Was Nahrungsergänzungsmittel taugen: Das große Geschäft mit Vitaminen

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Was Nahrungsergänzungsmittel taugen: Das große Geschäft mit Vitaminen

von Jana Reiblein

Apotheken, Drogerien und Discounter bieten ein Potpourri an Vitamin- und Mineralstoffpillen, die gegen so ziemlich alles helfen sollen. Sie versprechen, sich schnell etwas Gutes zu tun, ohne den inneren Schweinehund überwinden zu müssen. Was ist dran?

Zink und Vitamin C gegen Erkältungen, Vitamin B für die Schönheit oder gleich die Pille mit allem von A bis Z, damit uns ja nichts fehlt. Die Regalreihen für Nahrungsergänzungsmittel in Supermärkten und Drogerien werden immer länger und das Angebot immer unübersichtlicher. Kein Wehwehchen, gegen das es nicht eine Tablette geben würde.

Der neueste Schrei: Vitaminwasser oder hochdosierte "Leistungsbringer" wie Berocca von Bayer, die ein "Performance-Plus für alle, die viel leisten" versprechen. In vielen Ländern wird die Bayer-Vitaminbrause derzeit als Mittel gegen den Kater am Morgen danach gepriesen. Und Kantinengängern, Burger-Fans und Gemüsemuffeln kann so eine Extraportion Vitamine doch nicht schaden – oder?

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Sie kann. Und zwar sowohl der Gesundheit, als auch dem Portemonnaie, denn Nahrungsergänzungsmittel sind in Deutschland ein Millionenmarkt, der von Angst und Verunsicherung der Verbraucher profitiert.

Die Lüge vom Vitaminmangel

Die Mär vom Vitamin-Mangelland Deutschland ist nichts anderes als eben das. Allgegenwärtige Werbung und das riesige Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln erwecken den Eindruck, dass eine ausreichende Nährstoffzufuhr allein über die Ernährung nicht möglich wäre - zu Unrecht, stellt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) klar. Erst vor Kurzem wurde in der Fachpublikation „Ernährungs Umschau“ (59/2012) die Datenlage zur Vitaminversorgung in Deutschland veröffentlicht. Dabei zeigte die Auswertung repräsentativer Studien: Die überwiegende Zahl der Deutschen ist ausreichend mit Vitaminen versorgt.

Wissenswertes zu Vitaminen

  • Was sind Vitamine?

    Dabei handelt es sich um chemische Verbindungen, die unser Körper nicht oder nicht in ausreichendem Maße selbst herstellen kann, die aber für viele Abläufe im Körper lebenswichtig sind. Sie müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Einige Vitamine werden nicht direkt aus der Nahrung gezogen, sondern entstehen durch die Stoffwechselprozesse unserer natürlichen Darmbakterien (zum Beispiel Vitamin K). Zwar schwankt der Vitamingehalt der Nahrung, aber wer sich abwechslungsreich ernährt, erhält von allen Nährstoffen ausreichende Mengen.

  • Empfohlene Zufuhr

    Referenzwerte geben die Mengen an, die wir an Vitaminen zu uns nehmen sollten. Die angegeben Menge schützt nahezu alle gesunden, erwachsenen Personen vor mangelbedingten Gesundheitsschäden, sorgt für volle Leistungsfähigkeit und eine gewissen Körperreserve.

  • Vitamin-Mangel

    Mangelzustände an Vitaminen kommen heute in Deutschland nur selten vor. Dennoch sollten sie nicht unterschätzt werden. Bei ausgeprägten Mangelzuständen kann es zu schweren Krankheiten kommen. Ein Beispiel: Ein Mangel an Vitamin A kann zu Nachtblindheit und Hautschäden führen.

  • Fett- und wasserlösliche Vitamine

    Vitamine werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Löslichkeit unterteilt. Zu den fettlöslichen Vitaminen gehören die Vitamine A, D, E und K. Um sie aufnehmen zu können, muss die Nahrung auch Fett enthalten. Die restlichen sind wasserlöslich.

 

Mangelerkrankungen kommen hierzulande äußerst selten vor, und Studien haben bisher keinen Nachweis erbringen können, dass die Folgen von ungesunder Ernährung und Lebensweise sich durch Nahrungsergänzungsmittel ausgleichen lassen, betont die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Für Verunsicherung sorgen zudem zahlreiche Veröffentlichungen, mit denen Hersteller teurer Vitaminpräparate die Wirksamkeit zu untermauern versuchen. Diese entsprechen jedoch durch Ungenauigkeit, fehlende Angaben oder mangelhafte Vergleichbarkeit oft nicht den wissenschaftlichen Standards, die das International Committee of Medical Journal Editors herausgibt, wie Doktorandin Eva Bradac der Ludwig-Maximilians-Universität zu München bei der detaillierten Untersuchung der Veröffentlichungen zum Nahrungsergänzungsmittel Juiceplus herausfand. In den untersuchten Fällen bestanden außerdem viele direkte wirtschaftliche Verbindungen von Studienautoren mit der Herstellerfirma. So auch im Falle des eingangs erwähnten Präparats Berocca. Auf der Internetseite findet sich der Verweis auf eine Studie, die den leistungssteigernden Nutzen der hochdosierten Tablette untermauern soll. In der Autorenliste findet sich auch ein Mitglied von Bayer Consumer Care sowie der Hinweis, dass die Studie von Bayer finanziert wurde. Zudem weisen die Autoren selbst auf zahlreiche Einschränkungen für die Allgemeingültigkeit der Ergebnisse hin. So wurde eine verbesserte Leistungsfähigkeit lediglich bei einigen Rechenaufgaben festgestellt - weitere Performance-Tests zeigten keine signifikanten Unterschiede in der Placebo-Gruppe  und der, die Berocca einnahm. Zudem wurden die Ernährungsgewohnheiten und Blutlevel der relevanten Vitamine und Mineralstoffe der 215 männlichen Probanden vor Beginn der Untersuchung nicht gemessen. Auch die Wirkungsweisen der zahlreichen Inhaltsstoffe und die Stoffwechselvorgänge im Körper, die die angeblichen förderlichen Effekte hervorrufen, wurden nicht untersucht.

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