SpaceX: Der Beginn der Billigraumfahrt steht bevor

ThemaRaumfahrt

SpaceX: Der Beginn der Billigraumfahrt steht bevor

, aktualisiert 22. Dezember 2015, 12:11 Uhr
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von Thomas Stölzel

In der Nacht zum Dienstag landete SpaceX einen Coup: Erstmals ist eine Rakete nach einer Mission wieder erfolgreich auf der Erde gelandet. Für die Raumfahrtbranche brechen damit revolutionäre Zeiten an.

SpaceX meldet sich zurück - und wie! Nach dem im vergangenen Juni eine Falcon-9-Rakete des privaten US-Raumfahrtunternehmens auf dem Weg zur Internationalen Raumstation explodiert ist, gelang SpaceX beim ersten Start nach der Katastrophe jetzt ein Meilenstein der Raumfahrtgeschichte

In der Nacht zum Dienstag kehrte erstmals eine Rakete von einem Flug in Richtung Umlaufbahn zurück und landete sicher in Cape Canaveral. In einer zweiten Stufe werden elf Kommunikationssatelliten in den Orbit gebracht. Ziel von SpaceX ist es, künftig die ersten Stufen für weitere Starts wieder zu verwenden. 

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Tatsächlich könnte das von PayPal- und Tesla-Gründer Elon Musk gestartete Unternehmen SpaceX so den Raumfahrtmarkt komplett revolutionieren. So peilt das Unternehmen mittelfristig - durch die Wiederverwendung - Startkosten von fünf bis sieben Millionen Dollar an. Zurzeit sind es etwa 50 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Der Start einer europäischen Ariane-5-Rakete kostet 160 Millionen Dollar. Selbst der Start der geplanten billigeren Ariane 6 soll noch zwischen 70 und 90 Millionen Euro kosten. Langfristig könnte eine SpaceX-Rakete sogar bis zu tausendmal abheben. Ein Start ins All würde dann nur noch rund 12000 Euro kosten. Das ist in etwa so viel wie ein Erste-Klasse-Ticket auf einem Langstreckenflug.

Sinken die Startkosten für Raketen rapide, hat das Auswirkungen auf die Art, wie beispielsweise Satelliten gebaut werden. Weil es zurzeit so teuer ist, die Technik in den Orbit zu bringen, betreiben Satellitenhersteller hohen Aufwand, um jede Schraube, jede Klammer weltraumtauglich zu machen. Jedes Teil wird mikroskopisch untersucht. Der Grund: Wenn nur eine Schraube versagt, kann das einen Hunderte Millionen Euro teuren Satelliten lahm legen. Ersatz in den Orbit zu schießen, wäre extrem teuer. 

Was aber, wenn es künftig billig ist, Satelliten ins All zu schießen? Dann können Hersteller bei der Qualität sparen. Satellitenbetreiber können einfach Ersatzsatelliten im All positionieren, die einspringen, wenn einer kaputt geht. Oder sie schießen einfach neue in den Orbit. Die Preise für Satelliten dürften sich so jedenfalls massiv reduzieren. Ein weiterer Kostenblock, der sinken wird, sind die Versicherungen. Die Policen für Hunderte Millionen Dollar teure Satelliten und Raketenstarts machen einen beträchtlichen Teil der Gesamtkosten aus. Kosten Starts und Satelliten aber nur noch einen Bruchteil, fallen auch die Versicherungskosten niedriger aus. 

Freunde und Feinde von Elon Musk

  • Familie

    Kimbal Musk Bruder, ebenfalls Unternehmer, Aufsichtsrat bei SpaceX und Tesla

    Tosca Musk Schwester und erfolgreiche Filmemacherin

    Maye Musk Mutter, Ernährungsberaterin,

    Errol Musk Vater, Ingenieur

    Lyndon und Peter Rive Cousins, Musk war und ist an ihren verschiedenen Unternehmen beteiligt

  • Feinde

    Martin Eberhard Mitgründer und ursprünglicher Ideengeber von Tesla, wurde von Musk gefeuert

    Henrik Fisker Ex-BMWDesigner; Musk verklagte ihn erfolglos wegen Ideenklau

    James McNerney Der CEO von Boeing rangelt mit Musk um Nasa-Aufträge

    Jeff Bezos Der Amazon-Gründer will mit dem Start-up Blue Origin ebenfalls ins All

  • Freunde

    Larry Page Der Google-Gründer würde sein Milliardenvermögen eher Musk vermachen, als es wohltätigen Organisationen zu spenden

    Jeffrey Brian Straubel Technikvorstand von Tesla, Antriebsexperte

    Franz von Holzhausen Tesla-Chefdesigner

    Tom Mueller renommierter Raketenkonstrukteur, Mitgründer von SpaceX

So können durch Billigsatelliten und Billigstarts Weltraum-Start-ups entstehen, die heute undenkbare Anwendungen zu den Menschen bringen. So plant etwa SpaceX selbst, ein aus 4000 Satelliten bestehendes Netz im Orbit aufzubauen, dass entlegene Winkel der Welt mit superschnellem Internet versorgt.

Bis es soweit ist, hat SpaceX aber noch ein paar Hausaufgaben zu machen. So muss die jetzt gelandete Rakete genau untersucht werden, wo durch den Start eventuelle Materialermüdungen aufgetreten sind. Schließlich sind die Zug- und Rüttelkräfte beim Start enorm. Erst wenn SpaceX solche Schwachstellen behebt, kann eine Rakete ein zweites und drittes Mal abheben, ohne zu zerbrechen. Ist das geschafft, muss das Unternehmen in einer Reihe von Starts belegen, dass wiederverwertete Raketen sicher abheben können. Erst dann werden auch die Versicherungssummen fallen. 

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Der erste Schritt zur Billigraumfahrt ist jedenfalls gemacht. Neben SpaceX arbeitet zudem auch das Raketen-Startup Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos an wiederverwertbaren Boostern. Ihm gelang vor wenigen Wochen ein suborbitaler Flug, bei dem die erste Stufe zurückkehrte und landete. 

Bei einer bemannten Mars-Mission, wie sie SpaceX-Gründer Musk in absehbarer Zeit plant, ließen sich durch wiederverwertbare Raketen wohl Milliardensummen einsparen. Um Raumschiff, Landemodul, Treibstoff, Astronauten und Proviant ins All zu bringen, sind aber noch eine Reihe von Starts notwendig.

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