Rauchen: E-Zigaretten sollen Arzneimittel werden

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Rauchen: E-Zigaretten sollen Arzneimittel werden

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von Meike Lorenzen

Immer mehr der elektronischen Glimmstängel gehen in Deutschland über die Ladentheke, dabei ist die rechtliche Lage umstritten. Derzeit diskutieren Politiker darüber, ob die E-Zigarette künftig nur noch in Apotheken verkauft werden sollte - mit massiven Folgen für die Verbraucher.

Fröhliche Werbebilder suggerieren ein Lifestyle-Produkt, während Mediziner skeptisch die Stirn runzeln. Ist sie nun schädlich oder nicht? Seit der Einführung der E-Zigarette streiten Forschungseinrichtungen und Interessensverbände darüber, inwieweit der Dampfstängel mit Akku erlaubt sein sollte. Aktuell hat das Thema wieder an Brisanz gewonnen und die Lobbyisten auf den Plan gerufen. Im Rahmen einer Erneuerung der europaweiten Tabakrichtlinien hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, die E-Zigarette als Arzneimittel einzustufen. Damit wären die kleinen Gadgets nur noch in Apotheken erhältlich. Der Vorschlag wird derzeit in den einzelnen Mitgliedsländern diskutiert. Bis zur Sommerpause rechnen Experten mit ersten Ergebnissen.

Starke Einschränkungen für die Hersteller

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Dac Sprengel hat daher im Moment viel zu tun: hier ein Treffen mit den Grünen in Berlin, da eines mit seinen Verbandsmitgliedern. Der Vorsitzende des im Dezember 2011 gegründeten Verbandes des E-Zigarettenhandels (VdeH) tut gerade alles, um die E-Zigarette von dem Arzneimittelstempel zu bewahren. „Eine Medikamentenzulassung für Europa zu bekommen, dauert mindestens drei Jahre. Damit wäre unser Geschäft erst einmal tot“, sagt er. Zusätzlich hat eine eigene Umfrage des Verbandes unter etwa 1000 E-Zigaretten-Rauchern ergeben, dass 70 Prozent das Produkt nicht in Apotheken kaufen wollen. Insgesamt gibt es zwischen 1,8 und 2,2 Millionen E-Zigaretten-Konsumenten in Deutschland. Die Angaben dazu schwanken von Institut zu Institut. Meist sind es starke Raucher, die auf die elektronische Variante umsteigen.

Die wichtigsten Fakten zur E-Zigarette

  • Was ist das Prinzip der E-Zigarette?

    Bei jedem Zug verdampft ein Brennelement ein sogenanntes Liquid. Dieses kann Nikotin in verschiedenen Konzentrationen enthalten - es gibt sie aber auch nikotinfrei. Außerdem können alle erdenklichen Aromen zugesetzt sein. Um die Illusion perfekt wirken zulassen, glüht bei manchen Modellen eine Leuchtdiode an der Spitze auf.

  • Machen E-Zigaretten weniger süchtig?

    Wissenschaftliche Beweise gibt es nicht. Sicher ist, dass Nikotin schnell süchtig macht. Die Elektro-Kippen sind wenig erforscht, Auswirkungen möglicher Schadstoffen unbekannt, sagen Kritiker. Auch ist unklar, was dem Konzentrat beigemischt ist. Das wissen nur die Hersteller. Nachfragen bleiben mit Verweis aufs Betriebsgeheimnis unbeantwortet. Die US-Kontrollbehörde FDA fand im Jahr 2009 giftige Substanzen in Proben - darunter krebserregende Nitrosamine. Gegen eine hohe Qualität der E-Zigaretten spreche auch der variierende Nikotingehalt in den Kapseln. Auch in als nikotinfrei deklarierten Patronen konnte mitunter Nikotin gefunden werden.

  • Was weiß man über gesundheitliche Folgen?

