SpaceX Falcon 9 explodiert: Ein schwarzer Tag für die Raumfahrt

SpaceX Falcon 9 explodiert: Ein schwarzer Tag für die Raumfahrt

Enttäuschung und Schock machten sich in der Nasa-Kontrollstation breit, als sich die Trägerrakete Falcon 9 in Rauch auflöste. Die Versorgung der ISS ist nicht gefährdet, aber es ist ein herber Rückschlag.

Es ist ein schwarzer Tag für die Raumfahrt und ein enormer Rückschlag für Nasa und SpaceX: Wie versteinert sitzen die Mitarbeiter der Raumfahrtkontrollstation vor ihren Bildschirmen. Einer hält die Hände gefaltet vor dem Gesicht. Auf einem großen Monitor an der Wand haben sie alle gerade beobachtet, wie eine „Falcon 9“-Trägerrakete mit einem unbemannten „Dragon“-Raumfrachter an Bord genau 139 Sekunden nach dem Start in einer großen weißen Rauchwolke explodiert ist. Nach dem „Cygnus“ im Oktober und dem russischen „Progress“ im April ist es der dritte Versorgungsfrachter innerhalb von nur acht Monaten, der nicht bei der Internationalen Raumstation ISS ankommt.

Bei der kurzfristigen Pressekonferenz wenig später herrscht eine leicht deprimierte Stimmung, denn auch die Verantwortlichen von Nasa und SpaceX machen keinen Hehl daraus: Die Explosion ist ein heftiger Fehlschlag für das Raumfahrtprogramm. „Ein harter Tag“, sagt Nasa-Manager William Gerstenmeier wenig später bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. „Hier wollte ich wirklich nicht sein, an einem Sonntagnachmittag.“

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Diese Technik baut SpaceX

  • Dragon

    Dragon ist das SpaceX-Raumschiff, mit dem die Falcon-9-Rakete startet. Dravon V1 heißt das erste Modell der Dragon-Kapsel, das nur für den Tranpsort von Fracht geeignet ist. Die Dragon V2 hingegen soll demnächst auch Menschen befördern können. So sollen bis zu sieben Personen zur Internationalen Raumstation (ISS) befördert werden. Erstmals startete die Dragon-Kapsel im Dezember 2010. Sie hat ein Volumen von 10 Kubikmetern und eine Nutzlast von mehr 3.000 Kilogramm.

  • Falcon 9

    Die Falcon 9 ist eine Trägerrakete, die SpaceX für eine Nutzlast im Orbit von rund 10 und 50 Tonnen entwickelt hat und auch einsetzt. Im Rahmen des Versorgungsprogramms der Internationalen Raumstation ISS wird die Rakete in Verbindung mit dem Dragon-Raumschiff genutzt. Außerdem wird sie kommerziell genutzt. Der erste Start war im Juni 2010.

  • Falcon Heavy

    Die Falcon Heavy ist die neue Riesenrakete von SpaceX die 2015 das erste Mal starten soll. Damit wäre sie dann die stärkste Rakete der Welt. Sie soll mehr als 53 Tonnen in den Orbit befördern können. Sie ist auf der bereits vielfach erfolgreichen Falcon-9-Rakte aufgebaut. 27 Motoren treiben sie an. Zum Vergleich: Wenn sie zündet, ist das vergleichbar mit einer Kraft von rund 15 Flugzeugen des Modells 747. Es gibt nur eine Rakete, die mehr Leistung brachte: die Saturn V Mondrakete, die zuletzt 1973 flog. Die Falcon Heavy ist speziell dafür entwickelt worden, um Menschen ins Weltall zu bringen - ein denkbares Ziel wäre eine bemannte Mond- oder Marsmission.

