Viola Bronsema: "Arzneimittel alleine reichen nicht"

Viola Bronsema: "Arzneimittel alleine reichen nicht"

Das sagt Viola Bronsema, Geschäftsführerin von BIO Deutschland – dem Industrieverband der deutschen Biotechnik-Unternehmen, zur Chan Zuckerberg Initiative.

WirtschaftsWoche: Was macht die Chan-Zuckerberg anders als Big Pharma?
Viola Bronsema: Basierend auf den bisherigen Informationen lässt sich ein starker Fokus auf Grundlagenforschung und das Bereitstellen neuer Technologien ausmachen. Die Pharma-Industrie engagiert sich in diesem Bereich nicht so stark, wenn dann i. d. R. über Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Die Grundlagenforschung wird in Deutschland weitgehend durch starke Universitäten und Forschungsinstitute abgebildet

Was unterscheidet sie von der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung?
Der aktuelle Fokus im Bereich Gesundheit der BMG-Stiftung liegt wesentlich auf Krankheiten, die besonders die Bevölkerung in Schwellen- und Entwicklungsländern plagen, so z. B. die Entwicklung eines Malaria-Vakzins oder die Unterstützung von CureVac, um Impfstoffe bereitzustellen, die ohne lange Kühlkette in tropischen und subtropischen Regionen genutzt werden können. Die Chang Zuckerberg Initiative legt auch einen Schwerpunkt auf Infektionskrankheiten, wobei hier die Werkzeuge zur Entwicklung von Therapien, Diagnostika und Impfstoffen in den Vordergrund gestellt werden. Die BMG Stiftung verfügt allerdings über wesentlich größere finanzielle Ressourcen.

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Braucht es eine weitere Initiative dieser Art?
Ich denke, es kann nicht genug Initiativen dieser Art geben. Wir haben in den letzten Jahren einen enormen Wissenszuwachs gesehen, was unser Verständnis biologischer Vorgänge angeht. Aber es gibt noch sehr viele Prozesse auf zellulärer Ebene, die unvollständig bekannt oder gar nicht verstanden sind. Die Bevölkerung wächst, die Menschen werden älter und leiden zunehmend an altersassoziierten Krankheiten. Zusätzlich hebt die Globalisierung für (u. U. resistente) Krankheitserreger die Grenzen auf, der Klimawandel verschiebt sie.

Es besteht also ein großer Bedarf für neue Therapien. Außerdem ist die Entwicklung innovativer Arzneimittel sehr teuer, hier hilft jedes Bekenntnis der finanziellen Unterstützung, auch wenn Kritiker schon sagen, es wäre ja relativ wenig im Vergleich zu anderen Stiftungen bzw. öffentlichen Fördergeldern.

Publikumswirksame Bekanntmachungen wie dieses können natürlich auch helfen, andere sehr wohlhabende Menschen zu inspirieren, ihr Vermögen ähnlich sinnvoll anzulegen. Gründerinnen und Gründer wollen erfahrungsgemäß auch etwas bewegen. Es ist sicher gut in diesem Sinn motivierte Akteure in der Gesundheits-Gesellschaft („Health Care Community“) zu haben, die mit ihrer Macht und ihren Möglichkeiten Lücken im medizinischen Bedarf schließen.

Schaffen die das? Oder nehmen sie den Mund zu voll?
Es ist wohl nicht möglich, die Menschheit jemals von allen Krankheiten zu heilen. Aber es ist sicher möglich, mit den richtigen Ressourcen unser Verständnis von Krankheitsprozessen wesentlich zu verbessern und wirksame Medikamente und Impfstoffe zu entwickeln. Abgesehen davon reichen Arzneimittel alleine nicht, um die Menschheit von Krankheit zu befreien. Es ist genauso wichtig Ernährung, Bildung und Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln sicherzustellen und auch z. B. die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten in den Industrienationen zu verbessern.

Antibiotika-Resistenzen zeigen uns ja gerade, dass die Natur immer noch einen Trick auf Lager hat, die besten wissenschaftlichen Lösungen zu umrunden…
Wir können Evolutionsprozesse nicht stoppen, aber wir können sie verlangsamen, indem wir den Druck auf Bakterien verringern, sich zu verändern. Wir können durch geeignete Maßnahmen, wie schnelle Diagnostik und den gezielten Einsatz von Antibiotika, Hygiene, Aufklärung und natürlich Forschung auf diesem Gebiet sehr viel erreichen.

Ist es vielleicht auch nur oder immerhin auch ein werbewirksames Steuerspar-Modell?
Das kann ich natürlich nicht beurteilen. Allerdings wäre es ein Steuersparmodell, von dem nicht nur die Chan-Zuckerberg Familie profitierte.

Hier geht's zurück zum Übersichtsartikel "Chan Zuckerberg Initiative: Neue Heiler aus dem Silicon Valley"

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