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Stammzellen: Wie Forscher Organe züchten wollen

von Susanne Kutter

Der Mangel an Spenderorganen und Geweben spitzt sich immer weiter zu. Forscher versuchen deshalb Herz, Niere und Lunge im Labor zu züchten. Lange schien das unmöglich. Nun sind ihnen spektakuläre Fortschritte gelungen – bald wollen sie Organe sogar drucken.

Gruh Quelle: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche
Zelltrainerin: In den Bioreaktoren der Forscherin Gruh absolvieren die gezüchteten Herzmuskelstränge gezielte Kraftübungen. Quelle: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche

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Es ist ein herrliches Hochzeitsfest, das Osman Tektas mit über 850 Gästen in der Bad Homburger Kongresshalle feiert. Was ihn besonders freut: Auch sein kurz zuvor operierter Vater Faruk ist dabei. Der tanzt ausgelassen mit Freunden, Verwandten – und seinem Ehrengast, dem Chirurgen Christoph Strey von der Universitätsklinik Frankfurt.

Dem ist das Aufheben, das Faruk Tektas um ihn macht, fast peinlich. Doch der von ihm operierte Mann lässt es sich nicht nehmen, seine Dankbarkeit zu zeigen. Schließlich hatte Strey dem türkischen Familienvater nicht nur Gesundheit und Lebensfreude zurückgegeben, sondern ihm auch die Teilnahme an diesem Familienfest ermöglicht. Dazu hatte Strey bei dem Mittfünfziger, der unheilbar krank schien, eine ganz neue Methode der Gewebe-Rekonstruktion gewagt: Er hatte zunächst die zerstörte Bauchdecke mithilfe eines Stücks Schweinehaut stabilisiert. Anschließend bauten Tektas’ eigene Zellen das Gewebe wieder komplett neu auf.

Ersatzgewebe und Organe wie Herz, Niere, Leber oder Lunge nachwachsen zu lassen oder sie gar im Labor zu züchten ist nicht nur ein Menschheitstraum – es ist eine dringende medizinische Notwendigkeit. Denn in einer alternden Gesellschaft steigt die Zahl der Menschen, bei denen einzelne Organe ausfallen. So warteten nach Angaben der Organvermittlungsagentur Eurotransplant in Deutschland derzeit 11 570 Menschen auf ein Spenderorgan. Im gesamten Vorjahr wurden aber nur 4115 Organe verpflanzt.

Organe gedeihen in Laboren

Die Unterversorgung hat tödliche Folgen: Täglich sterben in Deutschland drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig an ein neues, gesundes Organ gelangen. Zurzeit versucht die Bundesregierung zwar mit massiven Aufklärungskampagnen, die Menschen zu mehr Organspenden zu bewegen. Doch viele Experten schätzen, dass sich an der akuten Notlage dadurch wenig ändern wird.

Forscher versuchen daher, die benötigten Organe und Gewebe selbst herzustellen. Und dabei machen sie riesige Fortschritte. Ganze Herzen, Lebern, Nieren, Bauchspeicheldrüsen, Hüft- oder Kniegelenke im Labor nachwachsen zu lassen ist zwar auch nach 30 Jahren Forschung noch nicht gelungen. Möglich aber ist die Rekonstruktion von Haut, Knorpeln, Adern, der Harnröhre und sogar der Blase. Auch Stränge von Herzmuskeln gedeihen bereits in den Laboren.

Nun machen Forscher auch mit noch weit größeren und komplexeren Körperteilen Fortschritte: Sie experimentieren dafür mit einer Kombination aus tierischen, menschlichen oder synthetischen Unterlagen und Stammzellen. Mit dieser Kombination konnten etwa Forscher in Barcelona und Stockholm bereits Luftröhren im Labor herstellen und Patienten einsetzen.

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