Vorsorge wird wichtiger: Männer sind seltener krank, dafür schlimmer

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InterviewVorsorge wird wichtiger: Männer sind seltener krank, dafür schlimmer

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Viele typische Männerkrankheiten lassen sich bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkennen und gut behandeln.

von Felix Ehrenfried

Männer sterben früher, leben ungesünder und gehen seltener zum Arzt als Frauen. Wieso das so ist, erklärt ein Experte für Männergesundheit im Interview.

Auch wenn es ein altes Klischee ist: Immer noch bringen Männer lieber ihr Auto zum TÜV, als ihre eigene Gesundheit kontrollieren zu lassen. Experten schätzen, dass lediglich jeder fünfte Mann zu Vorsorgeuntersuchungen geht - bei Frauen geht jede Zweite regelmäßig zum Arzt.

Dabei hätte es gerade das vermeintlich starke Geschlecht nötig. Denn Männer ernähren sich meist ungesünder, rauchen mehr und trinken mehr Alkohol. Auch liegt die Anzahl der Krebsneuerkrankungen bei Männer deutlich über der von Frauen: Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) erkranken jährlich rund eine viertel Millionen Männer in Deutschland neu an Krebs, bei Frauen liegt diese Zahl rund 30.000 Neuerkrankungen niedriger.

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Doch woran liegt es, dass Männer nicht allzu regelmäßig zum Arzt gehen? Und welche sind die schlimmsten Männerkrankheiten? Die Antworten kennt Frank Sommer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der weltweit erste Universitätsprofessor für Männergesundheit.

Informationen zum Interviewpartner Frank Sommer

  • Frank Sommer

    Frank Sommer kennt sich aus mir der Gesundheit von Männern. Der 47-Jährige ist seit 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und wurde damit nach eigenen Angaben „als erster Arzt der Welt als Universitätsprofessor für Männergesundheit berufen.“ Nach seinem Studium der Medizin in Köln war Sommer mehrere Jahre als Arzt in London tätig. Sommer ist Urologe, Sportmediziner und Androloge, also Facharzt für die Fortpflanzungsfunktion des Mannes. Daneben ist Sommer seit 2005 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit.

Wirtschaftswoche Online: Herr Sommer, heute gehen Männer in den Erziehungsurlaub oder sind Hausmann, die althergebrachten Rollenbilder vermischen sich zunehmend. Lässt sich da noch behaupten, Männer seien Vorsorgemuffel und polieren lieber ihren Wagen anstatt zum Arzt zu gehen?

Frank Sommer: In der Tat bemerken wir besonders unter jungen Männern, dass Vorsorge wichtiger wird. Mann geht zum Arzt und fühlt sich dabei nicht als Schlappschwanz. Das war früher anders, da sind Sie als Mann schnell als weich abgestempelt worden, wenn Sie auf ihre Gesundheit geachtet haben. Heute ist es hingegen schon fast eine Mode, auf sich selbst und seine Gesundheit zu achten und damit auch zum Arzt zu gehen. Langsam erkennt Mann also, dass Vorsorge wichtig ist. Trotzdem: Immer noch gehen viele Männer erst zum Arzt, wenn etwas weh tut - also meist zu spät. Auch gehen im Vergleich zu den Frauen nur sehr wenige Männer zur Vorsorgeuntersuchung.

