Raumfahrt: Goldgräber im Weltall

Raumfahrt: Goldgräber im Weltall

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Ein Transportschiff greift sich einen geeigneten Asteroiden mit Hilfe eines Kevlar-Kokons

von Andreas Menn

Bislang war es nur eine kühne Vision, die unermesslichen Rohstoffvorräte im Weltall zu erschließen. Neue Technik macht nun aber den Bergbau auf Asteroiden möglich. In zwei Jahren starten erste Erkundungsmissionen.

Der Asteroid 2008 HU4 führt ein geordnetes Dasein, und das wird ihm noch zum Verhängnis. Lange, womöglich Millionen Jahre schon, zieht der Steinbrocken die fast immer gleiche Bahn um die Sonne. Ein paar Runden noch, und er wird geschnappt, entführt, zerschreddert.

Asteroidenjäger liegen auf der Lauer – und am 24. Januar 2020 braust 2008 HU4 ihnen in die Falle.

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Ein Raumschiff wird von der Erde heranrasen und sich vor dem Asteroiden postieren. Mit Kameras, Radaren und Spektrometern wird es den Acht-Meter-Brocken akribisch observieren. Dann fängt es ihn ein und schleppt ihn davon.

Hinter dem derzeit noch fiktiven kosmischen Kidnapping stecken keine spinnerten Perry-Rhodan-Fans, sondern angesehene Weltraumexperten der Nasa, der US-Eliteuni Caltech und anderer Forschungsinstitute aus den USA und Europa. In einer Studie, veröffentlicht vom kalifornischen Keck Institute for Space Studies, schlagen die Wissenschaftler die außergewöhnliche Mission vor: Ein Roboterraumschiff soll einen ganzen Asteroiden einfangen, ihn von seinem Orbit ablenken und ihn in die Umlaufbahn des Mondes umleiten.

Fliegende Schatztruhen

Es wäre nicht weniger als der Beginn eines neuen Zeitalters: „Der Abbau von Asteroiden wird den größten Wandel des menschlichen Wirtschaftens seit der industriellen Revolution auslösen“, sagt John Lewis, emeritierter Planetologie-Professor der Universität von Arizona und Verfasser des Werks „Mining the Sky“.

Wird Realität, was die Weltraumvisionäre erreichen wollen, wären heute noch seltenste Rohstoffe schlagartig im Überfluss und zu einem Bruchteil heutiger Preise verfügbar. Ein Innovationsschub ungeahnten Ausmaßes wäre die Folge.

Goldrausch am Himmel

  • 585.100 Asteroiden

    haben Astronomen bisher entdeckt. Es sind Reste aus der Urzeit des Planetensystems. Die meisten kreisen im sogenannten Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter um die Sonne.

  • 8900 erdnahe Asteroiden

    sind identifiziert, darunter 2008 HU4. Maximal 45 Millionen Kilometer von der Erdbahn entfernt, sind sie recht leicht per Rakete erreichbar.

  • 40.000 Billionen Dollar

    sind Rohstoffe wie Gold in diesem erdnahen Schwarm wert, schätzt der US-Planetologe John Lewis.

  • 2,6 Milliarden Dollar

    soll es kosten, den acht Meter großen Asteroiden 2008 HU4 zu fangen und in den Mondorbit zu bringen.

Denn Asteroiden, das haben Untersuchungen mit Teleskopen und Raumsonden ergeben, sind fliegende Schatztruhen. Sie bestehen mitunter zu 30 Prozent aus Metallen. „Auf der Erde knappe Stoffe wie Silber oder Seltene Erden sind in manchen von ihnen 1000-mal stärker konzentriert als in der Erdkruste“, sagt Eckkehard Kührt, Asteroidenfachmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin.

Andere Experten schätzen zudem, dass ein einziger, 500 Meter großer Klumpen so viel Platin enthält, wie die Menschheit je geschürft hat. Allein Platin, ein wichtiger Industrierohstoff etwa für Katalysatoren oder Brennstoffzellen, bescherte Minenbetreibern weltweit im Jahr 2009 Umsätze in Höhe von 7,2 Milliarden Dollar.

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