Studie zur Gesundheitsprävention: Ein Jahr jünger und fitter spart zehn Milliarden Euro

Studie zur Gesundheitsprävention: Ein Jahr jünger und fitter spart zehn Milliarden Euro

, aktualisiert 24. August 2017, 07:58 Uhr
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Mitarbeiter der Otto Group in Hamburg nutzen die Mittagspause, um an einem "Zumba"-Kurs teilzunehmen. Bürger, die sich fit und gesund halten, helfen Milliarden an Krankheitskosten einzusparen, zeigt eine Studie der HSH Nordbank.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Gesundheitsprävention lohnt sich volkswirtschaftlich enorm, wie eine aktuelle Studie der HSH Nordbank belegt. In Deutschland werden für die Vorbeugung von Krankheiten aber immer noch zu wenig Anreize gesetzt.

FrankfurtVorsorge und ein gesunder Lebensstil können Krankheiten vorbeugen und die Lebensqualität bis ins hohe Alter erhalten. Das weiß zwar jeder, aber längst nicht jeder handelt auch danach.

Wie viel Deutschland an Krankheitsausgaben jährlich sparen könnte, wenn die Menschen hierzulande länger jung und gesund blieben, hat jetzt die HSH Nordbank in ihrer neuen Gesundheitsstudie ausgerechnet: Würde sich jeder Bundesbürger durch Vorsorge und einen gesunden Lebensstil sozusagen um ein Jahr biologisch verjüngen, fielen hierzulande pro Jahr 10 Milliarden Euro weniger an Gesundheitskosten an.

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„In Deutschland wird vor allem Geld ausgegeben, um Krankheiten zu behandeln. Der Anteil der Prävention an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen beträgt gerade einmal ein Prozent“, sagt Studienautor Thomas Miller von der HSH Nordbank.

Laut Statistischem Bundesamt belaufen sich die Gesundheitsausgaben in Deutschland auf mehr als 344 Milliarden Euro. Im Durchschnitt sind das 4.213 Euro je Einwohner, allerdings steigen die Kosten im Alter deutlich an. In der Altersgruppe der 65- bis 85-jährigen etwa wird bereits das Doppelte des Durchschnittwertes ausgegeben, in der Altersgruppe der über 85jährigen fast das Fünffache.

Es sind vor allem Krankheiten des Stoffwechsels (wie Diabetes), des Kreislaufs (wie Bluthochdruck) und des Muskel-Skelett-Systems sowie Krebs, für die die Ausgaben im Alter stark steigen. Diese vier Bereiche summieren sich bei den über 65-jährigen bereits auf mehr als 84 Milliarden Euro und damit rund ein Viertel der gesamten deutschen Gesundheitskosten.

In einigen Jahren – 2025 – werden diese Kosten bereits auf knapp 107 Milliarden Euro ansteigen, berechnen die Autoren der HSH Nordbank. Gelänge es dann, bei diesen Krankheiten zehn Prozent der Kosten via Prävention zu vermeiden, ergäben sich jährliche Einsparungen von etwa zehn Milliarden Euro. Genau dieser Einsparungseffekt ergibt sich eben auch, wenn man die Alters- und Krankheitspyramide des Jahres 2025 um ein Jahr nach links verschiebt, die Bevölkerung also biologisch um ein Jahr verjüngt.


Nicht genug Anreize für Prävention

Dieses Ziel zu erreichen, erscheint Studienautor Miller machbar, denn die technischen Voraussetzungen dafür sind so gut wie nie: Genanalysen helfen heute, Risikofaktoren zu erkennen, Fitnessuhren und Gesundheits-Apps unterstützen bei der Umstellung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Zudem hat laut einer Forsa-Umfrage vom Mai dieses Jahres für die Deutschen die Gesundheit und ihre Erhaltung oberste Priorität.

Als Problem aber bleibt für Miller, dass das Gesundheitssystem in Deutschland als solches für Prävention nicht genug Anreize bietet: „Es gibt zwar viele einzelne Aktivitäten wie etwa Bonusprogramme der Krankenkassen, aber das Gesundheitssystem belohnt Prävention nicht systematisch.“ Damit werde Vorsorge und Verbeugung zumindest teilweise zu einer Frage des Geldes, was die Schere zwischen arm und reich im Gesundheitswesen öffnet.

Positiv bewertet Miller, dass die Wirtschaft in Deutschland mittlerweile immer mehr in den Ausbau ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements investiert und so hilft, die Vorsorgelücke in Deutschland zu schließen. Studien aus diesem Bereich zeigen, dass sich die betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen für Unternehmen oft schon nach eineinhalb bis zweieinhalb Jahren rechnen - durch weniger Fehlzeiten, eine bessere Motivation der Mitarbeiter und damit eine wachsende Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Quelle:  Handelsblatt Online
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