SXSW: Mission zum Mars

, aktualisiert 12. März 2017, 09:44 Uhr
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Schon 2030 könnte die erste Mission in Richtung des Planeten laut Experten starten.

von Britta WeddelingQuelle:Handelsblatt Online

Tech-Milliardäre wie Tesla-Chef Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos träumen vom Raumfahren. Bei der SXSW berichten NASA-Experten von den technischen Vorbereitung fürs größte Abenteuer der Menschheit.

AustinWas tut ein Astronaut, wenn auf dem Mars das Essen ausgeht? Er baut Kartoffeln an, in den eigenen Exkrementen wohlgemerkt. Die Fruchtbarkeit des roten Planeten 60 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist schließlich begrenzt. In „Der Marsianer”, dem kongenialen Science-Fiction-Film von Ridley Scott, kämpft Weltraum-Botaniker Mark Watney, gespielt von Matt Damon, wochenlang ums Überleben.

Der Freizeitwert des Mars mag begrenzt sein. Doch das hält die Tech-Milliardäre aus Silicon Valley und anderswo nicht von entsprechenden Urlaubsplänen ab. Tesla-Chef Elon Musk, Gründer von Raumfahrtunternehmen SpaceX, will schon kommendes Jahr Touristen in die Mondlaufbahn schießen – und irgendwann auch auf den Mars. Jeff Bezos von Amazon gewann mit dem europäischen Satelliten-Betreiber Eutelsat immerhin schon den ersten kommerziellen Kunden für Blue Origin. Virgin-Chef Richard Branson engagiert sich ebenfalls im Raketen-Rennen.

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Intergalaktische Reisen faszinieren die Digital-Branche, wo die Ideen niemals zu groß sein können – und welcher Traum wäre existentialistischer, als einen neuen Lebensraum für die Menschheit zu finden, irgendwo da draußen? Doch klar ist schon jetzt: Mit einer Ankunft auf dem Mars beginnt das eigentliche Abenteuer, nicht nur im Kino, sondern auch im echten Leben.

Wie können Menschen auf dem roten Planeten existieren, dessen Luft nicht gemacht ist für menschliche Lungen, dessen Oberfläche kraterartig, teilweise messerscharf und für normale Fahrzeuge unbefahrbar ist, mit 60 Prozent geringerer Schwerkraft als die Erde und einer Temperatur, die gerne mal auf Minus 125 Grad Celsius sinkt? Und woher kommen Lebensmittel und Energie für eine Mission ohne Rückkehr-Chance? Bisherige Ingenieurskunst befördert die Astronauten zwar in einer sechsmonatigen Reise auf den Mars, aber nicht wieder zurück.


Erste Mars-Mission könnte 2030 stattfinden

Auf der Technologiemesse SXSW in Austin gaben Fachleute der US-Raumfahrtagentur NASA erste Antworten auf diese Fragen. Und sie finden die verrückt anmutenden Visionen der Valley-Unternehmer weit weniger abwegig, als man vermuten würde. „Die Träume vom Mars sind genauso wichtig wie unsere wissenschaftliche Arbeit”, sagt etwa NASA-Mikrobiologin Monsi Roman. „Wir bekommen sehr viel Inspiration und Anreize durch die private Raumfahrtindustrie.“

Noch kann niemand genau absehen, wann die erste Mission Richtung Mars startet, „wenn wir Glück haben 2030”, sagt Filmemacher Jonathan Silberberg, der eine Dokumentation über die NASA gedreht hat. Doch die Erwartungen seien groß, Menschen von Natur aus Entdecker. „Wir wollen wissen, was sich draußen befinden und es ist gut für uns, diese höheren Ziele zu haben.”

Doch klar ist schon jetzt: Die Mars-Reise wird ohne Hilfe von Hightech kaum gelingen. „Menschen und Roboter müssen eine Symbiose mit einander eingehen”, meint Robert Ambrose, der Ingenieur leitet die Robotik-Forschung der NASA. Ambrose entwickelte ein insektenartiges autonomes Roboter-Gefährt namens „Crew Rover”, mit dem sich die Mars-Bewohner künftig fortbewegen könnten.

Ein Video zeigt das weiße Gefährt. Es besitzt Platz für zwei Menschen, Proviant für zwei Wochen und manövriert auf zwölf Rädern selbst schwerstes Gelände. Bei der Weiterentwicklung ihrer Technologie kooperiert die NASA unter anderem mit Boston Dynamics aus der Roboter-Sparte von Google-Mutter Alphabet und IBMs Künstlicher Intelligenz namens Watson.

Die NASA experimentiert auch mit Mikroben. Die Organismen sollen, so Mikrobiologin Roman, auf dem Mars unter anderem für die Aufbereitung von Wasser zuständig sein. Amerika-Entdecker Christoph Kolumbus habe bei seiner Entdeckung 1492 allen Proviant mitnehmen müssen, sagt sie. Heutige Technologie mache es möglich, das Nachschubproblem im Weltraum zu lösen.

Humanoide Roboter sollen „vorfliegen” und die Ankunft der Menschen auf dem Mars in der Space-Station vorbereiten und überlebenswichtige Informationen zurück an die Erde schicken. Häuser auf dem Mars und vor Ort benötigte Werkzeuge könnten künftig per 3D-Drucker hergestellt werden. Auch über das Züchten von Organen denkt die NSA nach. „Viele der Mars-Erfindungen könnten auch den Menschen auf der Erde helfen”, sagt Mikrobiologin Roman. Denkbar seien Einsätze in der Medizin.

Die Weltraumfahrerei wird die Beziehung von Mensch und Maschine verändern – und zwar anders als in Horror-Szenarien wie in Stanley Kubricks „2011 – Odyssee im Weltraum”, wo Supercomputer HAL die menschliche Besatzung auszurotten versucht. „Auf dem Mars wird das Leben der Menschen davon abhängen, wie sehr sie sich auf den Roboter verlassen können”, Robotik-Expertin Kim Hambuchen. Mars- Roboter müssten mehr „soziale Kameraden“ sein als kalte Maschinen. Allein schon deshalb, damit den Marsianern auf ihrer langen Reise nicht langweilig wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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