  • Grashopper

    SpaceX hat aktuell ein konkretes Ziel: Rakten so wieder zu landen, dass sie wiederverwendet werden können, um so die Kosten der Raumfahrt zu senken. Der Faktor wäre enorm: SpaceX könnte sie so um den Faktor 10 senken, heißt es. Dazu wurden der Grasshopper und die Falcon 9 Reusable Development Vehicles (F9R Dev) entwickelt. Es sind experimentelle Raketen für sogenannte suborbitale Flüge - sprich unterhalb des Orbits. Mit ihnen wird derzeit getestet, wie eine Rakete nach dem Start wieder kontrolliert und sicher auf der Erde gelandet werden kann. Erfolgreich waren die Test darin, dass die Rakete aus dem All zurück in die Atmosphäre und auf eine relativ kleine Landeplattform zugesteuert werden kann. Beim Versuch, die Rakete auf einer im Ozean schwimmenden, unbemannten Plattform landen zu lassen, scheiterten die Tests aber bislang. Im April 2015 war es beispielsweise nicht gelungen, die Geschwindigkeit der Rakete so stark zu reduzieren, dass sie auf den Landefüßen zum Stehen kommen konnte. Sie kippte um und zerschellte.

"Flüge ins All sind schwierig und herausfordernd. Wir müssen deshalb immer damit rechnen, dass wir Projekte verlieren", setzt Mike Suffredini, Manager des ISS-Programms, den Fehlstart in Relation.

Was genau passiert ist, können zunächst weder die US-Raumfahrtbehörde Nasa noch die Betreiberfirma SpaceX erklären. "Wir werden nun alle Daten auswerten, um herauszufinden, was genau passiert ist und dann wieder zu fliegen", sagte SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell. "Wir gehen aber eindeutig nicht davon aus, dass es Probleme mit den Sicherheitsstandards gegeben hat."

Klar ist bislang nur, dass die Explosion kurz nach jenem Moment erfolgte, in dem die äußeren Kräfte am stärksten auf den Flugkörper einwirken. Der „MaxQ“ genannte Punkt ist einer der kritischen Zeitpunkte beim Raketenstart. Die Nasa und SpaceX-Chef Elon Musk berichteten von einem möglichen „Überdruck in einem oberen Flüssigsauerstofftank“.

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Verkehrsregeln für die Raumfahrt Quelle: Getty Images, Montage

Für die ISS bedeutet der Verlust einen Schaden in Millionenhöhe. Der Frachter und aller Nachschub samt der wissenschaftlichen Ausrüstung sind verloren. Die Astronauten an Bord der ISS - derzeit der Amerikaner Scott Kelly und die Russen Michail Kornijenko und Gennadi Padalka - seien aber versorgt und in Sicherheit, betonen Nasa und SpaceX. Die Vorräte reichten derzeit mindestens bis Ende Oktober. Davor sollen am 3. Juli noch ein russischer „Progress“-Versorgungsfrachter und im August ein japanisches HTV-Raumschiff Nachschub bringen.

Nur um das Wasser macht sich Nasa-Manager Gerstenmeier ein wenig Sorgen. Teil der 2000 Kilogramm Nachschub und Ausrüstung an Bord des „Dragon“ waren Wasserfilter, die nun verloren sind. Zuvor waren schon an Bord des „Cygnus“ im Oktober Wasserfilter verglüht.

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Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos sorgt sich auch um die Jahresmission der Astronauten Kelly und Kornijenko. Bereits nach der Havarie des russischen Raumtransporters im April habe sich die ISS-Besatzung deutlich einschränken müssen, sagte ein Experte. Er habe den „Dragon“-Start vom Weltraum aus beobachtet, twitterte Astronaut Kelly von der ISS. „Traurigerweise schiefgegangen. Weltraum-Arbeit ist schwierig.“

Die Nasa kündigte eine umfassende Untersuchung der Explosion an. „Wir werden eng mit SpaceX zusammenarbeiten, um zu verstehen, was passiert ist, dann werden wir das Problem beheben und wieder fliegen“, sagte Nasa-Chef Charles Bolden. „Es ist das Weltall und dorthin zu fliegen ist einfach schwierig“, sagte Nasa-Mitarbeiter Gerstenmaier. „Wir haben heute viel Forschung verloren. Das ist ein ziemlich schlimmer Verlust, aber wir werden uns davon erholen.“

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