Studie: Ebola wird sich wahrscheinlich nach Europa ausbreiten

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Studie: Ebola wird sich wahrscheinlich nach Europa ausbreiten

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Ein Pärchen kommt aus dem Internationalen Flughafen von Abidjan (Elfenbeinküste). Links ist eine Gesundheitsarbeiterin mit Schutzmaske zu sehen.

Laut einer Studie besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Ebola auch Frankreich erreicht. Denn es gibt zahlreiche Flugverbindungen aus Westafrika nach Paris. Dennoch lehnen Experten ein Reise-Embargo ab.

Die Ebola-Seuche dürfte sich wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge voraussichtlich auch nach Frankreich und Großbritannien ausbreiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in Frankreich in den nächsten drei Wochen einen Fall gebe, liege bei 75 Prozent, teilte die britische Universität Lancaster mit. Für Großbritannien bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent.

Die Daten beruhen auf Mustern, wie sich die Krankheit bislang ausgebreitet hat und wie der Flugverkehr organisiert ist. In den von Ebola am stärksten getroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia werde viel französisch gesprochen und es gebe zahlreiche Reiseverbindungen nach Paris, hieß es in der Studie, die im Journal "PLoS Current Outbreaks" veröffentlicht wurde.

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Das ist das Ebola-Virus

  • Das Virus

    Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es löst ein sogenanntes hämorrhagisches, das heißt mit starken Blutungen einhergehendes, Fieber aus.

  • Sterblichkeit

    Je nach Erregerstamm sterben laut Angaben der WHO 25 bis 90 Prozent der Patienten an einer Ebola-Erkrankung. Trotz intensiver Forschung ist noch kein Heilmittel auf dem Markt, Impfstoffe sind in der Testphase.

  • Der Übertragungsweg

    Seinen Ursprung hat das Virus im Tierreich. Menschen können sich über den Kontakt zu erkrankten Tieren infizieren, unter anderem Affen oder Flughunde. Von Mensch zu Mensch überträgt sich die Krankheit durch Blut und andere Körperflüssigkeiten.

  • Die Krankheit

    Die Inkubationszeit beträgt nach WHO-Angaben zwei Tage bis drei Wochen. Dann setzen Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Schwächegefühl und Halsschmerzen ein. Später gehen Nieren- und Leberfunktion zurück, auch andere Organe werden geschädigt. Es können schwere innere Blutungen auftreten. Erst wenn die Symptome auftreten, sind Infizierte ansteckend.

  • Die Gefahrenzone

    Ebola kommt vor allem nahe des afrikanischen Regenwaldes vor. Zum ersten Mal wurde das Virus 1976 im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, nahe dem Ebola-Fluss nachgewiesen. Daher hat die Krankheit ihren Namen.

    Laut aktuellen Zahlen der WHO (Stand: 14. November 2014) sind seit dem aktuellen Ausbruch mehr als 14.400 Ebola-Fälle bekanntgeworden, die meisten in Liberia und Sierra Leone. Fast 5200 Menschen haben das Virus nicht überlebt.

Die Wahrscheinlichkeiten beruhen auf der Annahme, dass der Flugverkehr unverändert in voller Kapazität weitergeht. In den USA wird derzeit ein Embargo für die Ebola-betroffenen Gebiete diskutiert. Die Berechnungen berufen sich auf Daten zu Ebola von Anfang Juli bis Anfang August dieses Jahres.

"Wer hat Glück - und wer nicht"

Mit jedem Tag, den die Seuche nicht in den Griff bekommen wird, stiegen die Risiken weiter an, sagte Alessandro Vespignani von der Uni Boston, der an der Studie beteiligt war. "Die Wahrscheinlichkeiten steigen für Jeden. Das Ganze ist nur ein Fall von "Wer hat Glück - und wer nicht"", erklärte Vespignani.

Großbritannien sei gefährdet, weil London-Heathrow zu den weltgrößten Flughäfen zähle. Beide Länder haben jeweils einen erkrankten Bürger aus den Krisengebieten heimgeflogen und erfolgreich behandelt. Die Studienautoren gehen davon aus, dass weitere Menschen Ebola nach Europa bringen werden, nicht wissend, dass sie das Virus in sich tragen. "Das ganze ist ein reines Glücksspiel", sagte Derek Gatherer, Virus-Experte an der Uni Lancaster.

