Telemedizin in Alaska: Ferndiagnose am Ende der Welt

Telemedizin in Alaska: Ferndiagnose am Ende der Welt

, aktualisiert 01. Oktober 2016, 14:51 Uhr
Bild vergrößern

Per Satellitentechnik werden Bilder der Patienten aus Dutch Harbor ins weit entfernte Anchorage übertragen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Klinik liegt auf einer Insel in Alaska, in einem entlegenen Winkel der Erde. Personal zu gewinnen ist hier schwierig. Jetzt kommen Ärzte aus mehr als 1000 Kilometern Entfernung zur Hilfe – dank Satellitentechnologie.

AnchorageDutch Harbor auf Unalaska Island in Alaska ist einer der lebhaftesten kommerziellen Fischereihäfen der USA. Doch der Ort ist so abgelegen, das konventionelle Telemedizin zur Unterstützung des wenigen Personals in der örtlichen Klinik nicht möglich war. Dabei ist es gerade an einem so entlegenen Außenposten wichtig, sich bei Bedarf Rat von erfahrenen Spezialisten holen zu können.

Seit vergangener Woche können sich nun Ärzte in einem Krankenhaus im knapp 1300 Kilometer entfernten Anchorage zuschalten, wenn in der Insel-Klinik Not am Mann ist. Etwa dann, wenn sich ein Fischer der Krabbenfangflotte in der Beringsee bei der Arbeit schwer verletzt hat. Das Seegebiet wurde durch die Discovery-Show „Deadliest Catch“ (Tödlichster Fang) bekannt.

Anzeige

Aus der Ferne können Ärzte am Providence Alaska Medical Center in Anchorage Röntgenbilder oder auch andere medizinische Unterlagen in der Klinik Iliuliuk Family and Health Services einsehen. Außerdem können sie direkt mit Patienten und deren Betreuern sprechen, anstatt wie bisher per Telefon oder E-Mail.

Ziel ist es, die Patienten zu stabilisieren, bevor sie zur Behandlung in andere Krankenhäuser gebracht werden. Bei größeren Unfällen, wie Schiffsunglücken, können Spezialisten aus Anchorage zudem bei der ersten Einschätzung zu helfen.

Die Kameraverbindung stützt sich nicht auf Glasfaserkabel, die es nirgendwo in der Nähe der Insel gibt, sondern auf Satellitentechnologie. Es ist das erste Mal in den USA, dass ein derartiges System für Telemedizin genutzt wird. Insgesamt unterstützt die Abteilung für elektronische Intensivpflege am Medical Center in Anchorage aus der Ferne neun Einrichtungen.

Der neue Service findet großen Beifall – so von Lance Farr, der ein Krabbenfischereiboot betreibt und schon zwei Mal bei seiner Arbeit in der Beringsee verletzt wurde. Vor mehreren Jahren trennte er sich bei einem Maschinenunfall an einem Dock beinahe einen Finger ab. Die Insel-Klinik leistete Erste Hilfe, dann wurde Farr zur weiteren Behandlung nach Anchorage geflogen.

Beim zweiten Mal fiel ihm eine Maschine auf den Fuß, der an mehreren Stellen brach. Farr wurde über Nacht im Iliuliuk-Hospital von Pflegern betreut und am nächsten Morgen ausgeflogen. „Es wäre eine gute Sache, wenn ein wirklicher Arzt die Leute hier draußen beriete“, sagt Farr. Ihm selber hätte die Zuschaltung eines Spezialisten in den ersten Stunden sicher auch moralisch Auftrieb gegeben.


Zur weiteren Behandlung werden die Patienten ausgeflogen

Die Stadt Unalaska hat gerade mal 4600 ständige Einwohner, aber während der beiden Hauptfischfangzeiten im Jahr schwillt die Zahl auf 16.000 oder mehr an. Dann kommen Bootsbesatzungen und Personal zur Verarbeitung der Beute, mit Dutzenden Sprachen und Kulturen. Das bedeutet mehr potenzielle Patienten, darunter Menschen, die kein Englisch sprechen.

Durchschnittlich verzeichnet die Insel-Klinik jährlich 300 Notaufnahmen außerhalb der üblichen Betriebszeiten. Ungefähr ein Drittel dieser Patienten muss zur weiteren Behandlung ausgeflogen werden.

Notfälle auf See können erhebliche Verzögerungen der notwendigen Behandlung bedeuten, weil der Verletzte erst einmal per Hubschrauber nach Dutch Habor gebracht werden muss. Da kann es eine Menge nützen, wenn in der Insel-Klinik ein Experte bei der ersten Einschätzung hilft und die Behandlung auf den Weg bringt – auch wenn er nur per Kamera dabei ist.

Kliniken in derart abgelegenen Gebieten können sich oft keine Notfall-Spezialisten oder die nötigen diagnostische Ausrüstung leisten. Es ist schon eine Herausforderung, Personal für die Arbeit in einer so entlegenen Ecke zu finden, wie die medizinische Direktorin der Insel-Klinik, Ann Nora Ehret, schildert.

Sie ist seit 2013 dabei, und erst kürzlich wurde ein zweiter Arzt eingestellt, nachdem die Stelle fast ein Jahr unbesetzt gewesen war. Und dann muss man den Spezialisten auch das Bleiben schmackhaft machen.

Ehret hofft, dass die Telemedizin einiges zum Positiven wandelt. „Ich denke, es könnte etwas verändern, beim Anheuern von Kräften, dabei, sie zu halten, und für die Betreuung der Patienten. Wir erhalten jetzt die Unterstützung, die wir in einem solchen kargen Umfeld benötigen“, sagt sie. 

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%