Samsung: Kommt bald das biegsame Handy?

ThemaInnovationen

Samsung: Kommt bald das biegsame Handy?

Bild vergrößern

Die Zeichnung zeigt ein Modell der dünnsten Membrane der Welt, die ein britisch-deutsches Physikerteam aus Kohlenstoff hergestellt hat. Die Physiker flochten eine Art Maschendraht aus einer einzelnen Atomlage Kohlenstoff, so genanntem Graphen. Die nur ein Atom dicke Graphenschicht eröffnet nach Meinung der Forscher völlig neue Technikfelder. So könne sie für superschnelle Elektronik dienen und die Arzneimittelentwicklung beschleunigen, teilte die Universität Manchester mit.

Die Industrie und auch die EU-Kommission haben schon länger einen Blick auf Graphen geworfen: Das Material ist extrem widerstandsfähig und dennoch sehr biegsam. Samsung ist nun der Durchbruch gelungen.

Dem südkoreanische Technikriesen Samsung ist etwas gelungen, worum ihn die Industrie, zahlreiche Forscher und die EU-Kommission beneiden: Der Konzern hat zusammen mit Forschern der Sungkyunkwan-Universität eine Methode entwickelt, den Stoff Graphen für die Massenproduktion nutzbar zu machen. Samsung spricht in diesem Zusammenhang von "einem der wichtigsten Durchbrüche in der Geschichte der Graphen-Forschung". Graphen ist ein chemischer Verwandter von Diamanten, Kohle oder dem Grafit von Bleistiftminen. Das Material ist weniger als einen Millionstel Millimeter dick und somit dünner als eine Klarsichtfolie. Dennoch ist Graphen so reißfest, dass es einen Elefanten tragen könnte. Es ist bis zu 300 Mal härter als Stahl, zugleich biegbar, durchsichtig wie Glas, und leitet Wärme und Strom besser als alle bekannten Materialien. Entdeckt wurde die Kohlenstoffverbindung 2004 von den russischstämmigen Wissenschaftlern Andre Geim und Konstantin Novoselov. 2010 erhielten beide dafür den Physiknobelpreis.

Im vergangenen Jahr entschloss sich die EU-Kommission, die Graphen-Forschung mit einer Milliarde Euro zu unterstützen. Um den Zauberstoff für die Industrie nutzbar zu machen, fördert sie das Forschungsprojekt "Graphene-CA", an dem 250 Forscher und 74 Partner, darunter der finnische Handykonzern Nokia, der niederländische Elektronikriese Philips, Flugzeugbauer Airbus und das deutsche Nanotechnologieunternehmen AMO tüfteln, mit rund einer Milliarde Euro. Das einlagige Karbon erscheint zumindest in den Laboren der Entdecker als reinster Zauberstoff. An der Universität Cambridge drucken die Forscher bereits durchsichtige Graphen-Displays aus einem umgerüsteten Tintenstrahldrucker aus. "Das ist der Vorteil eines unsichtbaren Halbleiters", erklärt Wissenschaftler Richard Howe.

Anzeige

Zukunftsmärkte EU fördert zwei Technik-Großprojekte

EU fördert zwei Technik-Großprojekte

Gehirn und Technik Illustration Quelle: Illustration: Roland Warzecha

Ziel der Forscher um den Physiker Jari Kinaret von der Technischen Universität im schwedischen Chalmers ist es, den Wunderstoff für die Massenproduktion nutzbar zu machen. Denkbar ist die Nutzung beispielsweise Smartphones, bei Fenstern, in der Automobilbranche oder der Solarbranche. "Wir könnten aus Graphen transparente, flexible und sehr stabile Touchscreens für Handys bauen", sagte Kinaret gegenüber der WirtschaftsWoche. Oder extrem schnelle Computerchips. Am Ende, spekuliert der Forscher, könnte ein Smartphone stehen, nicht größer als eine Kreditkarte, das sich einrollen und wie eine Zigarette hinters Ohr stecken ließe. Auch extrem dünne und biegbare Solarzellen, Hochleistungsbatterien, superleichte Autokarosserien und Flugzeugkabinen seien potenzielle Einsatzgebiete.

Weitere Artikel

Auch die Hersteller von Wearables versuchten schon länger, sich Graphen nutzbar zu machen. Weil der traditionelle PC-Absatz lahmt und mittlerweile zumindest auf den westlichen Märkten fast jeder Kunde mindestens einen Tablet-Computer und ein Smartphone besitzt, suchen die Hersteller neue Wachstumsfelder. Da kamen ihnen die Datenbrille von Google als auch die IT-Armbanduhr von Samsung gerade recht, um einen neuen Trend auszurufen: Wearable Technology. Noch sind viele Pioniere kaum über die Startup-Phase hinausgekommen. Doch die großen IT-Konzerne rechnen fest mit einem Massentrend. Samsung-Manager Stylianos Mamagkakis schätzt, dass bis 2018 fast 600 Millionen Geräte verkauft werden: "Da ist alles dabei: Von Brillen, Armbändern, Uhren bis zu Schuhen." Neben neuer Batterietechnik spielen flexible Bildschirme eine entscheidende Rolle. Neben biegsamen OLED-Anzeigen fasziniert die Branche die brandneue Technik aus Kohlenstoff. Nun sind all diesen Forschern die Koreaner zuvor gekommen. Man darf also gespannt sein, wann Samsung das erste Graphen-Smartphone vorstellt, das sich zusammenrollen lässt und dessen Display jeden Sturz überleben wird.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%