    Die gesundheitlichen Folgen für E-Dampfer und passive "Mit-Atmer" sind in der Wissenschaft äußerst umstritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte zuletzt im Februar 2012 betont, dass Gefahren für Dritte „nach derzeitigem Kenntnisstand nicht auszuschließen“ seien. Es gebe so viele verschiedene Flüssigkeiten, die sogenannten Liquids, dass fraglich sei, was ein Nutzer im konkreten Fall tatsächlich inhaliere.

    Das Deutsche Krebsforschungszentrum spricht von einem erheblichen Forschungsbedarf und fordert geeignete wissenschaftliche Studien.

    Die Weltgesundheitsorganisation WHO forderte im Juli 2014, Rauchverbote auch auf E-Zigaretten zu übertragen - mit einer Einschränkung: Diese Empfehlung gelte nur, solange nicht belegt sei, dass der Dampf für Umstehende ungefährlich ist.

  • Darf eine E-Zigarette überall geraucht werden?

    Behörden, Forscher und Politiker warnen vor möglichen Gesundheitsgefahren – sowohl für die E-Dampfer, als auch für die Passiv-Dampfer. Sie wollen die Rauchverbotszonen auch zu dampffreien Zonen machen. Zuletzt entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster am 4. November 2014, dass Wirte ihren Gästen weiter den Konsum von elektrischen Zigaretten erlauben dürfen - zumindest in Nordrhein-Westfalen. Das strenge Nichtraucherschutzgesetz in NRW gelte nicht für die Verdampfer. Weil bei E-Zigaretten kein Tabak verbrannt werde, handele es sich nicht um Rauchen, argumentierten die Richter. Zudem seien die Gefahren für Dritte nicht mit denen des schädlichen Zigarettenqualms vergleichbar (Az.: 4 A 775/14).

  • Urteil zu freiem Handel

    Das Oberverwaltungsgericht Münster befasste sich im September 2013 mit dem Verkauf von E-Zigaretten. Die Richter entschieden damals in einem Grundsatzurteil, dass nikotinhaltige Flüssigkeiten weiterhin außerhalb von Apotheken verkauft werden dürfen. Die Produkte seien keine Arzneimittel. Der freie Handel und Verkauf von Produkten rund um E-Zigaretten ist damit nicht strafbar. Das NRW-Gesundheitsministerium hat dagegen Revision beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt.

  • Wie groß ist der Zulauf zur E-Zigarette?

    E-Zigaretten erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Laut dem Portal Statista wurden im Jahr 2010 fünf Millionen Euro auf dem E-Zigarettenmarkt umgesetzt - 2013 waren es schon 100 Millionen Euro. Für 2014 werden 150 bis 200 Millionen Euro erwartet.

„Die E-Zigarette liegt bei etwa einem Promille der Tabakzigarette und ist damit deutlich weniger schädlich. Wer auf das Produkt umsteigt merkt schnell, dass raucherbedingte Beschwerden nachlassen“, weiß Dac Sprengel. Daher sei es auch für die Verbraucher wichtig, dass sie auch weiterhin den gleich Zugang zur E-Zigarette wie zum normalen Tabakprodukt haben.

Nebelmaschine für unterwegs

Während Raucher tatsächlich Rauch einatmen, dampfen Menschen die zur E-Zigarette greifen. Das kleine Gerät, das ab acht Euro zu bekommen ist, basiert auf der Technik, mit der in Diskotheken Nebel erzeugt wird. Sie besteht aus einem Akku, einem Verdampfer, einer Heizspirale sowie einer Art Depot mit einer Betriebsflüssigkeit. Diese sogenannten Liquids werden im Verdampfer auf 65 bis 120 Grad Celsius erhitzt. Durch Ansaugen oder per Tastendruck wird der Dampf erzeugt. Die Flüssigkeit ist sowohl mit Nikotin als auch mit Aromen wie Apfel oder Mandel erhältlich. Doch egal für welches Produkt sich die Konsumenten entscheiden, die Trägersubstanz ist in fast allen Fällen Propylenglykol, eine weitere Flüssigkeit, die für den Dampf sorgt. Auch Glycerin ist in dem Liquid enthalten.

 

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