
Wir schreiben das Jahr 1958: Vor wenigen Monaten erst haben ein paar Piepser aus dem All die USA in eine tiefe Krise gestürzt. Dass diese ersten Signale eines von Menschen gemachten Fahrzeugs im Weltraum nicht von einem US-Raumschiff, sondern von dem sowjetischen Satelliten Sputnik 1 stammten, wird von der westlichen Supermacht als herbe Niederlage empfunden.
Umso intensiver stürzen sich Verantwortlichen der US-Weltraumbehörde Nasa nun in die Startvorbereitungen für den ersten eigenen künstlichen Himmelskörper. Drei Monate nach Sputnik 1 ist es soweit: Mit Explorer 1 hebt am 1. Februar 1958 Amerikas erster Satellit von der Startrampe der Cape Canaveral Air Force Station ab. Noch immer liegt die Sowjetunion, die zuvor bereits ihren zweiten Sputnik auf den Weg bringen konnte, im Wettlauf um den Weltraum vorn, doch immerhin sind die USA damit aus dem Startblock gekommen.
Soweit die Geschichte. In unseren Ohren haben Namen wie Sputnik oder Explorer heute einen eher nostalgischen Klang – und tatsächlich sind diese frühen Protagonisten des Aufbruchs ins All längst in der Erdatmosphäre verglüht. Mit einer Ausnahme: Vanguard 1, Amerikas zweiter Satellit im All, kreist noch heute um die Erde – und hält damit den Rekord als ältestes vom Menschen gemachte Objekt im Weltraum.
Dabei stand der „Pampelmusen-Satellit“, wie der sowjetische Staatschef Chruschtschow den kugelförmigen Flugkörper abschätzig titulierte, eigentlich gar nicht im Zentrum der am 17. März 1958 gestarteten ersten Vanguard-Mission. Wichtiger als der Satellit war den Nasa-Technikern die gleichnamige Rakete, die ihn ins All bringen sollte: Mit ihrem dreistufigen Aufbau nahm sie die spätere Mondrakete Saturn V vorweg. Allerdings sollte sie im Verlauf des Vanguard-Programm vor allem durch ihre Fehleranfälligkeit Berühmtheit erlangen.
Der Satellit selbst wirkte auf den ersten Blick eher unscheinbar, wies allerdings eine Neuerung auf, die bis heute bei Raumflügen zum Einsatz kommt: Solarzellen an Bord sorgten für die Energieversorgung und ermöglichten einen Dauerbetrieb über Jahre hinweg. Die dabei gewonnenen Daten lieferten wertvolle Erkenntnisse über die exakt Form der Erde und die Bedingungen im Grenzbereich zwischen Erdatmosphäre und Weltraum.
Inzwischen ist Vanguard 1 längst verstummt. Trotzdem zieht die Space-Pampelmuse weiter ihre Bahn um die Erde: Mehr als 200.000 Erdumkreisungen hat der Satellit in seiner über 50-jährigen Geschichte bereits hinter sich gebracht. Und es dürften noch etliche dazu kommen: Nach derzeitiger Einschätzung wird die Flugbahn von Vanguard 1 noch etwa 200 Jahre stabil bleiben.








