Vor der Küste Alaskas: Unterwasservulkan gefährdet Flugverkehr

Vor der Küste Alaskas: Unterwasservulkan gefährdet Flugverkehr

, aktualisiert 06. Februar 2017, 10:39 Uhr
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Die Insel bildet die Spitze eines gewaltigen Unterwasservulkans.

Quelle:Handelsblatt Online

Unter der Oberfläche der Beringsee vor der Küste Alaskas brodelt es. Seit Dezember brach der als Bogolof Island bekannte Unterwasservulkan mehrfach aus. Die Eruptionen gefährden inzwischen den Flugverkehr.

AnchorageBogoslof Island ist auf den ersten Blick wenig bemerkenswert: Die Insel in der Beringsee, die zu Alaska gehört, ist nicht einmal einen Quadratkilometer groß, ihre höchste Erhebung erreicht gerade 149 Meter, und sie ist wie andere Inseln der Aleuten von Seelöwen bevölkert.

Unter der Oberfläche zeigt sich jedoch die Besonderheit von Bogoslof. Die kleine Insel bildet die Spitze eines aktiven Unterwasservulkans, der rund 1680 Meter in die Tiefe reicht und auf dem Grund der Beringsee steht.

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Seit Mitte Dezember brach der Vulkan mehrfach aus und schleuderte Eiskristalle und Gesteinsbrocken in die Luft – so hoch, dass Flugzeuge auf dem Weg zwischen Nordamerika und Asien ihnen ausweichen mussten. Die Explosionsfähigkeit gehe teilweise zurück auf die Reaktionen zwischen dem Magma und dem Meerwasser, erklärt Chris Waythomas, Geophysiker von der Amerikanischen Geologischen Behörde USGS.

Experten rechnen damit, dass die Aschewolken 2017 noch häufiger auftreten werden. „Einige der früheren Eruptionen in der Geschichte haben mehrere Monate angedauert“, sagt Waythomas.

Bogoslof ist noch relativ jung. Die Insel erschien nach einer Unterwasser-Eruption im Jahr 1796. 1883 brach der Vulkan erneut aus und schuf einen pfropfenförmigen Lavadom. Die Kuppel war zunächst Teil der Insel, Erosionen führten jedoch dazu, dass sie nun als Steinsäule etwa 600 Meter vom Ufer entfernt aus dem Wasser ragt.

Im vergangenen Monat traten aus einer Öffnung im flachen Wasser an der Nordostseite Gase aus. Die ersten Emissionen von Asche wurden am 14. Dezember bestätigt. Rund 8000 Quadratmeter auf der Ostseite der Insel sind bei den Eruptionen verschwunden. Weitere Ausbrüche folgten, manchmal stiegen die Aschewolken mehr als sechs Kilometer in die Höhe und stellten damit eine Gefahr für den Luftverkehr dar.

Die Fluglotsen erhielten nach den Eruptionen Warnungen, sagt Allen Kenitzer, Sprecher der Luftverkehrsbehörde FAA. Zu größeren Störungen durch Bogoslof sei es bisher nicht gekommen. Die Flüge seien lediglich über die Aschewolken oder um sie herum geleitet worden. In den vergangenen Jahren kam es schon vor, dass Fluggesellschaften wegen Vulkanausbrüchen Flüge absagen mussten.


Feuerring im Pazifik

Die Aleuten, die größtenteils zu Alaska gehören, sind Teil des sogenannten Feuerrings im Pazifischen Ozean. In der Region in der Form eines Hufeisens stoßen die Nordamerikanische und die Pazifische Platte aufeinander. In der Tiefe entsteht Magma, die an die Erdoberfläche aufsteigt. Ob ein Vulkan ausbricht oder die Lava langsam austritt, hängt von den gelösten Gasen ab und ihren Möglichkeiten, schnell aus der Magma auszutreten.

„Es ist so ähnlich, als wenn man an einem warmen Tag eine Dose Limonade öffnet“, erklärt Waythomas. „Das Gas, das in der Flüssigkeit gelöst ist, tritt schnell aus und bringt dabei Magma mit sich. Es bricht auseinander, während es sich ausdehnt. Dadurch entstehen die Feinpartikel.“

Auf Bogoslof reagiert das Magma außerdem mit dem Meerwasser und der wassergetränkten Erde. Diesen Effekt vergleicht der Geophysiker mit der Herstellung von Pfannkuchen in der Küche. Wenn Wasser auf die Pfanne komme, „dann gleitet das Wasser aus einem Film aus Wasserdampf“, sagt er. „Wenn man diese Dampfschicht zerstört und das Wasser in Kontakt mit der heißen Pfanne bringt, produziert man eine Dampfexplosion.“ Das geschehe im Grunde auch auf Bogoslof.

Auf der Insel sind es die Schockwellen der Erdbeben, die den Dampffilm zwischen dem heißen Magma und dem Meerwasser zusammenbrechen lassen. Die Explosionen lösen weitere Schockwellen aus, so dass noch mehr direkter Kontakt zwischen Magma und Wasser entsteht und schließlich eine Eruption folgt, wie Waythomas erklärt. Dieser Kreis endet erst, wenn kein Magma mehr im flachen Wasser vorhanden ist.

„Wenn der Austritt oberhalb des Meeresspiegels erfolgt, könnte das die Dynamik der Ausbrüche verändern“, sagt der Geophysiker. „Das Meerwasser spielt dann eine weniger große Rolle und es geht stärker darum, wie gasartig das Magma ist. Das könnte das Ende einläuten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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