Wearables auf der Medica: Vom Schnarch-Stopper zum Asthma-Alarm

Wearables auf der Medica: Vom Schnarch-Stopper zum Asthma-Alarm

, aktualisiert 16. November 2016, 15:52 Uhr
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Das Fitnessarmband gibt es zwar noch, aber längst sind die Messsensoren in kleinen Clips und unter Pflastern verschwunden.

von Andreas NeuhausQuelle:Handelsblatt Online

Längst sind Wearables mehr als nur reiner Schrittzähler oder Pulsmesser. Die mobilen Überwachungslösungen für die Gesundheit werden immer leistungsfähiger. Doch sie werfen auch Fragen über die Datennutzung auf.

DüsseldorfKaum wird die Haltung am Schreibtisch etwas krumm, vibriert es im Bereich der Lendenwirbel. Ein kleiner am Rücken getragener Sensor hat Alarm geschlagen. „Upright“ ist der passende Name für das Wearable, mit dem die Macher dafür sorgen wollen, dass Kreuz und Wirbelsäule schmerzfrei bleiben.

Upright ist nur einer unter den vielen mobilen Gesundheitsüberwachern, sogenannten Wearables, die auf der diesjährigen Medizintechnikmesse Medica in Düsseldorf vorstellt werden. Die Zahl der Neuerungen für die mobile Messung von Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Vitaldaten ist fast unüberschaubar. Der Trend aber geht klar in Richtung mehr Komfort und Leistungsfähigkeit: Das Fitnessarmband gibt es zwar noch, aber längst sind die Messsensoren in kleinen Clips und unter Pflastern verschwunden. Zudem gibt es für immer mehr chronisch erkrankte Menschen eigene mobile Überwachungslösungen.

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Für die weltweit mehr als 300 Millionen Asthmatiker etwa hat die Firma Health Care Originals das Überwachungssystem „Adamm“ entwickelt. Das Pflaster mit integriertem Sensor wird einfach auf die Haut am Oberkörper geklebt und überwacht Husten und Atmung, misst Temperatur und Herzfrequenz und analysiert pfeifende Atemgeräusche.

Verbunden mit einer Smartphone-App schlägt schlägt das Mobiltelefon Alarm, wenn eine Asthma-Attacke droht. Der Träger kann also rechtzeitig zum Inhalator greifen und einen Anfall vermeiden. Eine spezielle Software dokumentiert den Krankheitsverlauf und liefert wertvolle Informationen für das nächste Gespräch beim Arzt.

Die US-Firma Empatica wiederum bietet eine Überwachungslösung für Epileptiker, die ebenso Anfälle vorhersagen soll. Die Patienten tragen dazu eine Uhr oder ein Spezialarmband, das physiologischen Stress und Erregung sowie die Schlafqualität und physische Aktivität misst.

Menstruationsbeschwerden einfach abschalten zu können, das verspricht das israelische Startup Livia mit seinem gleichnamigen Produkt. Sensoren aufgeklebt am Bauch und verbunden mit einem Clip am Hosenbund, das ist das System, das auf die Wellenfrequenz von Menstruationsbeschwerden einwirkt und verhindert, dass die Nerven das Schmerzsignal ans Gehirn weiterleiten.

Der Schnarch-Stopper von Breuer ist wie ein Hörgerät zu tragen und sendet einen Ton- und Vibrationsalarm, sobald der Träger schnarcht. Ob der Schnarch-Stopper tatsächlich Erfolg hat, können die Nutzer am folgenden Morgen sehen. Eine App liefert eine Schnarchanalyse mit grafischen Darstellungen.

Praktische Gesichtspunkte beim Thema Gesundheitsüberwachung hat die Firma Cosinuss im Blick. Das Produkt „Cosinuss One“ soll lästigen Brustgurten, die bisher bei Patienten die Herzfrequenz messen, ein Ende setzen. Das Münchener Unternehmen hat einen im Ohr tragbaren Sensor entwickelt, der Herzfrequenz, Herzratenvariabilität und Körpertemperatur misst. Gedacht ist das Wearable eigentlich für Profi- und Freizeitsportler, doch auch in der Medizin und dem Arbeitsschutz können die Geräte eingesetzt werden.


Kontroverse Datennutzung

Die diesjährige Medica zeigt anschaulich, dass moderne Medizintechnik immer mehr Daten sammelt. Wie mit solchen Daten umgegangen werden soll, wird in den Diskussionsforen in Düsseldorf aber durchaus kontrovers erörtert. Denn vielfach bezahlen die Nutzer von kostenlosen aber auch kostenpflichtigen Gesundheits-Apps mit ihren Daten. „Die Aufnahme von Daten ist grundsätzlich einfach, und wenn Sie dann Unternehmen haben, die nicht in Deutschland sitzen, sondern irgendwo anders, verhält es sich mit dem Datenschutz  grundsätzlich anders“, sagt Vito Albrecht von der medizinischen Hochschule Hannover.

Albrecht hat gemeinsam mit 17 Wissenschaftlern in der Studie „Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“ (Charismha) die aktuellen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Gesundheits-Apps aufgearbeitet. Denn ob zur Gewichtskontrolle, als Fitness- und Wellness-Anwendungen oder als hochkomplexes Programm zur Diagnostik und Behandlung bestimmter Erkrankungen: In Deutschland hat fast jeder dritte eine Gesundheits-App auf dem Handy.

Die Berliner Firma Nova Motum analysiert seit letzten Sommer Medizin- und Fitnessapps, die im Apple-Store angeboten werden. Das Fazit von Geschäftsführer Volker Kohl: „Jeden Monat gibt es mehr als 1800 neue Gesundheitsapps im IOS-Store.“ Aktuell hat er 104.000 Angebote gezählt, knapp 43.000 wurden von ihren Entwicklern als Medizinapps kategorisiert, 78.000 als Fitness-Apps. 16.000 Programme werden in beiden Kategorien angeboten. Der Nutzer hat also die Qual der Wahl: Allein zum Thema Depression gibt es 1100 Apps, bei Diabetes sind es sogar 2200.

Doch nicht jede App erfüllt die Datenschutzbestimmungen, merkt Charismha-Autor Albrecht an. Wobei das seiner Ansicht auch schlicht in Unwissenheit begründet ist: „Die Entwickler sind oft nicht mit den Regularien vertraut, die es gibt, um diese Applikation auf den Markt zu bringen. Die schrauben ihre App im Keller zusammen, weil sie betroffen sind. Und die Community freut sich und nutzt sie – aber eigentlich dürfte es diese App gar nicht geben.“

Dennoch warnt Albrecht vor einem Regulierungswahn bei den Gesundheits-Apps: „Wir sind gerade erst dabei herauszufinden, was die Technologie kann und was nicht. Wenn wir die Applikationen verbieten, dann schalten wir sie vielleicht in unserem Bereich ab. Aber die Welt dreht sich weiter.“ Gibt es keine deutschen Gesundheitsapps, kommen sie eben aus dem Ausland, sagt Albrecht. Datenschutz hin oder her.

Quelle:  Handelsblatt Online
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