Sucht: Experten fordern Umkehr in der Drogenpolitik

Sucht: Experten fordern Umkehr in der Drogenpolitik

Bild vergrößern

Eine Frau raucht einen Joint.

Mehr Drogen, mehr Drogentote: Verbote und Strafen bringen nichts, sind Experten überzeugt. Suchtforscher fordern eine Abkehr vom Betäubungsmittelgesetz.

Mehr als vierzig Jahre nach Verabschiedung des Betäubungsmittelgesetzes fordern Experten eine Umkehr im Kampf gegen Drogenrisiken. „Seit 1971 haben der Betäubungsmittel-Konsum und die -Abhängigkeit in damals unvorstellbarer Weise zugenommen und besonders in der Gruppe der Heroinabhängigen zu dramatischen Gesundheitsrisiken geführt“, stellt der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2015 fest, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. „Das Gesetz hat nicht nur sein Ziel verfehlt, sondern verhindert weiterhin sogar schadensbegrenzende Maßnahmen.“

Verbot und Strafe alleine griffen viel zu kurz. Der Gesetzgeber müsse endlich Instrumente wie Pilotprojekte zur kontrollierten Abgabe von Cannabis oder „drug-checking“ zulassen. Dabei können Konsumenten illegale Drogen auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen lassen, so dass sie sich nicht - eventuell tödlich - vergiften.

Anzeige

Cannabis-Gesetze weltweit

  • Uruguay

    Uruguay hat seit 2013 weltweit die liberalsten Gesetze. Verkauf von Cannabis mit THC-Gehalt bis zu 15 Prozent ist legal. Die Umsetzung dauert noch bis Ende 2015. Statt selbst anzubauen, erteilt der Staat Produktionslizenzen an Unternehmen. Verkauf über Apotheken – und zwar billig: ein Dollar pro Gramm. Nur an Einheimische. Behörde kontrolliert. Käufer werden registriert.

    Mindestalter: 18
    Besitz: Unbegrenzt
    Verkauf: Club, Apotheke, Eigenanbau

  • Colorado, USA

    Der US-Bundesstaat erlaubt den privaten Besitz und Konsum von Cannabis. Verkauft wird Hanf in Fachgeschäften. Das Geschäft lockt Touristen in Scharen. Auch der kommerzielle Anbau ist erlaubt. Joints in der Öffentlichkeit sind tabu. Ähnliche Regelungen gibt es in Alaska, Washington, Oregon. Die Hauptstadt Washington DC erlaubt den Besitz, verbietet aber den Verkauf.

    Mindestalter: 21
    Besitz: 28 Gramm
    Verkauf: Hanfshops

  • Niederlande

    Die Niederlande sind Europas Kifferparadies. Doch der Konsum von Joints ist nur in Coffeeshops erlaubt – und zwar nur für Holländer und in Holland lebende Ausländer. Ansonsten bleibt der Hanfbesitz verboten. Bis fünf Gramm werden aber strafrechtlich nicht verfolgt. Kommerzieller Anbau ist verboten. Coffeeshop-Inhaber importieren Gras etwa aus Marokko.

    Mindestalter: 18
    Besitz: Nur Konsum in Coffeeshops
    Verkauf: Coffeeshops

  • Portugal

    Portugal setzt zwar weiterhin auf Prohibition und verbietet den Besitz von Cannabis, behandelt Kiffer (und Konsumenten anderer Drogen) aber nicht mehr als Kriminelle. Wer mit bis zu 25 Gramm Cannabis erwischt wird, muss Sozialstunden ableisten oder wird zum Therapeuten geschickt. Die Stigmatisierung fällt somit weg.

    Mindestalter: Grundsätzlich verboten
    Besitz: Entkriminalisiert bis 25 Gramm
    Verkauf: Verboten

  • Spanien

    Spanien entwickelt sich zum Kifferhotspot Europas. Der Staat erlaubt den Eigenanbau und privaten Konsum von Cannabis zu Hause. Auch Kifferclubs sind erlaubt. Landesweit gibt es rund 500 davon, allein 200 in Barcelona. Die Stadt gilt inzwischen als „New Amsterdam“. Kauf und Verkauf von Hanf sind verboten.
    Mindestalter: 18
    Besitz: Eigenanbau
    Verkauf: Verboten

  • Deutschland

    Cannabis-Produkte sind illegale Suchtmittel. Besitz, Anbau und Handel sind verboten. Das Betäubungsmittelgesetz sieht Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Haft vor. Beim Umgang mit „nicht geringen Mengen“ - bei Haschisch und Marihuana 500 Konsumeinheiten à 15 Milligramm Tetrahydrocannabinol (THC) - liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft. Für „Gelegenheitskiffer“ kennt das Gesetz die Untergrenze der „geringen Menge“ zum Eigenverbrauch. Bei wenigen Konsumeinheiten kann die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen. Das ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.

  • Tschechien

    Ein Jahr nach der Legalisierung von Cannabis für medizinische Anwendungen hat die Substanz nach Medienberichten noch keinen Patienten erreicht. Zwar können Ärzte bei schweren Erkrankungen wie Krebs, Multipler Sklerose oder Parkinson Cannabis verschreiben, doch ist das Mittel noch nicht verfügbar. Kritiker werfen dem Gesundheitsministerium in Prag mutwillige Verzögerung bei der Vergabe von Züchterlizenzen vor.

In der Suchttherapie gehe es längst oft nicht mehr darum, dauerhaft komplett von allen Suchtmitteln loszukommen. Ärzte und Therapeuten wollten oft eher ein möglichst gesundes Überleben ermöglichen, den Konsum vermindern und abstinente Perioden verlängern.

Drogenkonsumenten seien vor dem Gesetz immer Kriminelle, weil Erwerb und Besitz verboten sind. Der illegale Status verhindere bei Überdosierungen und Vergiftungen nicht selten, dass Mitkonsumenten schnell Hilfe holen - sie fürchten die Polizei.

Plädoyer für die Cannabis-Freigabe Haschisch für alle

Die Debatte um die Freigabe weicher Drogen spaltet Deutschland. Ökonomen, Psychologen und Juristen fordern einen entspannteren Umgang mit Cannabis. Sieben Gründe für das Ende der Prohibition.

Marihuana für alle! Quelle: AP

An diesem Donnerstag stellt die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) den offiziellen Drogenbericht der Bundesregierung vor. Der alternative Bericht versteht sich als Gegenstück. Es ist der zweite dieser Art. Er wird herausgegeben von akzept, dem Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, der Deutschen AIDS-Hilfe und dem Selbsthilfe-Netzwerk JES Bundesverband.

Der Bundesregierung werfen die Autoren Kurzatmigkeit und mangelnde Einsicht vor. Viele Vertreter der Polizei würden längst eingestehen, „dass das Drogenverbot mit polizeilichen Mitteln weder jetzt noch in Zukunft durchgesetzt werden kann“. Illegale Drogen begleiteten die Gesellschaft - weil sie von bestimmten Menschen gegenüber den legalen Substanzen Alkohol und Tabak bevorzugt werden.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%