Raumfahrt: "Envisat war unser Arbeitstier"

Raumfahrt: "Envisat war unser Arbeitstier"

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"Wir müssen der Tatsache ins Gesicht sehen, dass wir Envisat verloren haben", so Liebig, Direktor für Erdbeobachtungsprogramme bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa.

von Andreas Menn

Volker Liebig, Direktor für Erdbeobachtungsprogramme bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, über den Ausfall des größten Erdbeobachtungssatelliten im All und die Folgen für Raumfahrt, den Schiffsverkehr und die Wissenschaft.

WirtschaftsWoche Online: Herr Liebig, Envisat war das Flaggschiff der Esa im All, im März feierten Sie noch das zehnjährige Jubiläum des der Umweltsatelliten. Nun herrscht plötzlich Funkstille. Was ist passiert?

Volker Liebig: Am Ostersonntag um 13:09 Uhr hat Envisat die letzten Bilder gesendet, zur Bodenstation auf den Azoren. Der nächste Kontakt war um 14:28 Uhr vorgesehen, aber da haben wir nur noch eine Trägerfrequenz empfangen, die keine Informationen mehr enthielt. Nach zehn Stunden verstummte auch dieses Signal. Seitdem ist es uns nicht gelungen, den Kontakt wieder herzustellen oder Daten zu empfangen, weder über unsere weltweit verteilten Bodenstationen, noch über den Datenrelais-Satelliten Artemis.

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Wie haben Sie reagiert?

Wir haben amerikanische Kollegen, die den Orbit von der Erde aus beobachten, um Informationen gebeten. Anhand dieser Daten wussten wir bald, dass sich der Satellit weiter in einer stabilen Umlaufbahn bewegt. Von einem Bodenradar der Fraunhofer-Gesellschaft haben wir später hochauslösende Bilder erhalten, die uns zeigen, dass Envisat an einem Stück ist. Es gab offensichtlich also keinen größeren Einschlag von außen. Am zweiten Aprilwochenende gab es dann einen Vorbeiflug des französischen Satelliten Pléiades, der hochauslösende optische Aufnahmen gemacht hat. Wir konnten keine äußeren Schäden erkennen.

Lässt sich die Fehlerquelle denn bereits eingrenzen?

Es ist auf jeden Fall kein Treibstoffproblem. Wir haben zwei Fehlerszenarien, die aufgrund der spärlichen Informationen, die wir haben, schwer zu bestätigen sind: Entweder ist die Stromversorgung der Datenverarbeitung defekt, oder die des ganzen Satelliten.

Was wollen Sie nun tun, um den 2,3 Milliarden Euro teuren Satelliten noch zu retten?

Wir senden Kommandos hoch in Momenten, in denen Envisat über einer Bodenstation fliegt und zugleich mit seinen Solarpanels zur Sonne geneigt ist und dadurch vielleicht Strom hat. Aber es gibt bislang keine Reaktion. Wir sammeln weiter Informationen und schmieden Fehlerszenarien. Darüber hinaus lässt sich nicht mehr viel machen.

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