Weltgrößter Bahn-Hersteller CRRC: Chinas Bahnriese mischt die Branche auf

Weltgrößter Bahn-Hersteller CRRC: Chinas Bahnriese mischt die Branche auf

, aktualisiert 20. September 2016, 14:26 Uhr
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Der chinesische Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Aufträge kamen bislang vor allem aus den USA, Indien und Kenia. Nun will Chinas Schienenfahrzeug-Hersteller CRRC auch den europäischen Markt erobern – und sorgt damit in der deutschen Bahnindustrie für Nervosität.

BerlinAn Selbstbewusstsein fehlt es dem Management des weltgrößten Schienenfahrzeug-Herstellers CRRC nicht. „Was auch immer die europäischen Bahnkunden und die Fahrgäste in der Zukunft wünschen – wir können es bieten“, sagt Jilian Yang, der das chinesische Unternehmen in diesem Jahr auf der heute beginnenden Bahnindustrie-Messe Innotrans in Berlin vertritt.

„Wir haben aber nicht nur Europa im Blick, sondern die ganze Welt.“ Geht es nach den Planspielen von CRRC (China Railway Rolling Stock Corporation), werden die meisten Züge der Zukunft chinesisch sein.

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Der Schienenriese ist im Sommer des vergangenen Jahres aus der Fusion der Staatsunternehmen CSR und CNR hervorgegangen – ein Konzern, anderthalbmal so groß wie die Bahnsparten der Konkurrenten Alstom, Bombardier und Siemens zusammen. Die Strategie des neuen Monopolisten: Die globalen Märkte gehörig aufmischen.

Während China jahrelang Bahntechnik importiert hat, ist sein eigener Markt heute weitgehend gesättigt. Die Zeichen stehen also auf Export. 2015 erwirtschaftete der Koloss 11 Prozent seines Umsatzes von rund 32 Milliarden Euro im Ausland. Dieser Anteil soll weiter steigen.

Der Plan hat Erfolg: Allein im ersten Halbjahr 2016 konnte CRRC die Aufträge aus Übersee auf knapp zwei Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Für Aufsehen hatte in der Branche zuletzt die Vergabe zweier namhafter Aufträge aus den USA gesorgt. Im März hatte der Betreiber des Nahverkehrsnetzes von Chicago, die Chicago Transport Authority, 846 Wagen bei den Chinesen bestellt.

Bereits im Oktober 2014 waren zuvor 284 Wagen für die U-Bahnen in Boston im Wert von 385 Millionen Euro geordert worden. Große Aufträge kamen im ersten Halbjahr 2016 auch aus Indien und Kenia. Für Bangkoks Hochbahn produziert CRRC 24 neue Züge, der Rivale Siemens 22.

In der deutschen Bahnindustrie hat sich nach der Mega-Fusion gelinde gesagt Nervosität breitgemacht. Einschätzungen zur Zukunft sind dementsprechend vorsichtig formuliert. „Wir sehen trotz des Zusammengehens der beiden chinesischen Anbieter perspektivisch gute Chancen im internationalen Umfeld für unsere Schnellzüge“, erklärt etwa Siemens-Manager Jochen Eickholt. Und weiter: Die Fusion verändere die Wettbewerbssituation „nicht grundlegend“.


Fehlendes Know-how wird eingekauft

Sorgen bereitet den deutschen Anbietern hauptsächlich der starke Geldgeber hinter CRRC: der chinesische Staat. Das Unternehmen sei mit schier unerschöpflichen Mitteln für attraktive Finanzierungspakete weltweit ausgestattet, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), Ben Möbius. Die Regierung in Peking unterstütze die Bahnindustrie des Landes massiv.

CRRC kann daher in andere Märkte expandieren, ohne einen Kredit tilgen und hohe Zinsen zahlen zu müssen. Finanziell gut ausgestattet, müssen die chinesischen Export-Anfänger dennoch dazulernen: Ihnen fehlt es oft noch an Erfahrung in der Projektabwicklung, vor allem aber mangelt es an der genauen Kenntnis der vielen nationalen Vorschriften in der Eisenbahntechnik. Auch technologisch ist CRRC aus Sicht von Branchenkennern nicht auf dem Stand der seit langem international aufgestellten Konkurrenten Bombardier, Siemens, Alstom oder Stadler.

Der chinesische Großkonzern reagiert auf den Rückstand mit einer eigenen Strategie, wie CRRC-Manager Yang bestätigt: „Wir müssen die Standards in Europa kennenlernen. Dafür müssen wir mit europäischen Firmen zusammenarbeiten.“ Das Unternehmen versucht, fehlendes Know-how einzukaufen, indem es ausländische Anbieter übernimmt.

Im März wurde bekannt, dass CRRC die sächsische Firma Cideon erworben hat – den Angaben zufolge der erste Einkauf der Chinesen in Europa. Das Bautzener Unternehmen bietet etwa die technische Neuentwicklung, Modernisierung oder Umrüstung von Schienenfahrzeugen an. Der Kaufpreis wurde nicht genannt.

Den deutschen Herstellern bleibt nichts anderes übrig, als sich der Herausforderung zu stellen. „Unsere Bahnindustrie ist globaler Technologieführer“, sagt Möbius. Die Politik müsse allerdings Farbe bekennen für einen starken Schienenverkehr. Außerdem sei China mit einem Volumen von jährlich 25 Milliarden Euro umgekehrt der weltweit noch immer wichtigste Markt für Deutschlands Bahnindustrie.

Quelle:  Handelsblatt Online
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