Sinneseindrücke: Gehirn ruft Erinnerungen an Erlebtes schnell ab

Sinneseindrücke: Gehirn ruft Erinnerungen an Erlebtes schnell ab

Bei der Erinnerung an Erlebtes werden die damit verbundenen Sinneseindrücke im Gehirn wieder reaktiviert. Das gehe weit rascher als bisher gedacht. Und gerade die ersten rasanten Prozesse seien die wichtigsten.

Erinnerungen an Erlebtes hat das Gehirn weit schneller wieder parat als bisher angenommen. Die sensorischen Hirnbereiche werden binnen 100 bis 200 Millisekunden aktiv, berichten Neurowissenschaftler der Universitäten in Konstanz und Birmingham im „Journal of Neuroscience“. Zuvor habe man angenommen, das Gehirn müsse länger nach Erinnerungen im Hippocampus suchen. „Wir gingen bisher von etwa einer halben Sekunde aus. Das ist in den Dimensionen der Gehirntätigkeit sehr lang“, sagt Gerd Waldhauser, der inzwischen an der Ruhr-Universität Bochum forscht.

Die Wissenschaftler baten Teilnehmer zunächst, sich bestimmte Objekte möglichst genau einzuprägen. Später wurden die Erinnerungen wieder abgefragt. Als Analysemethode wurde die Elektroenzephalografie (EEG) verwendet, bei der aus Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche mit hoher zeitlicher Auflösung auf die Aktivität einzelner Hirnbereiche geschlossen werden kann.

Wann Überzeugungen zu Handlungen führen

  • Gewinn

    Ohne einen erkennbaren, individuellen, hohen und relativ sicheren Gewinn, ändert kein Mensch sein gewohntes Verhalten. Dieser Gewinn muss und sollte nicht nur materiell sein. Materielle Belohnungen wirken schnell und sättigen schnell. Sozialer Gewinn (zum Beispiel Anerkennung) wirkt nachhaltiger. Die einzige nicht sättigende Belohnung ist die intrinsische, die man sich selbst gibt.

  • Umsetzung

    Ins Blaue hinein ändern wir unser Leben nicht gern. Die Umsetzung der Neuerung muss daher klar vorgezeichnet und praktikabel sein.

  • Vorbilder

    Pioniere können und wollen nur die wenigsten Menschen sein. Die meisten anderen brauchen Vorbilder, denen sie nacheifern können. Und die müssen vor allem glaubwürdig sein.

  • Hindernisse

    Die erwartbaren Widerstände gegen das neue Leben sollten nicht zu groß sein. Das Festhalten an Gewohntem trägt eine starke Belohnung in sich. Der Anreiz muss doppelt so stark sein, wie die Bremskräfte.

Bei Erinnerungen an Erlebtes sind im Gehirn zum großen Teil dieselben Areale aktiv wie beim Abspeichern dieser Erlebnisse. Jede episodische Erinnerung ist einzigartig und an einen bestimmten Ort und Zeitpunkt gebunden. Im Erinnerungsprozess werden die Sinnesinformationen reaktiviert - also zum Beispiel Areale des Sehsinns wieder aktiv. Die Analyse ergab nun, dass dies bereits nach 100 bis 200 Millisekunden geschieht. „Man hat gedacht, dass das Gehirn eine Weile braucht, um im Hippocampus - einer wichtigen Region für das Langzeitgedächtnis - danach zu suchen“, erklärt Simon Hanslmayr von der Universität Birmingham. „Unsere Ergebnisse rütteln an dieser Vorstellung, denn sie zeigen eine sehr schnelle Reaktion des Gehirns.“ Erste Hinweise darauf hätten zuvor bereits andere Studien ergeben.

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Gerade diese frühen Prozesse seien entscheidend für das erfolgreiche Erinnern an ein Geschehen, fanden die Forscher zudem heraus. Hemmten sie die frühe Reaktivierung mit sogenannter transkranieller Magnetstimulation (rTMS), störte das den Abruf der Erinnerungen. „Die Ergebnisse helfen uns, das episodische Gedächtnis, also die Erinnerung an Erlebnisse des Menschen, besser zu verstehen“, erklärt Waldhauser. Im Unterschied dazu speichert das semantische Gedächtnis Fakten - wie zum Beispiel, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist.

Einen Nutzen könne möglicherweise die Psychiatrie haben, hieß es. „Es wäre hilfreich, in den Abruf von Erinnerungen eingreifen zu können, zum Beispiel bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, die von wiederkehrenden unerwünschten Erinnerungen geplagt werden“, so Waldhauser. Womöglich könne man in Zukunft einmal gezielt gegen diese immer wieder auftretenden Bilder vorgehen - allerdings seien zunächst weitere Studien nötig.

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