Chronologie der aktuellen Ebola-Epidemie

  • Dezember 2013

    Experten nehmen rückblickend an, dass es in der Region Guéckédou in Guinea den ersten Fall dieser Epidemie gibt.

  • 23.-25. März 2014

    In Guinea sind laut einem Radiobericht etwa 60 Menschen an Ebola gestorben, es gibt fast 100 Infizierte. Zwei Tage später wird Ebola auch in Liberia nachgewiesen, mindestens fünf Menschen sind bereits gestorben.

  • 23. Juni

    Am 23. Juni warnen die ersten Experten, dass die Epidemie außer Kontrolle sei.

  • 20. Juli

    In Nigeria bricht ein Regierungsberater Liberias am Flughafen zusammen. Tage später stirbt er, der Test ergibt: er hatte sich mit Ebola infiziert.

  • 7. bis 8. August

    Erstmals wird ein Ebola-Infizierter nach Europa gebracht: Spanien fliegt den Geistlichen Miguel Pajares ein. Er stirbt kurz darauf. Am 8. August stuft die WHO die Epidemie als Internationalen Gesundheitsnotfall ein.

  • 27. bis 29. August

    Erstmals kommt ein Ebola-Patient aus Westafrika nach Deutschland. Er wird in der Uniklinik Hamburg-Eppendorf behandelt. Zwei Tage später erreicht die Seuche mit einem erkrankten Studenten aus Guinea den Senegal. Der Patient gilt inzwischen als geheilt.

  • 30. September

    Eine UN-Sondermission (UNMEER) eröffnet ihr Hauptquartier in Ghana. Im US-Staat Texas wird bei einem Mann aus Liberia Ebola diagnostiziert.

  • 6. Oktober

    In Spanien hat sich eine Krankenschwester mit Ebola infiziert. Damit hat sich erstmals ein Mensch in Europa angesteckt. Die Krankenschwester hatte einen an Ebola erkrankten spanischen Priester betreut, der zur Behandlung aus Sierra Leone nach Madrid gebracht worden war und dort wenige Tage später verstarb.

  • 8. und 9. Oktober

    Der Ebola-Patient Thomas Eric Duncan in Texas stirbt. Der 42-Jährige hatte sich in Liberia infiziert, war aber erst in den USA erkrankt. Einen Tag später trifft ein dritter Ebola-Patient in Deutschland ein. Die Ärzte im Leipziger Klinikum bezeichnen den Zustand des aus dem Sudan stammenden UN-Mitarbeiters als „hochgradig kritisch“.

  • 13. und 14. Oktober

    In Liberia droht ein Streik im Gesundheitswesen die Krise zu verschärfen. Pflegekräfte fordern mehr Geld und Schutz. Am Tag darauf wird bekannt, dass der Leipziger Patient tot ist.

Der Auswertung zufolge liegt das Risiko für eine Ankunft der Seuche in Belgien bei 40 Prozent. Spanien und die Schweiz sind in geringerem Maße ebenfalls gefährdet: Hier liegt die Wahrscheinlichkeit den Autoren zufolge bei jeweils 14 Prozent.

In Sierra Leone gerät die Epidemie derzeit immer stärker außer Kontrolle. Den Gesundheitsbehörden zufolge starben dort allein im Laufe des Samstags 121 Menschen - so viele wie nie zuvor seit Beginn des Ausbruchs. Zugleich seien 81 neue Fälle bekanntgeworden, berichtete die Behörde. Damit stieg die Zahl der Ebola-Toten in dem westafrikanischen Land auf 678. Helfer gehen noch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Im gesamten Westafrika geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile von rund 3500 Toten aus. Insgesamt waren bis Freitag 7492 Krankheitsfälle gemeldet. Betroffen sind neben Sierra Leone vor allem Liberia und Guinea. Es ist der schwerste Ebola-Ausbruch in der Geschichte.

Die Furcht vor einer Ausbreitung befeuert in den USA die Debatte über ein Reiseverbot für die betroffenen Länder in Westafrika. Die WHO hat bislang keine Restriktionen erlassen. Nur einzelne Fluglinien, etwa Emirates oder British Airways, haben wenige Flüge gestrichen.

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