Tierisches Jagdverhalten: Auf Knopfdruck zum Killer

Tierisches Jagdverhalten: Auf Knopfdruck zum Killer

, aktualisiert 13. Januar 2017, 09:52 Uhr
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Mit einfachen Lichtsignalen können Forscher das Jagdverhalten von Mäusen aktivieren.

Quelle:Handelsblatt Online

Auf den Anblick von Beute reagieren viele Tiere unmittelbar: Alle Sinne sind nur noch darauf fixiert, zu jagen und zu töten. Mit einem einfachen Lichtsignal haben Forscher dieses Verhalten nun künstlich ausgelöst.

New HavenForscher können Tiere auf Knopfdruck zu wilden Killermaschinen machen, indem sie bestimmte Gehirnzellen mit Lichtsignalen aktivieren. Die Wissenschaftler aus Brasilien und den USA berichten im Fachjournal „Cell“, wie es ihnen gelang, bei Mäusen den Teil des Gehirns zu beeinflussen, in dem die Verfolgung und Tötung von Beutetieren initiiert wird.

„Wir schalteten den Laser an und sie sprangen auf ein Objekt, hielten es mit ihren Pfoten fest und bissen intensiv hinein, als wenn sie es fangen und töten wollten“, erläutert Studienleiter Ivan de Araujo von der Yale University School of Medicine. Die Mäuse attackierten auf das Lichtsignal hin nicht nur lebendige Insekten, sondern auch Holzstöckchen oder Flaschendeckel, berichten die Wissenschaftler weiter.

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Ausgangspunkt für die Untersuchung war die Frage, welche Mechanismen und Nervenverbindungen Wirbeltieren die Jagd ermöglichen. Die Entwicklung von beweglichen Kiefern versetzte die frühen Wirbeltiere vor rund 400 Millionen Jahren in die Lage, ihre Nahrung nicht nur aus der Umgebung zu filtrieren, sondern Beute aktiv zu jagen, sie festzuhalten und durch Bisse zu töten.

Heute gehören nahezu alle Wirbeltiere zu den sogenannten Kiefermäulern. Wie das Gehirn die Jagd steuert und welche neuronalen Verbindungen dafür geknüpft werden müssen, ist bisher aber weitgehend unverstanden.

De Araujo und seine Mitarbeiter konzentrierten sich nun auf den zentralen Kern des Mandelkerns, auch Amygdala genannt. Von dieser Hirnregion war bekannt, dass sie beim Jagen verstärkt aktiv ist. Die Wissenschaftler manipulierten verschiedene Nervenzellen in der Region so, dass sie auf ein Lichtsignal hin „feuern“.


Auch leblose Gegenstände wurden attackiert

Auf diese Weise gelang es ihnen, zwei Gruppen von Neuronen zu identifizieren: Eine aktiviert den Jagdtrieb, die andere steuert die Muskulatur von Kiefer und Nacken. Auf das Lichtsignal hin nahmen bis dato unbeteiligte Mäuse eine Jagdhaltung ein, packten, bissen und töteten ihre Beute. Auch leblose Gegenstände wurden attackiert, Artgenossen griffen die Tiere hingegen nie an.

In weiteren Experimenten verletzten die Forscher gezielt die jeweiligen Nervenzellen. Setzten sie die Neuronen außer Gefecht, die mit Beißen und Töten im Zusammenhang stehen, verfolgten die Nager zwar ihre Beute, konnten aber nicht mehr tödlich zubeißen.

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun herausfinden, welche sensorischen Signale natürlicherweise den zentralen Kern der Amygdala aktivieren und wie die beiden Bestandteile des Jagdverhaltens – Verfolgen und Töten – koordiniert werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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