Schlafstudie: Deutsche sind Schlafmuffel

Schlafstudie: Deutsche sind Schlafmuffel

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Deutsche schlafen weniger als viele andere Nationen.

Wer schnarcht länger? Erstmals haben Forscher das durchschnittliche Schlafverhalten in vielen Nationen gleichzeitig ermittelt - mit einer App. Die Studie erlaubt interessante Einblicke.

Menschen in Japan und Singapur schlafen nachts am wenigsten - im Durchschnitt nur 7 Stunden und 24 Minuten. Die längste Nachtruhe unter den Einwohnern diverser Industrienationen gönnen sich die Niederländer mit 8 Stunden, 12 Minuten. Die Deutschen liegen mit etwa 7 Stunden und 45 Minuten Schlaf pro Nacht unterhalb des Durchschnitts der 20 untersuchten Länder. Diese Ergebnisse liefert eine neue große Studie, die weltweites Schlafverhalten erstmals mittels einer App unter Tausenden Probanden ermittelte.

Auch wenn die Spannbreite nicht so groß erscheine, bedeute jede halbe Stunde Schlaf einen deutlichen Unterschied in puncto Leistungsfähigkeit des Gehirns und auch Langzeitgesundheit, schreibt das Team um die US-Forscherin Olivia Walch von der University of Michigan im Journal „Sciences Advances“. Die Auswertung der Daten von rund 5500 Teilnehmern ergab zudem, dass vor allem der Zeitpunkt des Einschlafens durch Umgebung und soziale Normen bestimmt und - teils entgegen dem eigenen Schlafbedürfnis - nach hinten verschoben wird.

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Falsche Volksweisheiten rund um den Schlaf

  • Mehr Schlaf ist besser

    Falsch. Menschen haben unterschiedliche Schlafbedürfnisse. Als optimal gelten im Schnitt sieben Stunden. Aber letztlich muss jeder sein Optimum finden. Bestes Indiz: Wer sich tagsüber fit fühlt, hat nachts genug geschlafen.

  • Lieber vor Mitternacht einschlafen

    Falsch. Die Qualität des Schlafs hat damit nichts zu tun. Unserem Körper ist es egal, wann wir einschlafen. Viel wichtiger ist, genügend Stunden tief und fest zu schlummern. Doch klar ist: Je später wir ins Bett gehen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dieses Pensum zu erreichen.

  • Schlaf kann man nachholen

    Falsch. Kurzfristig geht das vielleicht, langfristig sind unregelmäßige Schlafzeiten eher schädlich. Unser Körper liebt Beständigkeit, sie ist essenziell für guten Schlaf. Arbeiten Sie lieber an Ihren Gewohnheiten unter der Woche, anstatt am Wochenende Schlaf nachzuholen. Oder fühlen Sie sich fit, wenn Sie zwölf Stunden durchgeschlafen haben?

  • Bei Vollmond schläft man schlechter

    Falsch. 45 Prozent der Deutschen gehen zwar davon aus, der Mond habe Einfluss auf ihren Schlaf. Ein Zusammenhang zwischen Mondphase und Schlafdauer ließ sich bisher aber nicht nachweisen. Erklären lässt sich dieser Volksglaube eher mit dem Phänomen selektiver Wahrnehmung: Wer nachts wach liegt und am Himmel den Vollmond entdeckt, prägt sich solche Momente stärker ein.

  • Nachts aufwachen nervt

    Jeder Mensch wacht im Schnitt fast 30 Mal pro Nacht auf – allerdings für so kurze Zeit, dass er sich am nächsten Morgen nicht daran erinnert. Das hat die Evolution prima eingerichtet. Für unsere Vorfahren war es essenziell, gelegentlich wach zu werden, wollten sie nicht von Feinden überrascht werden.

„Über alle Daten hinweg scheint es so zu sein, dass die Gesellschaft die Einschlafzeit regelt und die innere Uhr des Einzelnen die Aufwachzeit, und dass eine spätere Einschlafzeit zu einem Verlust an Schlaf führt“, fasst Mitautor und Mathematiker Daniel Forger zusammen. Es gebe zwar Verpflichtungen wie Job, Kinder und Schule am Morgen, doch seien das nicht die einzigen Faktoren beim Aufstehen. Die biologische Uhr der Studienteilnehmer habe einen starken Effekt auf ihre Aufwachzeit gehabt, nicht nur ihre Wecker.

Hinzu kämen noch die genetische Veranlagung, etwa bei Menschen mit sehr geringem Schlafbedürfnis, und der Chronotyp jedes Einzelnen - ob Frühaufsteher oder Nachteule, erläuterte Forger der Deutschen Presse-Agentur. „Diese inhärenten Faktoren müssen ebenfalls berücksichtigt werden.“ Sie spielten neben den sozialen Faktoren für die Einschlafzeit eine wichtige Rolle.

Außerdem zeigte sich: Männer mittleren Alters schlafen am wenigsten, oft weniger als die empfohlenen sieben bis acht Stunden pro Nacht. Frauen schlafen, vor allem zwischen 30 und 60 Jahren, durchschnittlich etwa 30 Minuten länger als Männer. Früher ins Bett gehen und damit mehr Schlaf bekommen zumeist die Menschen, die sich tagsüber unter freiem Himmel aufhalten.

