Tierversuche: Verzicht auf Labormäuse spart bares Geld

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Tierversuche: Verzicht auf Labormäuse spart bares Geld

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Tierversuche gelten in Deutschland immer noch als der Königsweg der Forschung. Dabei gibt es Alternativ-Methoden - auch in Deutschland.

von Timo Stukenberg

Deutschland investiert Millionen, um Alternativen zu Tierversuchen zu erforschen. Doch viele Ergebnisse dürfen nicht verwendet werden. Stattdessen verdienen Firmen aus dem Ausland an der Forschung.

Nur wenige Dinge haben den Ruf von Chemie-, Pharma- und Kosmetikindustrie so beschädigt, wie die Bilder von Tierversuchen: Eitrige Augen, kahlgeschorene Kaninchen, verkrüppelte Affen. Immer noch verbrauchen Industrie und Forschung massenweise Versuchstiere. Doch mittlerweile sind viele Tierversuche gar nicht mehr notwendig.

40 Alternativmethoden kommen laut dem Verband der chemischen Industrie in Deutschland zum Einsatz. Eine dieser Methoden passt in eine Petrischale und schwimmt in einer rötlichen Lösung: künstliche Haut. Für den sogenannten in Vitro-Test geben die Forscher eine kleine Menge der Testsubstanz, zum Beispiel eine Chemikalie, auf das viereckige Hautstück. An dem Modell können die Wissenschaftler ablesen, wie stark eine neue Substanz die menschliche Haut reizt oder wie schnell sich Wunden darauf wieder schließen.

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Ohne Tiere kommen auch Augenreizungstests aus. Wo früher Chemikalien in die Augen von Kaninchen geträufelt wurde, benutzen Forscher heute angebrütete Hühnereier. Von denen wird vorsichtig ein Teil der Schale abgenommen. Darunter befindet sich die stark durchblutete Aderhaut. Diese hat ähnliche Eigenschaften wie die menschliche Netzhaut. Treten am Hühnerei Reizungen auf, ist die Chemikalie auch für das menschliche Auge gefährlich.

Patente auf Tiere Von Krebsmäusen und Turbolachsen

Vor 25 Jahren wurde erstmals ein Tier als Patent geschützt. Lange vor den europäischen Patentprüfern erteilten ihre Kollegen in den USA den Schutz für die Harvard-Krebsmaus. Bis heute sind Patente auf Tiere umstritten.

An der von Forschern der Harvard-Universität gezüchteten Krebsmaus sollten neue Therapiemöglichkeiten für den Menschen getestet werden. Quelle: picture-alliance

Industrie unter Druck

Trotz zahlreicher Alternativen würden laut dem Verband der Chemie-Industrie jährlich rund 1300 Tiere pro Substanz unnötigerweise getötet. Auch deutsche Pharmaunternehmen sind damit alles andere als zufrieden. „Tierversuche sind in der Regel teurer als Alternativmethoden“, sagt Rolf Hömke vom Verband der forschenden Arzneimittelhersteller, vfa.

Der Druck auf die Konzerne wächst. Laut der REACH-Verordnung der EU müssen sie rund 30.000 bereits zugelassene, chemische Substanzen noch einmal neu zulassen. Die meisten Substanzen dürfen nach OECD-Kriterien nur in den relativ teureren Tierversuchen neu zugelassen werden.

Noch stärker sind Kosmetikfirmen wie L'Oreal betroffen. Sie dürfen in der EU bereits seit März dieses Jahres keine Produkte mehr verkaufen, die an Tieren getestet wurden. Ob aus wirtschaftlichen oder rechtlichen Gründen: Chemie-, Pharma- und Kosmetikindustrie sind dazu gezwungen, Alternativmethoden einzusetzen. Die sind oftmals bereits erforscht und werden intern bei den Unternehmen eingesetzt. Bevor ein Medikament verkauft werden darf, verlangen die OECD-Testrichtlinien aber in den meisten Fällen immer noch, dass es an Tieren getestet werden muss.

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