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Stevia: Der fast perfekte Süßstoff

von Oliver Voß

Die EU hat die Pflanze Stevia als Süßungsmittel zugelassen. Das Honigkraut ist kalorienfrei und viel süßer als Zucker. Nahrungsmittelkonzerne hoffen auf ein Riesengeschäft, doch dabei gibt es zwei Probleme.

Wissenschaftler Udo Kienle: Ein Forscherleben für die Stevia-Pflanze.
Wissenschaftler Udo Kienle: Ein Forscherleben für die Stevia-Pflanze.

Ein halbes Forscherleben hat der Agrarwissenschaftler Udo Kienle einer unscheinbaren grünen Pflanze gewidmet. Sie sieht aus wie eine Mischung aus Minze und Brennessel, heißt Stevia rebaudiana und stammt ursprünglich aus Paraguay. In Deutschland ist sie auch als Honigkraut bekannt. Stevia ist bis zu 300 mal so süß wie Zucker und dabei kalorienfrei.

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Aus Stevia ließe sich daher also der perfekte Süßstoff gewinnen, doch es gibt zwei Probleme. Zum einen ist es ein gewisser Eigengeschmack, irgendwo zwischen lakritzartig und bitter. Zum anderen sind es Gesundheitsbedenken, wegen denen Stevia bislang in der EU nicht zugelassen war. Doch zumindest das hat sich nun geändert.

Am Montag war es für Stevia-Fans wie Kienle soweit: Die EU-Kommission genehmigte die Verarbeitung des aus der Pflanze gewonnenen Süßungsmittels Steviolglycosid in Lebensmitteln, nachdem die Mitgliedsstaaten bereits im Sommer zugestimmt hatten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Unbedenklichkeit des Stoffs festgestellt. Ab zweitem Dezember dürfen Stevia-Produkte verkauft werden.

„Zucker des 21. Jahrhunderts“

Nun könnte die süße Revolution starten. Als „Zucker des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet Kienle das Süßungsmittel und der Marktforscher Mintel prognostiziert, dass Stevia in einigen Jahren bis zu einem Viertel des weltweiten Süßstoffmarktes abdeckt. Demnach könnte Stevia im Wert von zehn Milliarden Dollar verkauft werden. Allein in den USA, wo Stevia bereits Ende 2008 zugelassen wurde, stieg der Umsatz von 21 Millionen Dollar im Jahr 2008 auf schätzungsweise 100 Millionen Dollar im Vorjahr.

Wichtigster Spieler in dem neuen Geschäft ist der US-Nahrungsmittelriese Cargill, der den Stevia-Süßstoff Truvia entwickelt hat. Drei Jahre nach der Zulassung hat Truvia bereits den zweiten Platz auf der Liste der meistverkauften Süßstoffe in den USA erobert und hält dort einen Marktanteil von 13 Prozent.

Künftig wird das weiße Pulver auch auf den europäischen Markt kommen, Cargill kündigte bereits Vertriebsvereinbarungen mit großen Zuckerfirmen in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien an.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 21.03.2013, 11:09 Uhrernebenan

    hier fragt man sich:
    warum gibts den grenzwert für Stevia, nicht aber für Zucker ?
    Zucker, der ja nachweislich an vielen Krankheiten usw. beteiligt ist bzw. sie sogar auslösen kann, scheint einen Persilschein zu geniesen, oder ?

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