Sternstunde: Apollo-Astronaut Aldrin will den Mars besiedeln

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kolumneSternstunde: Apollo-Astronaut Aldrin will den Mars besiedeln

Kolumne von Andreas Menn

Buzz Aldrin betrat als zweiter Mensch den Mond - nun plädiert die Raumfahrt-Legende für eine Mission zum Mars. Und diesmal sollen die Astronauten dableiben.

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Immer mehr Forscher und Astronauten sind für die Besiedelung des Mars. Buzz Aldrin plant schon für 2019

Phobos und Deimos - Angst und Terror - so heißen auf altgriechisch die beiden Monde, die um den Mars kreisen. Wenn es nach Buzz Aldrin geht, stehen sie bald für das Gegenteil: Mut und Sicherheit.

Denn in seinem neuen Buch Mission to Mars, das der Ex-Apollo-Astronaut kürzlich der Presse vorgestellt hat, plädiert der Apollo-Astronaut für eine bemannte Mission zum Mars. Und die soll nicht auf dem Planeten selbst beginnen, sondern auf einem seiner Monde - weil es einfacher und sicherer ist, dort zu landen.

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Die Vision: Im Jahr 2033 könnte ein Raumschiff Deimos anfliegen und eine Raumstation auf dem Mond installieren. 18 Monate lang würden Astronauten auf dem Mars-Mond leben, einem kalten Steinbrocken, auf dem es keine Luft zum Atmen gibt, dafür aber eine atemberaubende Aussicht auf den roten Planeten: Allein Olympus Mons, der große Mars-Vulkan, erschiene den Astronauten drei mal größer als der Vollmond den Menschen auf der Erde.

Die Geschichte der Mars-Missionen

  • Sojourner

    Dezember 1996 - Das US-Raumschiff „Pathfinder“ startet mit dem Marsrover „Sojourner“ zu unserem Nachbarplaneten. Nach mehreren Fehlversuchen landet mit „Sojourner“ erstmals 1997 ein ferngesteuertes Fahrzeug erfolgreich auf unserem Nachbarplaneten und sendet Daten zur Erde.

  • Spirit

    Juni 2003 - Der Mars-Landeroboter „Spirit“ der Nasa hebt vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ab. Im Juli wird nach mehrfachen Startverschiebungen auch sein Zwilling „Opportunity“ losgeschickt.

  • Opportunity

    Januar 2004 - Nach einer mehr als 480 Millionen Kilometer langen Reise setzt „Spirit“ sicher auf dem Mars auf. Das kleine Roboterfahrzeug soll nach Spuren von Leben suchen. Am 1. April findet „Spirit“ Hinweise auf früher existierendes Wasser. Drei Wochen nach „Spirit“ landet auch „Opportunity“ auf der anderen Seite des Planeten.

  • Abschied von Spirit

    Mai 2009 - „Spirit“ bleibt im Marssand stecken. Alle Versuche der Nasa, ihn zu befreien, scheitern. Im Mai 2011- rund siebeneinhalb Jahre nach seiner Landung auf dem Mars - nimmt die Nasa Abschied von „Spirit“. Wie die Behörde mitteilt, wird sie ihre Versuche einstellen, Kontakt zu dem Roboterfahrzeug aufzunehmen. Die letzte Kommunikation gab es 14 Monate zuvor.

  • Curiosity startet

    November 2011 - Der neue Rover „Curiosity“ wird auf die Reise zum Mars geschickt. Er soll sein Ziel am 6. August 2012 erreichen. Der Roboter soll dann nach organischen Materialien suchen und herausfinden, wie lebensfreundlich oder auch -feindlich der Planet einst war und ist.

  • 8 Jahre Opportunity

    Januar 2012 - „Opportunity“ ist bereits sensationelle acht Jahre auf dem Mars im Einsatz. Erwartet worden waren nur 90 Tage.

  • Nasa stoppt weitere Missionen

    Februar 2012 - Nasa-Chef Charles Bolden gibt bekannt, dass die US-Weltraumbehörde aus Spargründen aus zwei gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa geplanten Marsmissionen aussteigt. Dazu gehört eine für 2018 geplante Landung eines Rovers auf dem Planeten, der Gesteine und Boden zur späteren Beförderung auf die Erde sammeln soll.

  • Curiosity landet

    August 2012 - Im Kontrollzentrum in Kalifornien brachen Jubel und Applaus aus, als das unbemannte Erkundungsfahrzeug am 6. August um 7.32 Uhr (MESZ) im Gale-Krater nahe des Mars-Äquators aufsetzte. „Curiosity“ hat die Größe eines kleinen Autos und wiegt fast eine Tonne – viel mehr als „Spirit“ oder „Opportunity“. Daher gestaltete sich auch die Landung äußerst schwierig. Um die Wucht des Aufpralls abzufangen, wurde die Sonde von einer Art schwebendem, Raketen betriebenem Rucksack abgeseilt, die Halteseile bei der Landung gekappt und der Rucksack in einiger Entfernung zum Absturz gebracht.

