Sternstunde: Unser Weltall wird zur Müllhalde

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kolumneSternstunde: Unser Weltall wird zur Müllhalde

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Die Computersimulation der Europäischen Weltraumorganisation ESA nach Daten vom Februar 2009 zeigt auffindbare Objekte in der Erdumlaufbahn. Die Anzahl der Objekte im Orbit steigt jährlich im Schnitt um 200 an.

Kolumne von Meike Lorenzen

In den unmittelbaren Erdumlaufbahnen fliegt so viel Müll, dass nun mit großem und vor allem teurem Aufwand aufgeräumt werden muss. Welche Auswirkungen der Weltraumschrott auf unser Leben hat.

Wir Menschen haben es mal wieder geschafft. Neben gigantischen Müllbergen vor großen Metropolen und tonnenweise Plastik im Meer haben wir nicht nur unseren Planeten vermüllt, sondern auch die näheren Umlaufbahnen um die Erde herum. Seit dem Start der russischen Raumfähre Sputnik am 4. Oktober 1957 haben Weltraumforscher tausende Satelliten und Raumsonden sowie Unmengen von Abfall im All hinterlassen. Jedes Mal, wenn eine Rakete in den Weltraum geschossen wird, gelangen auch abgebrannte Raketenstufen, Bolzen und andere Kleinteile in die Umlaufbahn. Auch wenn ein Satellit ausgedient hat, fliegt er weiter durch den Orbit. Die erdnahe Umgebung ist inzwischen voller High-Tech-Schrott.

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Wie bei der Umweltbelastung auf der Erde haben die Menschen auch das Problem im All erst wirklich ernst genommen, als es eigentlich schon zu spät war. Inzwischen ist es dort oben so voll, dass Funk- und Fernsehsatelliten sowie die Raumfahrt insgesamt in Gefahr geraten. „Wir können uns nicht mehr zurücklehnen. Wir müssen nun aktiv eingreifen und aufräumen“, sagt Professor Heiner Klinkrad von der European Space Agency (ESA) in Darmstadt. Um das Problem der sogenannten Space Debris in den Griff zu bekommen, ist internationaler Austausch gefragt. Daher treffen sich vom 17. bis 19. April die zwölf führenden, raumfahrttreibenden Nationen zu internen Abstimmungsgesprächen, mit einer anschließenden viertägigen internationalen Fachtagung in Darmstadt.

Verwüstung durch Meteoriten auf der Erde

  • Barringer, Arizona

    Vor etwa 50.000 Jahren traf ein Meteorit mit einem Durchmesser von 45 Metern und einem Gewicht von 270.000 Tonnen auf die Erde. Beim Aufprall im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Arizona war er 72.000 Kilometer in der Stunde schnell und riss ein mehr als 170 Meter tiefes Loch. Der nahezu kreisrund Barringer-Krater mit einem Durchmesser von 1600 Metern wurde nach dem amerikanischen Bergbauingenieur Daniel Barringer benannt, der ihn im Jahr 1902 als erster erforschte. Wissenschaftler fanden dort einige kleine Stücke des Himmelskörpers aus Nickel und Eisen, der Hauptteil des Meteoriten verdampfte.

  • Chicxulub, Mexiko

    Der Einschlag des Meteoriten an der Nordküste der mexikanischen Halbinsel Yucatán soll vor etwa 65 Millionen Jahren das Aussterben der Dinosaurier verursacht haben. Die dabei freigesetzte Einschlagenergie entsprach nach Angaben des Deutschen Geoforschungs-Instituts in Potsdam mehr als dem Zehntausendfachen des gesamten Weltarsenals an Atomwaffen und setzte riesige Mengen an Staub und Gas frei. Der Meteorit mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern traf die Erde mit etwa 90.000 Kilometern in der Stunde. Der Krater war bei einem Durchmesser von etwa 180 Kilometern bis zu 900 Meter tief. Etwa die Hälfte des Kraterrings ist unter der Meeresoberfläche des Golfs von Mexiko verborgen, auf dem Festland liegt er unter einer dicken Sedimentschicht.

  • Nördlinger Ries, Deutschland

    Das nordschwäbische Ries ist ein fast kreisrunder Kessel mit einem Durchmesser von etwa 25 Kilometern. Der Riesenkrater entstand vor etwa 14,5 Millionen Jahren, als ein fast ein Kilometer großer Steinmeteorit mit einer Geschwindigkeit von geschätzten 70.000 Stundenkilometern nahe der heutigen Stadt Nördlingen (Bayern) auf die Erdoberfläche prallte. Er drang 1000 Meter tief in die Erdkruste ein. In der Gluthitze des Aufpralls verdampfte der Meteorit. Die Wucht des Einschlags bewegte nach Forschungen über 150 Kubikkilometer Gestein. Das kosmische Geschoss soll die Zerstörungskraft von 250.000 Hiroshima-Bomben gehabt haben.

  • Tunguska, Russland

    Größere Verwüstungen richtete ein Meteorit wahrscheinlich zuletzt im Juni 1908 in Sibirien an. Eine gigantische Druckwelle raste durch die bewaldete Einöde am Flüsschen Steinige Tunguska und knickte auf 2000 Quadratkilometern Bäume wie Streichhölzer um. In dem dünn besiedelten Waldgebiet kam nach offiziellen Angaben niemand ums Leben. Der auf bis zu 40 Meter Größe geschätzte Brocken - vermutlich aus Stein und Eis - erhitzte sich so stark, dass er sich vor dem Aufschlag nach Meinung vieler Forscher vollständig auflöste. Es ist noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt, dass die Verwüstung wirklich durch einen Meteoriten entstanden ist.

  • Vredefort, Südafrika

    Als größter noch sichtbarer Einschlagkrater der Welt gilt Vredefort nahe der südafrikanischen Millionenstadt Johannesburg. Vor gut zwei Milliarden Jahren traf dort ein schätzungsweise 150.000 Kilometer pro Stunde schneller Meteorit mit einem Durchmesser von zehn Kilometern die Erde. Er drang etwa 17 Kilometer tief in die Erdkruste ein. Der Durchmesser des Kraters wird auf rund 100 Kilometer geschätzt. Im Laufe der Jahrmillionen zerstörte die Erosion große Teile des gigantischen Lochs.

Das Problem, über das die Wissenschaftler diskutieren, wird in der Forschung als Kessler-Effekt bezeichnet – und dieser steht für eine gefährliche Kettenreaktion. Der Weltraumschrott rast mit unfassbaren Geschwindigkeiten durch das All. Stoßen die Teile zusammen, ist der Aufprall so gigantisch, dass die beiden Elemente wieder zersplittern und somit zu neuen Gefahrenquellen werden. Erstmals entdeckte der amerikanische NASA-Wissenschaftler Donald J. Kessler 1978 diese Dynamik im Asteroidengürtel mit kleinen Himmelskörpern, die immer wieder aufeinanderprallten. Er übertrug das Phänomen auf Weltraumschrott. In einem Aufsatz formulierte er seine Bedenken, dass der Effekt bereits in 30 Jahren eintreten könne. Und tatsächlich schauen die Forscher heute immer besorgter gen Himmel.

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