Leben problemlos weitergehen kann. „Die Entschuldigung entsprach unserem Betriebsstandard und wir werden in solchen Fällen auch künftig so verfahren“, betonte der Betreiber des Tsukuba-Expresses.

Quelle:  Handelsblatt Online
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