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Raumfahrt: Big Brother auf dem Weg zum Mars

von Andreas Menn

Ein niederländisches Unternehmen will Astronauten auf den Mars fliegen – und die Videobilder der Mission live im Fernsehen übertragen. Jetzt gab das Startup erste Sponsoren bekannt. Der Haken: Die Kandidaten kehren nie zurück.

Grafik einer Marskolonie Quelle: Presse
In fünf Modulen sollen vier Astronauten wohnen, forschen und Gemüse pflanzen Quelle: Presse

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Wenn das Raumschiff auf einer Feuersäule gen Himmel steigt, wissen die Astronauten an Bord: Es gibt kein Zurück mehr. Noch ein Blick durchs Fenster, blaue Erdkugel vor schwarzem All – das wird das Letzte sein, was sie von ihrer Heimat zu sehen bekommen.

Denn das Ziel ihres Flugs, der im Jahr 2022 starten soll, ist der Mars – und dort sollen die Raumfahrer stranden wie Schiffbrüchige. Keine Rakete für die Heimkehr wartet im roten Sand, kein außerirdisches Cape Canaveral; bloß sechs Biwaks mit Sauerstoff und Wasser, Betten, Raumanzügen und Computern.

Die ersten Menschen, die lebend den Mars erreichen, bleiben, bis sie sterben.

Es wäre eine martialische Reise. Doch Bas Lansdorp glaubt, dass er Freiwillige findet, die sie antreten. Als Kind wollte der Niederländer selbst Astronaut werden. Heute, im Alter von 35 Jahren, will er Raumfahrtgeschichte schreiben: Sein Startup Mars One soll nicht nur die erste bemannte Marsmission starten, sondern gleich den roten Planeten besiedeln.

Bas Lansdorp Quelle: Presse
Mars-Mann Lansdorp sucht Sponsoren für eine ungewöhnliche Mission Quelle: Presse

Marsbesiedelung mit Medienbegleitung

Und wenn es läuft wie geplant, wird die Welt am Fernseher zuschauen. Denn bei Lansdorps Planetenmission sollen Kameras die Astronauten begleiten - finanziert durch Sponsoren und Fernsehrechte. Am Mittwoch gab Mars One die ersten fünf Geldgeber bekannt. Darunter ist der niederländische Internetdienstanbieter Byte, die Anwaltskanzlei VBC Notarissen und das Internetportal Newenergy.tv. Keine Milliardenkonzerne, doch ihr Geld soll reichen, um detaillierte Designstudien für die Marsmission ausarbeiten zu lassen. Und die sollen große Medienkonzerne und Unternehmen überzeugen, sich an der Marsfernsehshow zu beteiligen. "Der Flug zum Mars", sagt der Gründer, "wird das größte Medienereignis aller Zeiten."

Wenn alles gutgeht. Denn Menschen auf den Mars zu bringen, ist ein Wahnsinnsprojekt. Es erscheint staatlichen Raumfahrtagenturen so schwierig, dass sie sich auf einen Startzeitpunkt vor dem Jahr 2030 gar nicht erst festlegen wollen. Eine Studie – noch im Auftrag von US-Präsident George Bush Senior – taxierte die Kosten gar auf 400 Milliarden Dollar: 21 Jahresbudgets der US-Raumfahrtbehörde Nasa.

Juni 2013

Der Marsrover geht endlich auf große Fahrt. Nachdem er ein halbes Jahr lang nur auf einem kleinen Stück der Marsoberfläche geforscht hat, soll der Forschungsroboter nun in Richtung des etwa acht Kilometer entfernten Berges Mount Sharp aufbrechen, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. „Wir wissen nicht, wann wir dort ankommen werden“, sagte Nasa-Manager Jim Erickson. „Das ist eine Erforschungsmission - nur weil wir letztendlich zum Mount Sharp wollen, heißt das also nicht, dass wir nicht auf dem Weg auch noch spannende Dinge erkunden könnten.“ Wahrscheinlich werde die Fahrt in Richtung Südwesten aber mehrere Monate dauern.
Vor dem Aufbruch hat "Curiosity" noch schnell ein weiteres Loch in einen Stein auf dem Boden des Mars gebohrt und Proben entnommen. Dank der Erkenntnisse aus dem ersten Bohrvorgang vor mehreren Wochen habe der zweite nur etwa ein Viertel der Zeit gebraucht, teilte die Nasa mit.
Bevor der Rover seine momentane Forschungsgegend endgültig verlässt um den Mount Sharp zu erkunden, soll er noch kurz zwei Felsen und eine Stelle, an der Tonstein in Sandstein übergeht, näher betrachten.

Bild: AP

Schneller, billiger

Lansdorp will nicht nur schneller als die Nasa dort sein, sondern auch billiger. Nur sechs Milliarden Dollar soll sein Planeten-Projekt kosten. "Das Konzept klingt nur verrückt, weil es noch niemand vorgeschlagen hat", sagt er, und meint es ernst.

Anfang 2011 verkaufte der Ingenieur Anteile an seinem ersten Unternehmen, dem niederländischen Windstrom-Startup Ampyx Power, und gründete Mars One. Er gewann drei ehrenamtliche Mitarbeiter sowie renommierte Botschafter: den niederländischen Physiknobelpreisträger Gerard ’t Hooft und den Miterfinder der TV-Show Big Brother, Paul Römer.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.08.2012, 22:35 UhrBerliner

    Dies nenne ich mal wirklich ein sehr schönen geschriebenen Artikel! Wobei, wenn ich vielleicht auf den Bielefelder eingehen darf. Mir stellt sich zu deiner Aussage eine entscheidene Frage: "Denkst du nicht das sie Menschen hochschicken die hoch begabt sind vom ihrem Leistungspotenzial und somit ihre Entscheidung sorgfältig getroffen haben? Allein die Technik im solch ein Mammutprojekt, da gewartet werden sollte?" Was ich mir ein bisschen schwierig vorstelle sind die Transportkosten und die gesunde Ernährung, weil 200m² sind verdammt wenig, wenn sie kein Gengemüse anbauen. Wobei auch interessant wäre ob die Inflation mit einberechnet wurde im Betrag von ca 9 Millarden?

    Dem Autor würde ich ans Herz liegen, bleib so.

  • 29.08.2012, 19:31 UhrBielefelder

    Worin soll der Reiz einer solchen Reise liegen? Zwei Jahre Flug, dann ein Leben in der Wüste unter lebensfeindlichen Bedingungen. Nur um ins Fernsehen zu kommen, ohne den Ruhm auf der Erde genießen zu können? Medienereignis ja, aber die Menschen sind nur Medienfutter. Käse aus Holland!

  • 29.08.2012, 17:08 Uhrskyjellyfetty

    "Der Haken: Die Kandidaten kehren nie zurück."
    Was heißt hier Haken?Wie lange hat die Menschheit eine solche Gelegenheit herbeigesehnt!!!
    Ich wüßte eine ganze Titanic voller Menschen,die da schleunigst auf die Passagierliste gehören.
    Romney,Putin,Assad,Netanjahu,Berlusconi,Maschmeyer,Rösler...to be continued!

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