Wie viele Stunden verschiedene Personengruppen im Durchschnitt schlafen

  • gesamter Durchschnitt

    Insgesamt schläft der Mensch unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,88 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Männer

    Männer schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,00 Stunden und am Wochenende 7,93 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Frauen

    Frauen schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,83 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Verheiratete

    Verheiratete schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,75 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Singles

    Singeles schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,06 Stunden und am Wochenende 8,49 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Geschiedene

    Geschiedene schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,85 Stunden und am Wochenende 7,69 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Getrennt

    Getrennt lebende schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,76 Stunden und am Wochenende 7,61 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Verwitwete

    Verwitwete schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,02 Stunden und am Wochenende 7,27 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Beschäftigte

    Beschäftigte schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,88 Stunden und am Wochenende 8,08 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Selbstständige

    Selbstständige schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,94 Stunden und am Wochenende 7,83 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Rentner

    Personen in Rente schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,20 Stunden und am Wochenende 7,37 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Erwerbslose

    Erwerbslose schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,04 Stunden und am Wochenende 7,65 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Beamte

    Beamte schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,80 Stunden und am Wochenende 8,03 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Auszubildende

    Auszubildende schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,07 Stunden und am Wochenende 8,96 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Sehr gute Gesundheit

    Personen mit einer sehr guten Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,20 Stunden und am Wochenende 8,38 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Gute Gesundheit

    Personen mit guter Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,09 Stunden und am Wochenende 8,11 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Befriedigende Gesundheit

    Personen mit befriedigender Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,99 Stunden und am Wochenende 7,78 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Schlechte Gesundheit

    Personen mit schlechter Gesundheit schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,75 Stunden und am Wochenende 7,33 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Hohes Bildungsniveau

    Personen mit einem hohen Bildungsniveau schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,01 Stunden und am Wochenende 7,88 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Mittleres Bildungsniveau

    Personen mit einem mittleren Bildungsniveau schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,00 Stunden und am Wochenende 7,85 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Niedriges Bildungsniveau

    Personen mit einem niedrigen Bildungsniveau schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,00 Stunden und am Wochenende 7,78 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Kinderlose

    Kinderlose schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,05 Stunden und am Wochenende 7,84 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Personen mit einem Kind

    Personen mit einem Kind schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,92 Stunden und am Wochenende 8,06 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Person mit zwei Kindern

    Personen mit zwei Kindern schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,87 Stunden und am Wochenende 7,93 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Personen mit drei und mehr Kindern

    Personen mit drei und mehr Kindern schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,85 Stunden und am Wochenende 7,87 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • 15- bis 20-Jährige

    Personen im Alter von 15 bis 20 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,26 Stunden und am Wochenende 9,20 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • 21- bis 30-Jährige

    Personen im Alter von 21 bis 30 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,10 Stunden und am Wochenende 8,56 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • 31- bis 40-Jährige

    Personen im Alter von 31 bis 40 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,92 Stunden und am Wochenende 8,01 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • 41- bis 50-Jährige

    Personen im Alter von 41 bis 50 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,83 Stunden und am Wochenende 7,93 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • 51- bis 60-Jährige

    Personen im Alter von 51 bis 60 Jahren schlafen unter der Woche durchschnittlich 6,84 Stunden und am Wochenende 7,72 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

  • Über 60-Jährige

    Personen über 60 Jahre schlafen unter der Woche durchschnittlich 7,10 Stunden und am Wochenende 7,61 Stunden.

    Quelle: DIW, SOEP

Hauptautorin Walch betont auf Nachfrage, dass die Studie nicht ermittele, wie viel Schlaf der Einzelne braucht, sondern nur den Durchschnitt beschreibt. Zu kurzer Schlaf könne die Leistung stark einschränken: „Es braucht nur ein paar Tage Schlafdefizit und man ist wie betrunken.“ Übermüdete Menschen merkten das jedoch selbst kaum und schätzten ihre Leistungsfähigkeit regelmäßig zu hoch ein.

An die Daten gelangten die Forscher über die von ihnen entwickelte, kostenlose App Entrain. Ursprünglich gedacht, um Menschen beim Umgang mit dem Jetlag zu helfen, geben die Teilnehmer neben ihrem Aufenthaltsort in der App regelmäßig ihre Schlafzeiten an und berichten, wie lange sie sich in Räumen oder unter freiem Himmel aufgehalten haben.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin, Alfred Wiater, nennt die Erhebungsmethode über Apps richtungsweisend für künftige Studien dieser Art. „Inhaltlich zeigt sich, dass bezüglich des Schlafverhaltens noch intensiver als bisher Alters- und Gender-spezifische Aspekte zu berücksichtigen sind.“ Die Kernaussage der Studie - dass abendliche Aktivitäten maßgeblich die Schlafdauer bestimmen - sollte auch mit Blick auf den abendlichen Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen zu denken geben.

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