Telemedizin: Ärzte sind offen für die Videosprechstunde

Telemedizin: Ärzte sind offen für die Videosprechstunde

, aktualisiert 31. März 2017, 10:15 Uhr
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Ab 1. April können Ärzte auch die telemedizinische Beratung für Kassenpatienten abrechnen.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Digitaler Arztbesuch: Ab 1. April wird die Videosprechstunde von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Eine exklusive Umfrage des Ärztenetzwerks Coliquio zeigt: Die Mehrheit der Ärzte ist offen für das neue Angebot.

FrankfurtDer digitale Arztbesuch, das Gespräch mit dem Doktor via Videokonferenz, wird immer populärer. Start-Ups wie Dr. Ed, Teleclinic und Patientus bieten solche Services seit vielen Monaten an. Aber die entscheidende Hürde – die Erstattung dieses Angebots durch die gesetzlichen Krankenkassen – wird erst jetzt genommen. Ab 1. April können Ärzte die telemedizinische Beratung für Kassenpatienten abrechnen: Das macht das Angebot für viele Ärzte interessanter.

Die Mehrheit der Ärzte steht dem Thema positiv gegenüber. Das zeigt eine exklusive Umfrage des Ärztenetzwerks Coliquio. Rund 170.000 Ärzte sind mittlerweile auf der vor zehn Jahren gegründeten Plattform aktiv, um sich unter anderem über Patientenfälle auszutauschen.

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Rund 57 Prozent der befragten Mediziner würden eine telemedizinische Sprechstunde anbieten. 43 Prozent lehnen das allerdings ab. Insgesamt nahmen 386 Ärzte an der Onlineumfrage teil.

Rund ein Viertel der Befragten (24) Prozent würde die Videosprechstunde auf den Fall beschränken, dass der Patient nicht mobil ist. Die übrigen Befürworter wollen den digitalen Arztbesuch ermöglichen, weil es die Patienten erwarten und er ihnen Vorteile bringt. 16 Prozent der Befragten wollen die Entwicklung wegen ihrer Wettbewerbssituation als Arzt mitgehen.

Konkret beschäftigt mit dem Thema Videosprechstunde hat sich derzeit allerdings erst jeder zweite Arzt: 12 Prozent der Befragten sehen sich hier bereits bestens im Bilde, knapp 36 Prozent fühlen sich noch nicht ausreichend informiert.

Von den rund 200 Medizinern, die sich vorstellen können, eine Videosprechstunde anzubieten, sind die allermeisten in punkto Technik noch im Stadium der Suche: Knapp 80 Prozent dieser Gruppe sind noch unentschlossen und wollen sich erst noch nach den technischen Möglichkeiten erkundigen.

16 Prozent der Befragten haben dagegen schon eine technische Lösung für sich gefunden und vier Prozent der Befragten sind schon ausgerüstet und haben Videosprechstunden bereits durchgeführt. Bezogen auf die Gesamtzahl der Ärzte, die an der Umfrage teilgenommen haben, bieten 2,4 Prozent der Befragten derzeit bereits ein Patientengespräch per Video an.


Viele Praxen rechnen mit Mehraufwand

Während die digitale Konsultation den Patienten entlastet, weil er sich nicht persönlich auf den Weg zum Arzt machen muss, rechnen viele Praxen mit Mehraufwand durch das neue Angebot. Bei der rein technischen Seite halten etwa 40 Prozent der Befragten den Aufwand für Instandhaltung und Updates für hoch. Genauso viele gehen aber davon aus, dass er der Auswand nicht hoch sein wird. Bei der organisatorischen Integration der Videosprechstunde in den Praxisablauf gibt es eine ähnlich Verteilung bei der Einschätzung des Aufwands als hoch oder niedrig.

Übrigens können sich 60 Prozent der Ärzte vorstellen, dass die Videosprechstunde zur Vereinfachung von Abläufen bei der Patientenbehandlung führt. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass man mit dem Angebot Zeit sparen kann.

Genutzt wird die Videosprechstunde nach den Vorstellungen der meisten Ärzte, um chronisch kranke Patienten zu kontrollieren und um über Änderungen bestehender Therapiemaßnahmen zu sprechen. Jeweils 68 Prozent der Befragten geben diese Möglichkeit an. Voraussetzung ist, dass die Mediziner die Krankengeschichte des Patienten kennen und sie bereits eine Voruntersuchung vorgenommen haben.

Den großen Vorteil der Videosprechstunde sehen die meisten Befragten in der verbesserten Kommunikation mit Patienten. Rund 70 Prozent stimmen dem zu. Fast ebenso viele Befragte sehen in dem digitalen Arztbesuch die Möglichkeit, den Ärztemangel im ländlichen Raum zu kompensieren.

Fast 72 Prozent der Befragten gehen davon aus, die Videosprechstunden weniger als 50 Mal im Quartal anzuwenden. Das ist die Anzahl der Konsultationen, die mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden kann.

Von der rund 200 Befürwortern der Videosprechstunde, die an der Coliquio-Umfrage teilgenommen haben, führen knapp 40 Prozent der Befragten eine Einzelpraxis, 24 Prozent eine Gemeinschaftspraxis und 20 Prozent arbeiten in der Klinik. Etwas mehr als ein Drittel der befragten Mediziner ist Hausarzt, die übrigen sind Fachärzte verschiedenster Richtungen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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