Der Vorschlag, erst zu einem Mond zu fliegen, um von dort den Mars zu erobern, ist nur eine von mehreren ungewöhnlichen Ideen, mit denen Aldrin nun die Debatte um die Zukunft bemannter Missionen zum Mars anheizt. So sollen kosmische Fähren zwischen Erde und Mars kursieren und Passagiere aufnehmen. Vor allem aber will Aldrin will nicht nur einen Erkundungstrupp zum Mars schicken, sondern Siedler. Wie die ersten Einwanderer, die den Westen der USA besiedelten, sollen Astronauten sich auf Dauer auf dem Mars häuslich einrichten.

Startups planen Mars-Missionen

Was lange als ferne Vision erschien, ist heute greifbarer denn je: Die US-Weltraumbehörde NASA hat mit ihrem Curiosity-Rover bewiesen, dass auch schwere Raumschiffe sicher auf dem roten Planeten landen können. Mehrere weitere Missionen sind in der Vorbereitung, während die NASA obendrein ihre erste bemannte Mission in den weiten Weltraum vorbereitet, die im Jahr 2025 zu einem Asteroiden führen soll. Unterdessen planen gleich mehrere Startups ihre eigene bemannte Mars-Mission - darunter Mars One aus den Niederlanden und Inspiration Mars aus den USA.

Die zwölf Männer auf dem Mond

  • Apollo 11: Die erste Mondlandung

    Insgesamt sind sechs bemannte amerikanische Apollo-Expeditionen auf dem Erdtrabanten gelandet: 20. Juli 1969: Apollo 11 setzt im „Meer der Ruhe“ (Mare Tranquilitatis) auf. Am 21. Juli 1969 um 3.56 Uhr (MEZ) landeten Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Mond.

  • Apollo 12: Die NASA legt nach

    19. November 1969: Nur vier Monate später landet Apollo 12 im Oceanus Procellarum. Charles Conrad und Alan Bean betreten die Mondoberfläche.

  • Apollo 13: Das Trauma der NASA

    Die Apollo-13-Mission scheiterte im April 1970. Nach einer schweren Explosion an Bord kehrt die Mannschaft nach einer Mondschleife sofort zur Erde zurück.

  • Apollo 14: Golfspiel auf dem Mond

    5. Februar 1971: Apollo 14 setzt am Landeplatz Fra Mauro auf. Alan Shepard und Edgar Mitchell steigen aus, Shepard spielt Golf auf dem Mond.

  • Apollo 14: Das erste Mondgefährt

    30. Juli 1971: An Bord von Apollo 15 landet zum ersten Mal ein Mondauto auf dem Erdtrabanten. David Scott und James Irvin erkunden damit die Umgebung der Landestelle in den Hadley-Apenninen und sammeln fast 80 Kilogramm Gesteinsproben.

  • Apollo 16: Ausflug zur Hochebene

    21. April 1972: Auf der Descartes-Hochebene setzt Apollo 16 auf. John Young und Charles Duke untersuchen erstmals eine lunare Hochebene und fahren knapp 27 Kilometer mit dem Mondauto.

  • Apollo 17: Die letzte bemannte Mission

    11. Dezember 1972: Als bislang letztes bemanntes Raumschiff landet Apollo 17 auf dem Mond. Eugene Cernan und Harrison Schmitt erkunden mit dem Mondauto die Taurus-Littrow-Region. Die Kamera des Mondautos filmt den Rückstart von Apollo 17 zur Erde.

Aldrin nutzt das Momentum, um für eine staatliche bemannte Mars-Mission zu plädieren. Technisch sei das machbar, ist er überzeugt. Und der Mann weiß, wovon er spricht: 1969 betrat er als zweiter Mensch nach Neil Armstrong den Mond. Seitdem hat er ein Raumfahrt-Unternehmen gegründet, ist mit Barack Obama als Weltraum-Experte in der Air Force One geflogen und als Starredner auf unzähligen Weltraumkonferenzen aufgetreten.

Mit seinem Buch will Aldrin nun einen Weg vorzeichnen, wie die führenden Raumfahrtnationen der Welt zusammen in den kommenden Jahrzehnten den Mars dauerhaft besiedeln können. Es ist eine kühne Vision, gespickt mit spannenden Anekdoten aus Aldrins eigener Raumfahrer-Vergangenheit.

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