Raumfahrt: Der letzte Flug des Esa-Transporters

Raumfahrt: Der letzte Flug des Esa-Transporters

Mit dem ATV5 dockte am Dienstag das letzte Versorgungsschiff seiner Reihe an die Internationale Raumstation ISS an. Wie die Europäische Raumfahrtagentur Esa die Technologie künftig weiterentwickelt.

Mit dem am Dienstagnachmittag an die ISS angedockten Versorgungstransporter ATV5, dem Automatischen Transportvehikel, beendet die Europäische Raumfahrtagentur Esa den Einsatz des Versorgungsschiffes. Das ATV Georges Lemaître, benannt nach dem belgischen Astrophysiker, der die Urknalltheorie begründete, wurde am 29. Juli an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana in Richtung ISS auf die Reise geschickt. Das Transportfahrzeug hat neben Experimenten für die ISS-Besatzung, Ersatzteilen, Kleidung, Nahrungsmitteln und weiteren Versorgungsgütern auch zwei eigene Experimente an Bord.

So soll die Versorgungskapsel die sogenannten Laser Infrared Imaging Sensoren testen. Dabei handelt es sich um autonome Sensoren für Andockmanöver, die es Raumschiffen in Zukunft ermöglichen sollen, sich mit unkooperativen Zielen zu verbinden. So nennt man zum Beispiel Probennehmer und Trümmer. Außerdem wird eine Infrarot-Kamera den Raumtransporter beim Wiedereintritt über dem Pazifik filmen. Die erfassten Daten werden dann zu einem speziellen Satelliten übermittelt.

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Seit 2008 war das Transportvehikel der Esa im Einsatz, gebaut wurde es unter anderem bei EADS Astrium in Bremen. Die Entwicklungskosten für das ATV beliefen sich laut dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum DLR auf insgesamt 1,35 Milliarden Euro. Jedes Vehikel kostet in der Herstellung etwa 230 Millionen Euro, der Start erzeugt Kosten von etwa 250 Millionen Euro. Dies entspricht Transportkosten von 43 Millionen Euro pro Tonne Fracht. Der Transport von Gütern mit dem ATV ist damit deutlich teurer als zum Beispiel mit dem russischen Progress-Transporter: Hier kostet ein Start insgesamt gerade einmal 30 Millionen Euro, das entspricht einem Preis von 13 Millionen Euro pro Tonne.

Dafür hatte das ATV eine zusätzliche Funktion: Seine Triebwerke korrigierten die Flugbahn der ISS in regelmäßigen Abständen. Durch die Reibung mit der Restatmosphäre in der Erdumlaufbahn ist dies nötig.

Neuer Kurs der Esa

Mittelfristig sollte das ATV zu einem bemannten Raumfahrzeug umgebaut werden. In einem ersten Schritt sollte die Kapsel so umgebaut werden, dass sie in der Lage ist, heil zur Erde zurückzukommen. Aktuell verglühen die ATVs bei ihrem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, weshalb sie nicht dafür geeignet sind, Experimente von der ISS auf die Erde zurückzubringen.

Anstatt der Weiterentwicklungspläne verfolgt die Esa nun einen anderen Kurs: Sie stellt einen Teil der Technologie für die Raumkapsel Orion der Nasa bereit. Damit erfüllt die Esa einen Teil ihrer Verpflichtungen gegenüber der Nasa, welche durch die ISS-Nutzung entstehen - bis 2020 sollen dies 452 Millionen Euro sein, von denen nur 250 Millionen von den Mitgliedsstaaten der Esa genehmigt sein sollen. Außerdem werden auch für den Betrieb des europäischen Columbus-Forschungsmoduls einige hundert Millionen Euro benötigt, da dieses von der Erde aus mit Experimenten und Daten ausgestattet wird.

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Künftig müssen der russische Progress-Transporter, das japanische H-2 Transfer Vehicle, der von der Nasa mitentwickelte Cygnus-Raumtransporter sowie der von den privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX bereitgestellte Dragon-Transporter die Versorgung der Raumstation ISS sicherstellen.

Die an der ISS beteiligten Raumfahrtagenturen haben sich darauf geeignet, dass die Station bis mindestens 2020 weiterbetrieben werden soll. Technisch wäre auch ein Betrieb bis zum Jahr 2028 denkbar.

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