Sternstunde: Rekordflug ins All geglückt: In sechs Stunden zur ISS

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kolumneSternstunde: Rekordflug ins All geglückt: In sechs Stunden zur ISS

Kolumne von Andreas Menn

Drei Astronauten starteten in der Nacht mit einem Expressflug zur Internationalen Raumstation ISS. Im Europäischen Astronautenzentrum Köln fieberten Kollegen und Freunde mit. Unser Autor war dabei.

Es muss ein infernalisches Getöse herrschen am russischen Raumfahrtbahnhof Baikonur, als die Sojus-Rakete um 22:31 Uhr europäischer Zeit auf einer Feuersäule in den Himmel aufsteigt. Zur gleichen Zeit im Europäischen Astronautenzentrum in Köln, der Astronauten-Schmiede der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa), ist es mucksmäuschenstill. 120 Gäste, darunter viele Freunde und Kollegen der drei Raumfahrer an Bord, starren gebannt auf die Live-Bilder des Raketenstarts. Stetig steigt der glühende Punkt in den schwarzen Nachthimmel. Jetzt darf bitte nichts mehr schiefgehen.

Es ist die 35. Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) – und diesmal eine ganz besondere: Erstmals soll das Sojus-Raumschiff eine Express-Route nehmen und schon nach sechs Stunden an der ISS andocken. Frühere Missionen dauerten drei Tage, weil das Raumschiff nach dem Start Daten mit einer russischen Bodenstation austauschen musste. Neue Computertechnik soll den Astronauten diesen Schritt ersparen – und damit viele Stunden Wartezeit in der engen Raumkapsel, in der sie sich kaum bewegen können.

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Minutiöse Vorbereitungen

Der russische Astronauten Fjodor Jurtschichin (hinten) und der ESA-Astronaut Luca Parmitano vor ihrem Abflug zur International Space Station (ISS). Quelle: AP

Der russische Astronauten Fjodor Jurtschichin (hinten) und der ESA-Astronaut Luca Parmitano vor ihrem Abflug zur International Space Station (ISS).

Bild: AP

Für Luca Parmitano, einen der drei Astronauten an Bord, sind es die wohl spannendsten Minuten seines Lebens. Seit vier Jahren hat er sich auf diesen Tag vorbereitet – nun tritt er die Reise ins All an, einen der exklusivsten Trips überhaupt. Bisher waren nur 520 Menschen in einer Erdumlaufbahn. Und Parmitano wird der nächste sein, wenn alles gut geht. Sechs Monate soll der erfahrene Kampfpilot auf der Raumstation bleiben, Experimente und Reparaturen durchführen. Aber erst einmal muss der Expressflug ins All glücken. Werden sich die minutiösen Vorbereitungen für den Raketenstart auszahlen?

Rückblende, Dienstagmorgen: Der Tag beginnt für Parmitano am Raumfahrtbahnhof Baikonur mit einem Ritual, in dem auch eine Portion Aberglaube stecken dürfte: Mit einem Filzstift unterschreibt der Astronaut mit seinem Namen auf der Tür zu seinem Zimmer, Nummer 304, im Hotel Kosmonaut. Viele Raumfahrer ordern zum Frühstück Steak mit Rührei, weil Juri Gagarin, der erste Mensch im All, das bestellte – Parmitanos Menu ist nicht überliefert. Sicher ist, dass Kollegen ihm und seinen beiden anderen Crew-Mitgliedern eine Weihwasserdusche verpassen. Ein wenig Glück können Astronauten immer gebrauchen.

Mit drei Uhren am Arm

Seit zehn Tagen ist der Italiener in Quarantäne, um sich keinen Schnupfen zu holen und damit womöglich die gesamte ISS-Besatzung anzustecken. Darum darf Parmitano seine Familie nur hinter einer Glasscheibe begrüßen. Die Verwandtschaft schaut dabei zu, wie Helfer ihm den Astronautenanzug anziehen. Es ist eine zeitraubende Prozedur, alles muss luftdicht abgeschlossen sein. Am Arm trägt Parmitano drei Uhren, die für alle Phasen des Flugs bestimmte Informationen anzeigen.

Vier Stunden vor dem Flug betanken Ingenieure die 50 Meter hohe Sojus-Rakete mit Treibstoff: Kerosin, vermengt mit Flüssigsauerstoff, insgesamt 157 Tonnen explosives Gemisch. Das Ungetüm besteht aus drei Stufen, die beim Flug nacheinander zünden. Für den Notfall ist eine Rettungsrakete auf der Spitze montiert, die die Kapsel mit den Astronauten mit einem kraftvollen Schub von der Rakete trennt, bevor sie an Fallschirmen zu Boden gleitet. Bisher mussten die Russen dieses "Launch Escape System" nur einmal einsetzen – es rettete den beiden Astronauten das Leben.

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