Tüfteln am ISS-Nachfolger : Ist die bemannte Raumfahrt bald Geschichte?

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Tüfteln am ISS-Nachfolger : Ist die bemannte Raumfahrt bald Geschichte?

Die Zukunft der bemannten Raumfahrt steht in den Sternen. Russland will eigene Wege gehen, der Westen bastelt an Plänen für einen Nachfolger der ISS. Könnten politische Umstände die Weltraumforschung einschränken?

Die eine besticht durch eine überdimensionale Scheibe aus Solarmodulen. An der anderen fallen die orange-weißen Module auf, die an längliche XXL-Luftballons erinnern: Eine Woche lang haben Studenten beim „Space Station Design Workshop“ an der Universität Stuttgart zwei Konzepte für künftige Raumstationen ertüftelt. Ein Detail dabei: In beiden Plänen taucht Roskosmos auf, die russische Raumfahrtbehörde. Plausibel findet das der Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme, Stefanos Fasoulas: „Solche Unternehmungen werden auch künftig nur international finanzierbar sein.“ Dabei klingen die offiziellen Töne aus Moskau eher anders.

Ein Vierteljahrhundert nach dem kontrollierten Absturz der Raumstation Mir plant Russland bei der Erforschung des Alls eine neue Ära. An der Internationalen Raumstation ISS arbeitet Moskau seit 1998 etwa mit den USA und Europa eng zusammen. Von 2024 an will die stolze Raumfahrtnation aber ihre ehrgeizigen Weltraumpläne wieder solo durchsetzen. Geht es nach Plänen des russischen Vizeregierungschefs Dmitri Rogosin, könnten die ISS zerlegt und russische Teile danach zum Bau eines eigenen Außenpostens der Menschheit verwendet werden.

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Das internationale Weltraumrecht

  • Der Weltraumvertrag

    Als erste und grundlegende völkerrechtliche Vereinbarung des Weltraumrechts gilt der Weltraumvertrag, der 1967 unterschrieben wurde und dem heute 102 Staaten zugestimmt haben. Darin sind Grundsätze festgelegt, die die staatlichen Weltraumaktivitäten regeln. So wird etwa das Hoheitsrecht an Teilen des Weltraums, am Mond und an anderen Himmelskörpern ausgeschlossen. Für Forschung und wirtschaftliche Nutzung ist der Weltraum weitestgehend frei. Aber es gibt Beschränkungen. So muss die Erforschung und Nutzung des Weltraums Sache der gesamten Menschheit sein. Geschlossen wurde der Vertrag 1967 insbesondere mit Blick und Furcht vor einem Wettrüsten im All vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

  • Das Weltraumrettungsübereinkommen

    Das Weltraumrettungsübereinkommen wurde kurz nach dem grundlegenden Weltraumvertrag 1968 verabschiedet und regelt die Gewährung von Hilfe an in Not geratene Raumfahrer und zur Rückgabe von in den Weltraum gestarteten Gegenständen.

  • Das Weltraumhaftungsübereinkommen

    Mit dem Weltraumhaftungsübereinkommen wurde 1972 die Haftung im Weltraum in Regeln festgelegt. Zur Sicherstellung angemessenen Schadensersatzes für durch Weltraumgegenstände verursachte Schäden gibt es seitdem einen handfesten Rechtssatz - allerdings bezieht dieser sich in erster Linie auf staatliche und nicht auf private Aktivitäten im Weltraum.

  • Der Mondvertrag

    Nach dem allgemeinen Weltraumvertrag gilt der Mondvertrag von 1979 als die wichtigste Vereinbarung im Weltraumrecht. Darin wurden spezielle Regelungen über die Nutzung des Monds und der eventuellen Ausbeutung seiner Naturschätze festgehalten. Allerdings ist dieser Vertrag wenig bindend, denn im Vergleich zum Weltraumvertrag, dem immerhin 102 Staaten zustimmten, wurde der Mondvertrag bislang nur von 15 Staaten ratifiziert.