Früherkennungsangebote der gesetzlichen Krankenkasse

  • Hautkrebs

    Art der Untersuchung: Ganzkörperuntersuchung der Haut

    Zielgruppe: Frauen und Männer ab 35 Jahren

    Untersuchungsintervall: alle zwei Jahre

  • Darmkrebs

    Möglichkeit 1

    Art der Untersuchung: Stuhluntersuchung (Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl)

    Zielgruppe: Frauen und Männer von 50 bis 54 Jahren

    Untersuchungsintervall: jährlich

    Möglichkeit 2

    Art der Untersuchung: Koloskopie (Darmspiegelung)

    Zielgruppe: Frauen und Männer ab 55 Jahren

    Untersuchungsintervall: zwei Koloskopien im Abstand von zehn Jahren

  • Gebärmutterhalskrebs

    Art der Untersuchung: Abstrich am Gebärmutterhals

    Zielgruppe: Frauen ab 20 Jahren

    Untersuchungsintervall: jährlich

  • Brustkrebs

    Möglichkeit 1

    Art der Untersuchung: Abtasten der Brust

    Zielgruppe: Frauen ab 30 Jahren

    Untersuchungsintervall: jährlich

    Möglichkeit 2

    Art der Untersuchung: Mammographie im Rahmen des nationalen Mammographie-Screening-Programms

    Zielgruppe: Frauen von 50 bis 69 Jahren

    Untersuchungsintervall: alle zwei Jahre

  • Prostatakrebs

    Art der Untersuchung: Abtasten der Prostata (digitale rektale Untersuchung)

    Zielgruppe: Männer ab 45 Jahren

    Untersuchungsintervall: jährlich

Wirtschaftswoche Online: Warum?

Frank Sommer: Das liegt vor allem daran, dass Frauen den regelmäßigen Arztbesuch schon von jungen Jahren an gewöhnt sind. Sie gehen zum Arzt, um sich beispielsweise die Anti-Babypille verschreiben zu lassen. So sind Frauen automatisch häufiger in Kontakt mit ihrem Arzt. Sie gehen öfter aus Gründen, die nicht direkt mit einer Erkrankung oder Schmerzen zu tun haben. Männer dagegen müssen mit rund 16 Jahren das letzte Mal zu einer Jugendvorsorgeuntersuchung, von da an gibt es im Prinzip keine direkte Pflicht oder einen Grund zum Arzt zu gehen. Dennoch gibt es viele Vorsorgeuntersuchungen, die sinnvoll sind und auch von der Krankenkasse getragen werden (siehe Infokasten).

Vorsorgeuntersuchungen für Männer

  • Hautscreening

    Ab 30 Jahren im jährlichen Turnus. Der Arzt überprüft die Haut auf mögliche Erkrankungen, wie Hautkrebs. Wird von der Krankenkasse übernommen.

  • Herz-Kreislauf-Check

    Ab 35 Jahren im zweijährigen Turnus. Hier wird das gesamte Herz-Kreislaufsystem überprüft und mögliche Risikofaktoren erkannt. Wird von der Krankenkasse übernommen.

  • Untersuchung der Schilddrüse

    Ab 35 im zweijährigen Turnus. Hier wird die Schilddrüse auf mögliche Veränderungen und Erkrankungen untersucht. Wird von der Krankenkasse übernommen.

  • Prostata-Untersuchung

    Ab 45 im jährlichen Turnus: Prostatakrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen unter Männern. Diese Vorsorgeuntersuchung hilft, eine Erkrankung frühzeitig zu erkennen. Wird von der Krankenkasse übernommen.

  • Krebsvorsorge Darm/Darmspiegelung

    Ab 50 im jährlichen Turnus: Frühzeitig erkannt, gehört Darmkrebs zu den Krebserkrankungen mit den besten Heilungschancen. Wird von der Krankenkasse übernommen.

Wirtschaftswoche Online: Wie wird Mann dann aber zum Arztbesuch gebracht?

Frank Sommer: Ich habe in meiner Sprechstunde vor allem die Erfahrung gemacht, dass Wettbewerb Männer motiviert. So geben wir Patienten häufig Schrittzähler mit und bitten Sie, die Distanz, die sie täglich laufen, zu dokumentieren. Das motiviert enorm. Im Büro stachelt man sich gegenseitig an, wer mehr Schritte tut, man entwickelt eine Affinität für seine Gesundheit und beginnt auf diese auch zu achten.

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