Sternstunde: Hoffen auf den Stern von Bethlehem

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kolumneSternstunde: Hoffen auf den Stern von Bethlehem

Kolumne von Andreas Menn

Astronomen hoffen auf ein einmaliges Himmelsspektakel: Passend zur Vorweihnachtszeit rast ein Komet an der Sonne vorbei – und leuchtet vielleicht so hell wie der Vollmond.

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Ein leuchtendes elliptisches Etwas, für Astronomen: C/2012 S1

Hoffentlich ist Ende November gutes Wetter. Denn dann, bei wolkenfreiem Himmel, wird es vielleicht ein Himmelsspektakel geben wir lange nicht mehr. Der Komet Ison wird sich der Sonne auf bis zu 1,2 Millionen Kilometer nähern – und dabei womöglich so hell wie der Vollmond aufleuchten. Vermutlich wird man ihn sogar tagsüber am Himmel sehen – und dann nachfühlen können, wie dereinst der Stern von Bethlehem die Menschen zum Staunen brachte.

Derzeit rast C/2012 S1, wie Ison unter Astronomen heißt, mit 76.000 Kilometern pro Stunde auf die Sonne zu. In den kommenden Wochen wird er erst den Jupiter passieren, später dann den Mars. Und je näher er der Sonne kommt, desto stärker wird er leuchten. Das liegt daran, dass er zunehmend dem Sonnenwind ausgesetzt ist, einem Strom aus geladenen Teilchen, die von der Sonne aus weit ins All sausen.

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Sie reißen Gas und Materiateile vom Kern des Kometen davon, der aus Eis und Staub besteht – Forscher nennen Kometen darum auch „Schmutzige Schneebälle“. Das weggepustete Material bildet einen Schweif. In dem darin enthaltenen Gas sind Ionen, die im Sonnenwind angeregt werden und zu leuchten beginnen - ähnlich wie in einer Leuchtstoffröhre.

Isons Schweif ist schon hell, das zeigen jüngste Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble, die vor wenigen Tagen entstanden sind. Sie zeigen ein elliptisches leuchtendes Etwas – nur Fachleute wissen, dass es sich um den Kometen und seinen Schweif handelt. Die Sternenkundler der US-Weltraumbehörde Nasa schätzen, dass die leuchtende Wolke 90.000 Kilometer lang ist.

Im Eiltempo nähert sich das kosmische Geschoss nun dem Innern des Sonnensystems – und damit der Erde. Ob Komet Ison Ende November aber mit einem Leuchtschweif hell am Himmel stehen wird, ist noch nicht gesetzt. Denn wenn der Brocken Material verliert, bevor er nahe genug an die Sonne kommt, oder sogar ganz zerfällt, bleibt es dunkel am Firmament. Kometen sind zerbrechliche Objekte.

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Astronomen vermuten ihre Herkunft in der Oortschen Wolke. Damit bezeichnen Wissenschaftler eine Ansammlung von hunderten Milliarden von Himmelskörpern weit am Rand unseres Sonnensystems. Das Licht, das uns von dieser Region erreicht, ist eineinhalb Jahre lang unterwegs. Viel wissen die Astronomen über die Oortsche Wolke nicht – manche bezweifeln gar, dass es sie überhaupt gibt. Und vor allein eines ist noch nicht vollends geklärt: Wie die Kometen von dort aus ins innere Sonnensystem geschleudert werden.

Die Fotos von Ison könnten möglicherweise neue Hinweise liefern. Im Oktober wird Ison am Mars vorbeifliegen. Es wird ein spannender Augenblick für die Wissenschaftler, die den Marsrover Curiosity steuern. Sie wollen die Kamera ihrer Sonde in den Himmel richten – und hoffen auf spektakuläre Bilder. Und sollte Curiosity im Oktober 2014 noch Bilder vom Mars senden, dürfte dort bereits das nächste Himmelsspektakel bevorstehen. Denn dann fliegt der kürzlich entdeckte Komet Siding Springs nur in 110.000 Kilometer Entfernung am Roten Planeten vorbei – und wird  hoffentlich eine helle Bahn ziehen.

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