Shapeways Chef: "Drucken sie doch ihre eigene Lampe"

Shapeways Chef: "Drucken sie doch ihre eigene Lampe"

von Sebastian Matthes

Er glaubt an eine Massenbewegung: Der Chef des Online-Portals Shapeways will die Industrie verändern - mithilfe von tausenden Internetnutzern, die ihre selbstentworfene Produkte selbst drucken. Weijmershausen hofft auch, bald Designerklamotten drucken zu können.

Für Duann Scott sind Bugaboo-Kinderwagen die besten Baby-Karren der Welt. Das Problem daran: Die Buggys sind nicht nur teuer – geht ihrem Besitzer ein Teil kaputt, kostet der Ersatz schnell über 200 Dollar. Das fand Bugaboo-Fan Scott nicht akzeptabel. Als ihm eine kleine Metallplatte abhanden kam, setzte sich der Amerikaner an seinen PC, entwarf das Ersatzteil kurzerhand selbst und lud den digitalen Bauplan auf die Internet-Plattform Shapeways. Das US-Startup produziert von Kunden entworfene Produkte mithilfe sogenannter 3-D-Drucker. Dabei verschmelzen Maschinen pulverisierte Materialien wie Kunststoff, Glas oder Metall zu neuen, dreidimensionalen Gegenständen.

So auch Scotts Bugaboo-Ersatzteil. 14 Tage später hatte er den gewünschten Ersatz im Briefkasten. Und auch alle anderen Bugaboo-Besitzer, die das Teil benötigen, können es nun für 25 Dollar von Shapeways ausdrucken lassen – sie müssen lediglich die Entwürfe von Scott anklicken und ein Bestellformular ausfüllen. Dieses Prinzip macht weltweit Schule: Allein in Europa drucken Zehntausende Menschen Ringe, Ketten, Spielzeug und Smartphone-Schutzhüllen, sagt Shapeways-Chef Peter Weijmarshausen. Aber das, glaubt der Niederländer, sei ohnehin erst der Anfang einer Bewegung, die die industrielle Fertigung revolutionieren wird.

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WirtschaftsWoche: Herr Weijmarshausen, Sie betonen immer wieder, Shapeways bedeute die Demokratisierung der Produktion. Auf den ersten Blick aber wirkt Ihr Portal eher wie ein Netztreff für Hobbydesigner. Wie wollen Sie damit die Industrie verändern?

Weijmarshausen: Die Revolution kommt von unten. Konsumenten können mithilfe von Angeboten wie Shapeways erstmals Produkte herstellen, die sie wirklich brauchen. Wenn Sie früher einen selbst entworfenen Lampenschirm produzieren wollten, mussten Sie erst einen Hersteller finden, dann einen Kredit aufnehmen.

Und dann saßen Sie auf 1000 Lampenschirmen, die keiner haben wollte.

Genau. Im Zeitalter des 3-D-Drucks gibt es dieses Risiko nicht mehr. Sie müssen nur noch eine Idee entwickeln und ein virtuelles Modell auf die Shapeways-Plattform laden. Dabei ist es egal, ob Sie nur ein Exemplar für Ihre eigene Wohnung haben wollen oder ob Sie als Designer einen virtuellen Shop aufmachen und Ihren Lampenschirm über das Internet weltweit verkaufen wollen. In dem Fall sammeln wir das Geld ein, betreuen Ihre Kunden – und kümmern uns um Beschwerden. Letztlich lösen wir damit ganz grundlegende Probleme der Industrie.

Und zwar wie?

Erstens produzieren wir erst dann, wenn tatsächlich eine Bestellung eingeht. Wichtiger aber: Die Designer können jederzeit auf Kundenwünsche eingehen. Sie können Fehler beseitigen, die Farbe ändern oder Funktionen erweitern. Früher hätten sie erst die komplette Serie verkaufen müssen. Heute können sie zunächst wenige Exemplare verkaufen und ihr Produkt dann anhand des Feedbacks verbessern.

Das erinnert an Innovationen im Internet: Man stellt eine neue Seite als Beta-Version ins Netz und verbessert sie dann mithilfe der Nutzer immer weiter.

Richtig. Zudem reduziert die Technik die Zeit, in der Designer ihr Produkt auf den Markt bringen können. So dauerte es nach dem Start des iPhone 4 nur wenige Stunden, bis die ersten Designer neue, passende Schutzhüllen bei Shapeways angeboten haben. So schnell können Massenhersteller niemals reagieren. Ähnlich war es auch beim Start des iPad 2.

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