So schläft Deutschland: Nackte Hamburger und schnarchende Bayern

So schläft Deutschland: Nackte Hamburger und schnarchende Bayern

, aktualisiert 23. Mai 2017, 10:46 Uhr
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Norddeutsche schlafen besser als Süddeutsche - und nirgendwo in Deutschland wird so viel geschnarcht wie in Bayern.

von Miriam Schröder und Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Eine Studie hat die Schlafqualität der Deutschen unter die Lupe genommen. Ergebnis: Je höher der Verdienst, desto kürzer der Schlaf. Und geschnarcht wird vor allem in Bayern. Was sonst noch im „Schlafatlas“ steht.

Berlin, FrankfurtSchon wieder schlecht geschlafen? Dann sollten Sie mal in Bremen übernachten. Bremer sind überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Schlaf, klagen nicht so häufig über Schlafmangel und nehmen weniger Schlafmittel ein als der Durchschnitt der Deutschen. Das ist das Ergebnis des Schlafatlas, einer Studie des Gesundheitsspezialisten Beurer in Zusammenarbeit mit Schlafforschern aus Köln und von der Universität Münster.

Norddeutsche schlafen besser als Süddeutsche, kam bei der Umfrage heraus. Das könnte am Klima liegen, meinen die Forscher - oder am Schnarchen. Nirgendwo in Deutschland wird so viel geschnarcht wie in Bayern. Dabei gaben sechs Prozent der Bayern an, mindestens drei Mal pro Woche ein Schlafmittel zu nehmen, bundesweit waren es nur drei Prozent. Schlechter als in Bayern schlafen die Menschen nur noch in Sachsen-Anhalt und Berlin.

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Wahrscheinlicher ist, dass die Schlafqualität vor allem ökonomische Ursachen hat. So geben 14 Prozent der Berliner finanzielle Sorgen als Grund für ihre Schlafprobleme an. Die meisten Menschen, nämlich 28 Prozent aller Deutschen, bringt der Stress bei der Arbeit um den Schlaf. In der Generation der 40- bis 49-jährigen sagen das 46 Prozent. Besonders stark leiden offensichtlich Mütter, die in Vollzeit arbeiten. Hier sind es sogar 53 Prozent, die nachts von beruflichen Themen wach gehalten werden.

Je höher der Verdienst, desto kürzer der Schlaf

Allgemein gilt: Berufstätige schlafen weniger und schlechter als Nichtberufstätige. Unter der Woche schlafen sie nur 6:42 Stunden. Der Durchschnittswert in Deutschland beträgt 6:54 Stunden. Nichtberufstätige schlafen 7:18 Stunden täglich.

Von Top-Managern ist bekannt, dass sie mit wenig Schlaf auskommen (müssen). Die Beurer-Studie belegt: Leute mit hohem Einkommen (über 3500 Euro netto im Monat) schlafen mit 6:30 Stunden täglich 24 Minuten kürzer als der Durchschnitt (6:54 Stunden). Sie gehen später ins Bett als niedrigere Einkommensgruppen – 20 Prozent sogar erst zwischen Mitternacht und drei Uhr morgens, das ist im Durchschnitt nur bei sieben Prozent der Deutschen der Fall. Gutverdiener benutzen spätabends häufiger ihr Smartphone und haben öfter Albträume als Normalverdiener. 49 Prozent von ihnen sehnen sich nach mehr Schlaf.

Für die Schlafstudie befragte das Marktforschungsinstitut TNS Emnid 3.491 repräsentativ ausgewählte Personen ab 18 Jahre. Zusätzlich zur Umfrage haben die Forscher mit rund 200 Teilnehmern eine Vergleichsstudie mit einem Schafsensor durchgeführt. „Die Schlafprobleme zeigen sich am schrumpfenden Anteil an erholsamem Tiefschlaf“, kommentiert Peter Young, Professor von der Uni Münster. Der Anteil des Leichtschlafs am Gesamtschlaf betrage im Durchschnitt 63 Prozent. Gesund seien 50 bis maximal 60 Prozent. Die Deutschen schlafen leichter, als sie sollten.


Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet unter Insomnie

Auch der jüngste Schlaf-Report der Krankenkasse DAK hat gezeigt: Seit 2010 sind die Schlafstörungen bei Berufstätigen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren um 66 Prozent angestiegen. Der Studie zufolge fühlen sich 80 Prozent der Arbeitnehmer betroffen. Hochgerechnet auf die Bevölkerung sind das etwa 34 Millionen Menschen. Jeder zehnte Arbeitnehmer leidet demnach unter der besonders schweren Schlafstörung Insomnie.

Laut DAK-Report sind daran zum Einen die Arbeitsbedingungen schuld. Starker Termin- und Leistungsdruck, Überstunden sowie Nachtschichten und ständige Erreichbarkeit nach Feierabend gelten als Risikofaktoren für gestörten Schlaf. Der Studie zufolge kümmert sich jeder Achte kurz vor dem Einschlafen noch um dienstliche Dinge wie E-Mails oder die Planung des nächsten Arbeitstages.

Ingo Fietze, Professor am schlafmedizinischen Zentrum der Berliner Charité warnt: „Der Körper braucht Zeit, um nach einem stressigen Tag abzuschalten und sich auf den Schlaf einzustellen. Diese Zeit müssen wir ihm gönnen.“

Viele Menschen aber hängen auch ohne Druck vom Chef spätabends noch vor dem Bildschirm. Das zeigt auch der Schlafatlas von Beurer: Demnach sehen 92 Prozent der Bayern vor dem Einschlafen fern. Kein Wunder, dass sie so schlecht schlafen. In Bremen hingegen sind es weniger als 40 Prozent, die spätabends noch fernsehen, ins Smartphone gucken oder etwas essen. Probleme macht dem Bremer lediglich der Vollmond: Etwas über die Hälfte der Befragten gab an, sich davon im Schlaf beeinflussen zu lassen. Bundesweit sind es nur 38 Prozent.

Einfluss auf den Schlaf hat offenbar auch, was man im Bett anzieht. Ziemlich gut schlafen zum Beispiel auch die Hamburger. Im Bundesländer-Ranking liegen sie an vierter Stelle. Nirgendwo in Deutschland schlafen so viele Menschen, nämlich 17 Prozent, nackt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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