Ressourcen im All: „Mehr, als die Menschheit je verbrauchen kann“

Ressourcen im All: „Mehr, als die Menschheit je verbrauchen kann“

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So könnte der künftige Arbeitsplatz eines Astronauten ausschauen: Der Asteroid Eros, von der Raumsonde Near fotografiert, auf einer Entfernung von 204 Kilometern.

von Andreas Menn

Der US-Planetenforscher John Lewis glaubt, dass Weltraumunternehmer bald Rohstoffe aus Asteroiden abbauen. Ein Gespräch über Bergbau im All, Tankstellen für Raumschiffe und die unerschöpflichen Rohstoffvorräte des Sonnensystems.

WirtschafsWoche: Herr Lewis, in Ihrem Buch „Mining the Sky“ beschrieben Sie schon vor 16 Jahren, wie die Menschheit in Zukunft Asteroiden als Rohstoffquelle erschließen könnte. Nun will das Startup Planetary Resources, zu dessen Beratern Sie gehören, die Vision verwirklichen. Warum glauben Sie, dass die Idee heute mehr als nur Science-Fiction ist?

Lewis: Zum einen ist die Technik weit genug entwickelt, um einen Asteroiden einzufangen und auszubeuten. Zum anderen hat Planetary Resources erstmals eine Gruppe von Milliardären zusammengebracht, die das Vorhaben unterstützen. An hervorragenden Ideen hat es in den letzten Jahrzehnten nie gefehlt – am Geld schon.

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Trotzdem klingt es nach einer Herkulesaufgabe, einen riesigen Felsen im All zu abzuschleppen.

Die nötige Antriebstechnik für Raumschiffe existiert. Zudem gab es schon zwölf Forschungsmissionen zu Kleinkörpern im All – die Nasa-Sonde Dawn kreist in diesem Moment um den Brocken Vesta. Wir haben zwar noch nie einen Asteroiden gefangen, aber es sind ein halbes Dutzend komplett verschiedene Ansätze in der Diskussion, und alle erscheinen mir machbar.

Eine neue Studie, an der Sie mitgearbeitet haben, kommt zu dem Ergebnis, dass es 2,6 Milliarden Dollar kosten würde, einen acht Meter großen Asteroiden zum Ausbeuten in die Umlaufbahn des Mondes umzuleiten. Das klingt, gelinde gesagt, teuer.

Der US-Planetenforscher John Lewis. Quelle: PR

Der US-Planetenforscher John Lewis.

Bild: PR

Eine erstaunliche Zahl an Weltraummissionen liegt im Milliarden-Dollar-Bereich. Diese Asteroiden-Mission wäre also nicht ungewöhnlich kostspielig. Sie gäbe uns eine einmalige Gelegenheit, eine Vielzahl von Bergbautechniken in der Schwerelosigkeit zu testen.

Welche zum Beispiel?

Roboter könnten im All Felsstücke lösen und sie in einer Gesteinsmühle zermahlen. Zunächst ließe sich aber auch nur das Material an der Oberfläche ausbeuten, indem Sonden sie zum Beispiel erhitzen oder magnetisieren. Wir haben in unseren Laboren an der Universität von Arizona hunderte entsprechende Experimente durchgeführt, mit vielen verschiedenen Arten außerirdischen Gesteins.

Wie viele Rohstoffe sind denn Ihrer Schätzung nach da draußen unterwegs?

Nehmen Sie den Asteroiden 1986 DA: 2,3 Kilometer groß, 40 Milliarden Tonnen Masse. Er enthält unter anderem Eisen, Kupfer, Aluminium, Platin und Gold – und zwar von allen Metallen mindestens so viel, wie die Menschheit je geschürft hat. Wer 1986 DA kaufen wollte, müsste nur für die Platinmetalle, die in ihm enthalten sind, 60 Billionen Dollar hinlegen. Allein der erdnahe Schwarm ist etwa 40.000 Billionen Dollar wert. Und die Masse im Asteroidengürtel ist wahrscheinlich noch einmal hundert Millionen mal größer. Im All gibt es mehr Ressourcen, als die Menschheit je verbrauchen kann.

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