Tauchsieder: Innovationen sichern das Übergewicht

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kolumneTauchsieder: Innovationen sichern das Übergewicht

Kolumne von Dieter Schnaas

Deutschlands Wohlstand steht auf dem Spiel, da es seinen Wissensvorsprung zu verspielen droht. Wieso Innovationen so wichtig sind.

Vergangene Woche habe ich an dieser Stelle über die Gefährdung von Deutschlands Innovationskraft durch Wirtschaftsspionage und Cyberkriminalität gesprochen. Es ging vor allem darum, dass etwas auf dem Spiel steht. Heute, im zweiten Teil des Stücks, geht es um die Frage, was auf dem Spiel steht. Warum also sind Innovationen so wichtig? Welchen Wohlstand generieren sie, den es zu verteidigen gäbe? 

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Darauf hat der Ökonom Joseph Schumpeter bereits 1911 gültige Antworten gegeben. Schumpeter unterscheidet fünf Typen von Innovation:

1. Die Herstellung eines neuen Gutes. 

2. Die Einführung einer neuen Produktionsmethode.

3. Die Erschließung eines neues Absatzmarktes.

4. Die Eroberung eines neuen Bezugsquelle von Rohstoffen.

5. Die Etablierung einer Neuorganisation - etwa durch die Schaffung oder die Abschaffung eines Monopols.

Sein "Standardbeispiel" zur Illustration dessen, was Innovation bedeutet, war die Eisenbahn in den Vereinigten Staaten. Sie diente Schumpeter nicht nur als Symbol für eine gewaltige Ingenieurleistung, sondern auch als Symbol für die Erschließung und den Aufstieg Amerikas zur Weltmacht - mithin als Symbol für den Kapitalismus schlechthin und für die Unwiderruflichkeit einer kaskadenhaften Dynamik, die mit einer Innovation in die Welt kommt.

Das Amerika ohne Schienennetz unterschied sich für Schumpeter fundamental von einem Amerika mit Schienennetz: Jenes war jahrhundertelang statisch, dieses war künftig unbedingt in Bewegung. Der günstige und schnelle Transport förderte die Entstehung eines einheitlichen Binnenmarktes... Der einheitliche Binnenmarkt förderte die Entstehung einer nie da gewesenen Vielfalt von Industrieerzeugnissen und Konsumgütern... Gleichzeitig stimulierten die Eisenbahn den Verbrauch von Kohle, Stahl, Eisen, Maschinen und Erdöl... Und natürlich setzte die Eisenbahn auch jede Menge Kapital und Kredit in Bewegung, das Aktionäre und Banker in Erwartung satter Renditen investierten. 

Dass sich seine heldischen "Unternehmer" an ihren Innovationen - Auto, Fernseher, Personal Computer, iPad etc. - bereichern können, ist für Schumpeter völlig in Ordnung, zumal jede Innovation ihrem "Erfinder" nur kurzfristig stolze Pioniergewinne sichert, also nur solange, bis andere Unternehmen Konkurrenzprodukte auf den Markt werfen und die Innovation durch Massenproduktion verbilligen. Die Folge ihrer Verbilligung aber bewirke, so Schumpeter, dass keineswegs nur Investoren und Reiche von Innovationen profitieren, im Gegenteil: Während Investoren auch Innovationen finanzieren, die keine Marktreife erlangen (und also Geld in den Sand setzen) und während Reiche mit ihrer Nachfrage nach neuen, teuren Produkten so etwas wie ein Katalysator auf dem Weg zur Massenproduktion einer Innovation sind, schöpft der Durchschnittsverbraucher bereits wenig später - ganz ohne Risiko und zum Sonderpreis - den Innovationsertrag ab.

Kurzum, eine Innovation verbreitet sich über eine Vielzahl von Kanälen in der Branche, in der nationalen Wirtschaft und weit darüber hinaus - und "je mehr sich eine Innovation durchsetzt", so Schumpeter, desto mehr verliert sie den Charakter einer Innovation...,  desto mehr lässt sie sich von Impulsen treiben, anstatt Impulse zu geben" - bis sie zuletzt von neuen Innovationen kreativ zerstört wird. Das Ergebnis ist ein ewiges Wettrennen zwischen Unternehmen und Nationen, die Zentren der Wissensproduktion sind und Unternehmen und Nationen, die an der Innovationsperipherie stehen. Das Ergebnis dieses Wettrennens, schreibt der Magdeburger Wirtschaftswissenschaftler Karl-Heinz Paqueé lakonisch, "lesen wir in der Statistik. Es heißt: globales Wachstum. Es ist nichts anderes als die ökonomische Umsetzung all des Wissens, das in der Weltwirtschaft neu entsteht oder neu zur Anwendung kommt. Es ist - im wahrsten Sinne des üblichen ökonomischen Begriffs -`Wertschöpfung´", die sich durch einen permanenten Strukturwandel vollzieht und durch internationale Arbeitsteilung, zerlegte Wertschöpfungsketten und regionale Produktdifferenzierung ständig seinen Schauplatz ändert.

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