Valley Talk: Griff nach den Sternen mit Minisatelliten

ThemaRaumfahrt

kolumneValley Talk: Griff nach den Sternen mit Minisatelliten

Kolumne von Matthias Hohensee

Der Boom der Smartphones hat einen überraschenden Nebeneffekt: Er macht auch private Satelliten erschwinglich.

Rund 20 Millionen Dollar ließ sich Weltraumtourist Dennis Tito vor zwölf Jahren seinen Mitflug an Bord einer russischen Sojus-Raumkapsel kosten. Für den Investmentbanker war die Woche im All finanziell kein Problem. Die Masse weltraumbegeisterter Erdlinge aber kann sich solch einen Trip bislang nicht leisten. Trotz Dutzender Unternehmen wie Richard Bransons Virgin Galactic, die Flüge ins All erschwinglicher machen wollen. Wer die Erde höchstpersönlich aus dem Orbit betrachten will, muss sehr vermögend sein.

Doch geht es nach Joel Spark, kann bald jeder Interessierte die Erde vom All aus inspizieren, für nur rund 250 Dollar die Woche. Der Raumfahrt-Ingenieur ist einer der Gründer des Startups Nanosatisfi. Ich traf ihn kürzlich auf der vom Hamburger Unternehmer Harald Neidhardt organisierten Technologiekonferenz Mlove in Monterey.

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Nanosatisfi, das in einer Garage in San Francisco residiert, will ein privates Netz aus seinen ArduSat genannten Minisatelliten installieren. Auf die soll jeder Zugriff haben und so etwa das Wetter beobachten oder Satellitenfotos schießen können. Zum Start fokussiert sich das Startup auf Schüler und Studenten. Später sollen kommerzielle Dienste wie das Beobachten von Güterverkehr hinzukommen.

Minisatelliten gibt es schon. Rund 80 Stück, die meist von Universitäten und staatlichen Forschungen betrieben werden, kreisen im All. Sie sind viel kleiner und leichter als herkömmliche Satelliten, die durchschnittlich zwei Tonnen schwer sind. Die Nanosatisfi-Flugkörper etwa bringen nur ein Kilogramm auf die Waage.

Vor allem aber kostet ihr Bau nicht mal 250.000 Dollar, sagt Spark – ein Bruchteil von herkömmlichen Satelliten. Das liegt nicht nur am reduzierten Funktionsumfang der orbitalen Zwerge, sondern auch am Einsatz herkömmlicher Elektronikbauteile. Denn die benötigten Komponenten werden vor allem dank des Booms im Smartphone-Markt nicht nur immer günstiger, sondern auch kompakter.

So wiegt etwa ein im ArduSat verbauter Sensor, der das Gefährt zur Sonne ausrichtet, nur noch 5 Gramm. Vor ein paar Jahren waren es noch 365 Gramm. Die Folge: Minisatelliten können wegen ihrer Abmessungen und ihres Gewichts relativ günstig in den Orbit befördert werden. Ein Platz in einer Versorgungsrakete zur internationalen Raumstation ISS ist schon für 150 000 Dollar pro Kilogramm zu haben. Nanosatisfi will im Sommer zwei Satelliten im All platzieren und hat dafür 1,2 Millionen Dollar von Privatanlegern eingesammelt. Weiteres Geld kam von der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, über die Unterstützer vorab Nutzungszeit auf den Satelliten erwarben.

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Offiziell sind die von Spark und seinem Mitgründer Jeroen Cappaert konstruierten Satelliten von staatlicher Stelle als „Waffen“ klassifiziert, genauso wie die ersten Supercomputer. Tatsächlich aber sind die Auflagen gering, weil die Auflösung der benutzten Kameras nicht an die moderner Spionagesatelliten heranreicht. Trotzdem wird sich so mancher nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass demnächst neben klassischen Flugdrohnen auch private Minisatellitenflotten auf die Erde spähen.

Für Diskussionsstoff sorgt auch die auf nur zwei Jahre ausgelegte Lebenszeit der Minisatelliten, die die Weltraumschrott-Problematik noch verschärft. Spark sieht das Hauptproblem zwar eher bei traditionellen Satelliten, deren Teile nicht immer in der Erdatmosphäre verglühen. Doch auch die Minisatelliten wirken im Orbit wie Geschosse und erschweren die traditionelle Raumfahrt.

Dennoch überwiegen für Spark die Vorteile. Er ist gespannt darauf, welche Ideen mit den Satelliten umgesetzt werden. Umso mehr, weil sie nicht mehr nur für staatliche Forscher oder Vermögende erreichbar sind.

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