Kremlchef Wladimir Putin kündigte den Bau einer russischen Station in der Erdumlaufbahn bereits an. Von der ISS seien nur fünf Prozent des Staatsgebiets einzusehen. „Wir brauchen eine Station, von der wir die ganze Fläche unseres Landes kontrollieren“, meinte der Präsident.

Die Lage zum Westen gilt unter anderem wegen der Ukraine-Krise als sehr angespannt. Daher ist auch hierzulande die Zukunft der bemannten Raumfahrt noch offen. Für Hansjörg Dittus, im Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Raumfahrtforschung und -technologie zuständig, hängt sie vor allem vom Geld ab.

Die reinen Betriebskosten für die ISS betragen nach seinen Angaben jährlich 2,2 Milliarden Euro, wovon rund 280 Millionen auf die europäischen Partner entfallen. Deutschland trage gut 100 Millionen Euro. „Will man mit Astronauten zu Mond oder Mars in den nächsten 30 bis 50 Jahren oder Raumstationen fern der Erde, etwa im Langrange-Orbit, betreiben, braucht man dazu einen Raumfahrt-Etat in Europa, der das zwei- bis dreifache von heute beträgt.“

Das entspräche in etwa den Vorschlägen der Nachwuchsforscher: Ihre Raumstationen sollten an den sogenannten Lagrange-Punkten stationiert werden, wo sich die Gravitationsfelder von Mond und Erde aufheben. Von dort aus seien andere Punkte im All leichter erreichbar, erklärt Fasoulas. Die Raumstationen sollen den Plänen der Studenten zufolge dabei als Zwischenlager und Tankstelle für Mars- und Mondmissionen dienen.

Damit dieses Ziel verfolgt werden kann, ist eine ISS-Nachfolge aus Dittus' Sicht zwingend notwendig. „Nur wenn wir Menschen in niedrigen Laufbahnen haben, können wir auch Mehrgenerationenprojekte wie Marsmissionen angehen. Wir wollen eine Ära ohne bemannte Raumfahrt vermeiden.“ Für wahrscheinlich hält er eine Station etwa im selben Orbit wie die ISS - also rund 400 Kilometer von der Erde entfernt.

Auch der Einstieg privater Anbieter sei Teil der Überlegungen, sagt der DLR-Vorstand. Staatliche Bedürfnisse könnten so durch gemietete Forschungsmodule erfüllt werden. „Da sehe ich einen großen Bedarf.“ Zentrale Fragestellungen sollten solche sein, die für viele Menschen von Belang sind wie Klimawandel und Ernährungslage. „Das lässt sich gut vom Weltall aus beobachten - aber eben nicht nur von Satelliten.“

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Russland plant eine Station aus fünf Segmenten: ein Labormodul, ein Energiemodul, ein Verbindungsmodul sowie ein Transformations- und ein Wissenschaftlich-Energetisches Modul. Ob das alles umsetzbar ist, steht aber in den Sternen. Eine Wirtschaftskrise macht der Rohstoffmacht Russland zu schaffen. Zudem fallen beim laufenden Bau eines Weltraumbahnhofs nahe der chinesischen Grenze hohe Kosten an.

Dittus ist mit Blick auf den Westen guter Dinge: Die Planungen seien weit gediehen. „Man muss nun gucken, was realisierbar ist.“ 2016 bei der Ministerkonferenz der Europäischen Weltraumbehörde ESA müsse es eine generelle Entscheidung über die Zukunft der Raumfahrt geben.

Entscheidend sei, dass sich die Gesellschaft wieder dafür begeistere. „Das Thema Raumfahrt ist wieder salonfähig.“ Das sei in den vergangenen 20 bis 30 Jahren anders gewesen, mit dem Start der ISS sei eigentlich nur noch über deren Ende gesprochen worden. „Wichtig ist Begeisterung zu schüren“, so Dittus. „Das schafft auch Geld ran.“

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