
MünchenWenn im alltäglichen Nachmittagsberufsverkehr in der Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole São Paulo das übliche Chaos ausbricht, behalten ein paar Männer den Überblick. Während sich auf den Ausfahrtstraßen kilometerlange Staus bilden und die Menschen in die U-Bahnhöfe strömen, sitzen sie in einem gut klimatisierten Kontrollraum an der Endstation der Linie 4.
Auf einem Streckenplan auf einem riesigen Monitor können sie sämtliche Züge der Linie 4 verfolgen, Kameras liefern Bilder von der Fahrt und den Bahnhöfen. Die Kontrolle ist wichtig - denn die U-Bahnen der Linie 4 sind ohne Fahrer unterwegs.
Als vor mehr als zehn Jahren in Nürnberg das erste Projekt „fahrerlose U-Bahn“ gestartet wurde, war das eine kleine Sensation. Verkehrsexperten aus aller Welt beobachteten gespannt das Experiment mit Siemens-Technik, das dann 2008 tatsächlich in Betrieb ging.
Heute hat sich das System bewährt. „Automatisierte U-Bahnen sind energieeffizienter, pünktlicher und optimieren automatisch und in Echtzeit den Fahrbetrieb“, schwärmt Siemens-Manager Sami Atiya.
Bisher keine Unfälle
In Nürnberg ermöglicht der automatische Betrieb eine Taktdichte von 100 Sekunden - mit Fahrer sind 200 Sekunden üblich. Werden Zusatzzüge benötigt, können diese einfach aus dem Depot rollen, ohne dass sich ein Fahrer bereithalten muss. Zudem kann bei den fahrerlosen Zügen der Energieverbrauch durch die automatische Steuerung um bis zu 30 Prozent reduziert werden.
Auch in Barcelona, im chinesischen Guangzhou, in Budapest und neuerdings auf der meistgenutzten U-Bahnlinie in Paris sind inzwischen fahrerlose Züge unterwegs. Möglich machen das moderne Steuerungstechnik und das vollautomatische Zugsicherungssystem Trainguard. Die Technik wird immer ausgefeilter. So können sich die Züge nach einem Systemausfall auf der Strecke selbstständig wieder orten und erkennen, ob ein anderer Zug in der Nähe ist.
Ist die Strecke frei, fährt er ohne menschliche Hilfe zur nächsten Station, wo sich Service-Ingenieure um die Störung kümmern können. Zudem haben die Züge eine spezielle Hinderniserkennung. Bisher gab es keine Unfälle, die auf technisches Versagen zurückzuführen waren.















