Sternstunde: Whisky im Weltraum: Die erstaunlichsten Experimente im All

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kolumneSternstunde: Whisky im Weltraum: Die erstaunlichsten Experimente im All

Kolumne von Andreas Menn

Ferngesteuerte Rover, 3D-Drucker für Mars-Kolonien und Weltraum-Distillen für schottische Drinks: Was Astronauten in der Erdumlaufbahn alles erforschen.

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Die Raumstation ISS über der Erde. Bald könnte guter Whisky nicht nur aus dem Eichenfass, sondern aus dem All kommen

Fremde Galaxien, ferne Planeten: Draußen im Weltraum gibt es unendlich viel zu entdecken. Zugleich hat Wissenschaft im All häufig mehr mit dem Leben auf der Erde zu tun als mit fernen Welten – so auch auf der Internationalen Raumstation ISS. Fünf spannende Experimente zeigen, was Forschung in der Schwerelosigkeit für die Erde bedeutet – und wie sie die Erkundung des Weltraums voranbringt.

Autos auf fremden Planeten fernsteuern

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Die Außenanlage auf dem Gelände des NASA Ames Research Center sieht ein wenig aus wie ein Skater-Park. Aber hier, unweit des Silicon Valleys, kurven keine Skatebordfahrer oder BMX-Artisten über die Rampen und Hügel – sondern ein Rover, wie er künftig auf dem Mond oder auf fernen Planeten unterwegs sein könnte.

Die Besonderheit: Gesteuert wird das Robo-Fahrzeug nicht etwa von der Erde aus, sondern von Astronauten auf der ISS. Per Funkverbindung und Computersteuerung sollen sie das Vehikel durch künstliche Krater und Hügel navigieren. Es wird das erste Fahrzeug auf der Erde sein, das von Menschen jenseits des Planeten gelenkt wird.

Sinn der Übung ist aber nicht etwa, eine orbitale Verkehrszentrale zu errichten. Vielmehr wollen die Wissenschaftler Erfahrungen darin sammeln, Rover auf dem Mond oder anderen Planeten von einer Raumstation aus zu steuern. So könnten Astronauten etwa von einer Station aus, die auf der Rückseite des Mondes im All schwebt, per Fernsteuerung ein Weltraumteleskop auf dem Mond errichten.

Eine solche Antenne könnte, ungestört von irdischem  Funkverkehr, tief in die Geschichte des Weltalls zurückschauen, indem es Strahlung auffängt, die kurz vor den Urknall entstanden ist. Rover könnten aber auch den Mars untersuchen oder dort eine Raumstation errichten – ferngesteuert von Astronauten, die mehrere Tausend Kilometer entfernt auf dem Mond Deimos stationiert sind, der aufgrund seiner geringen Gravitation für bemannte Raumschiffe leichter zu erreichen ist. Bis dahin braucht es aber gewiss noch ein paar Fahrstunden.

Whisky im Weltraum reifen lassen

Alkohol ist an Bord der ISS verboten – es sei denn, er dient wissenschaftlichen Zwecken. Zu einem solchen befindet sich seit eineinhalb Jahren eine Ampulle mit Whisky auf der Raumstation, vermischt mit einigen Stücken Holz. Die Kernfrage des Experiments: Reift Hochprozentiges anders, wenn es in der Schwerelosigkeit ist – oder anders ausgedrückt: Wird Whisky im All würziger?

Um das zu testen, hat die schottische Whisky-Brennerei Ardbeg zwei identische Ampullen vorbereitet. "Als die Astronauten auf der ISS Holz und Whisky vermischt haben, haben wir auf der Erde zeitgleich dasselbe getan", sagt Bill Lumsden, Chef–Destiller bei Ardbeg. Nun reifen beide Proben vor sich hin, bis die Probe Ende des Jahres auf die Erde zurückkehrt.

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