Studie: Unsere Gedanken sind nicht frei

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Studie: Unsere Gedanken sind nicht frei

"Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten", heißt es in einem deutschen Volkslied. Wie leicht unsere vermeintlichen innersten Einfälle doch zu manipulieren sind, hat nun eine US-Studie gezeigt.

Forscher der San Francisco State University stellten fest, wie empfänglich unsere Gedanken für äußere Einflüsse sind - auch, wenn wir es gar nicht wollen.

Für ihre Untersuchung zeigten sie 36 Probanden schwarz-weiße Symbolbilder, zum Beispiel eine Sonne, ein Herz, ein Fahrrad und dergleichen. Die Teilnehmer wurden zuvor angewiesen, beim Anblick der Bilder nicht an das entsprechende Wort und wie viele Buchstaben es hat, zu denken. Das mag simpel erscheinen - doch es zeigte sich, dass die Probanden unwillkürlich genau das taten, was ihnen untersagt wurde.

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Beim Symbolbild einer Sonne dachten 80 Prozent ohne es zu wollen an das zugehörige Wort "Sun". Rund die Hälfte zählte im Innern unwillkürlich bis drei. Im Durchschnitt mussten 73 Prozent der Teilnehmer an die zugehörigen Worte denken, und ein Drittel zählte gegen den eigenen Willen die Buchstaben.

Der Versuch zeige, dass unsere Gedanken viel enger mit unseren äußeren Einflüssen zusammenspielten, als uns bewusst sei. Und dass wir weniger Kontrolle darüber haben, an was wir als nächstes denken, schlussfolgert Ezequiel Morsella, Psychologiedozent und einer der Studienautoren. Die Studie ist nach seinen Worten die erste, die zwei Gedankenströme im menschlichen Bewusstsein von außen und gegen den Willen der Teilnehmer kontrollierte.

"Wir glauben, dass der gezeigte Effekt die Maschinerie unseres Hirns widerspiegelt, die für bewusste Gedanken zuständig ist", erklärt Morsella. Wird dieser Automatismus einmal aktiviert - und dies geht offenbar auch, indem man gesagt bekommt, etwas nicht zu tun - kann er nicht anders, als ein Ergebnis zu liefern.

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Das Experiment hat laut Morsella wichtige Auswirkungen auf das Verständnis und die Erforschung von psychischen Störungen, bei denen Menschen etwa immer widerkehrende Gedankengänge haben oder unfähig sind, Besessenheiten zu unterdrücken. "Wenn Personen einen unkontrollierbaren Gedanken haben, könnte dieser Mechanismus zugrunde liegen", sagt Morsella.

Die grundsätzliche Unfähigkeit, einen ungewollten Gedanken zu unterdrücken, sei nach jetzigem Wissensstand die Normalität - und meist sogar von Vorteil. Als Beispiel nennt der Wissenschaftler Schuldgefühle: "So, wie die meisten Menschen sich nicht davon abhalten können, das Wort "Sonne" zu denken, kann es auch schwierig sein, negative Gefühle zu unterdrücken, nachdem man etwas Falsches getan hat", erläutert er.

Das Gefühl der Schuld sei dazu da, unser Verhalten zu verändern. "Könnten wir einfach mit den Fingern schnippen und uns unserer Schuldgefühle entledigen, würde Schuld jegliche Funktion verlieren."

Die Studie soll im März im Fachjournal "Consciousness and Cognition" erscheinen und wurde bereits vorab online veröffentlicht.

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