ThemaRüstung

alles zum Thema
_

Rüstung: Ramsch-Technik aus China in US-Waffensystemen

von Jan Willmroth

Fälscher infiltrieren die US-Streitkräfte: In mehr als 1800 Fällen hat ein Komitee des Washingtoner Senats gefälschte Elektronikteile in High-Tech-Waffen entdeckt. Mehr als eine Million Komponenten sollen auf Umwegen in die Lieferkette der Rüstungsindustrie gelangt sein. Die meisten der Ramsch-Teile stammen aus China.

F-22 Raptor

Die Kampfjets vom Typ F-22 Raptor des US-Herstellers Lockheed Martin sind derzeit die teuersten und modernsten Jets der amerikanischen Luftwaffe. Ein Kampfjet kostet um die 110 Millionen Euro. Allerdings machen die Tarnkappenbomber ihren Piloten Probleme. Sie bekommen während des Fluges nicht genügend Luft. Schon seit vier Jahren melden die Piloten Benommenheit und kurzfristige Blackouts. Die Ursache des Sauerstoffmangels wird seit dem untersucht. 2011 hatte der Raptor schon einmal Flugverbot erteilt bekommen, weil einige Piloten ohnmächtig geworden sind. Jetzt hat die Luftwaffe angekündigt, den F 22 nicht mehr auf langen Strecken einzusetzen, damit die Maschinen im Falle des Falles rechtzeitig gelandet werden können.

Bild: REUTERS

Wenn die Chefs der US-Rüstungsindustrie den Namen Carl Levin hören, dürften sie nervös werden. Der Chairman des Senatskomitees für "Armed Services" hat einen Skandalreport vorgelegt, der es in sich hat: Mehr als eine Millionen gefälschter Chips und Elektronikteile sollen ihren Weg in High-Tech-Waffensysteme der US-Streitkräfte gefunden haben. Im schlimmsten Fall bedrohten die gefälschten Teile die nationale Sicherheit und das Leben der Soldaten, heißt es in dem Bericht. Die Quelle von mehr als 70 Prozent der dokumentierten Fälschungen: China.

Anzeige

Während Produktpiraten bislang vor allem für die Konsumgüterindustrie Milliardenschäden verursachten, infiltrieren sie nun offenbar auch im großen Stil die Rüstungsindustrie. Zahlreiche große Rüstungskonzerne wie Boeing, Lockheed Martin und Raytheon sind betroffen, auch L-3 Communications und BAE Systems wurden erwähnt.

Da ist zum Beispiel der bekannte Marinekampfhubschrauber Seahawk, in dessen Funkstörungsfilter gefälschte Teile verbaut wurden. Wenn diese versagen, könnte der Hubschrauber womöglich nicht mehr nachts fliegen und wäre bei Landmissionen beeinträchtigt. In den Lockheed-Transportflugzeugen C-130J und C-27J könnten wegen gefälschter Bauteile Displays ausfallen, die dem Piloten den Kerosinstand, den Motorstatus und Warnmeldungen anzeigen. Betroffen sind auch Raketen- und Artilleriesysteme.

Scharfe Kritik an China, Rüstungsindustrie und US-Behörden

"Diese Befunde sollten jeden Amerikaner empören", sagte Senator Levin. "Unser Bericht umreißt, wie diese Flut an gefälschten Bauteilen, vor allem aus China, die nationale Sicherheit, unsere Truppen und amerikanische Arbeitsplätze bedrohen." China habe bei der Kontrolle des offenkundig sehr großen Marktes für Fälschungen versagt, heißt es in dem Report. Die Komitee-Mitglieder seien gar in ihrer Recherche behindert worden, heißt es: Mehreren seien verweigert worden, als sie Fabriken vor Ort unter die Lupe nehmen wollten.

Waffengeschäfte Die größten Rüstungsschmieden der Welt

  • Waffengeschäfte: Die größten Rüstungsschmieden der Welt
  • Waffengeschäfte: Die größten Rüstungsschmieden der Welt
  • Waffengeschäfte: Die größten Rüstungsschmieden der Welt

Auch die Rüstungsindustrie wird in dem Bericht scharf kritisiert. Oft wüssten die Unternehmen nicht gut genug über ihre Lieferkette Bescheid. In vielen Fällen wüssten Boeing, Lockheed-Martin und Co. nicht einmal, wo die Zulieferer ihre Teile beschafften. Die beschriebenen 1.800 Fälle von fälschungsverdächtigen Teilen gingen auf mehr als 650 Unternehmen zurück, die wiederum eigene Zuliefernetzwerke unterhielten. So seien die Ramsch-Teile für den Seahawk-Helikopter durch fünf verschiedene Hände gewandert, bevor Raytheon sie kaufte. Weder das Verteidigungsministerium noch Raytheon hätten vor der Untersuchung gewusst, dass sie ursprünglich von Huajie Electronics im chinesischen Shenzen stammten.

Wie solche Fehler passieren können, zeigt das Beispiel der fehlerhaften Chips für die Bildschirme in den Lockheed-Flugzeugen. Der chinesische Zulieferer von L-3 Communications habe probeweise 18 Chips verschickt. Als diese geprüft und für gut befunden waren, habe L-3 mehr als zehntausend davon bei den Chinesen gekauft. Kein unabhängiges Labor habe die Bauteile überprüft. Zudem seien die Unternehmen faul, wenn es darum ginge, von solchen Fällen dem Verteidigungsministerium zu berichten. "Das Verteidigungsministerium und seine Vertragspartner müssen dieses Problem aggressiver angehen, vor allem, weil Fälscher besser darin werden, ihre gefährlichen Kopien zu verstecken", sagte Komitee-Vize John McCain.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 23.05.2012, 15:52 UhrJoker1

    Ist doch schwer in Ordnung. Die degenerierten Amis wollen überhaupt
    nichts mehr tun, bevor die Sklaverei wieder eingeführt ist.
    Alles wird aus China und sonstigen, sog. Billiglohnländern importiert. Die eigene Bevölkerung soll sich von nicht mehr vor-
    handenem Büffelfleich und Wurzeln ernähren. Hauptsache man kann
    "knallen". Hoffenlich versagen ihre hochgelobten Hightech-Waffen
    beim nächsten Einsatz. Vielleicht geht "der Schuß" dann mal nach
    hinten los.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Ostern goes Social Media: 1,1 Millionen deutsche Schoko-Liebhaber plaudern auf Facebook
Ostern goes Social Media: 1,1 Millionen deutsche Schoko-Liebhaber plaudern auf Facebook

Frauen dominieren die Diskussion rund um Schokolade auf Facebook deutlich. Beim Pro-Kopf-Verzehr sind die Schweizer...

Einstellungen
Dauerhaft aktivieren und Datenübermittlung zustimmen oder deaktivieren:
FOLGEN SIE WIWO.DE
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.