Weltraum: Von Bremen in den Orbit

Weltraum: Von Bremen in den Orbit

Hightech-Produkte „Made in Bremen“ im Weltraum: Das kleinste deutsche Bundesland ist ein Schwergewicht in Europas Raum- und Luftfahrtbranche.

Auf den Fensterbänken des Bremer Wirtschaftssenators ist nicht mehr allzu viel Platz. Dort stehen Modelle von Galileo- Satelliten, Ariane 5-Raketen und ein Dutzend Flugzeuge der Airbus-Familie. Die Luft- und Raumfahrtbranche zählt für Martin Günthner (SPD) neben der Autoindustrie, der maritimen Wirtschaft, der Logistik und der Windkraft zu den zentralen Säulen der bremischen Wirtschaft: „In der Luft- und Raumfahrtbranche sind wir Weltspitze.“

Mit so viel Selbstbewusstsein kann der Sozialdemokrat nicht von allen Branchen sprechen. Gerade die maritime Wirtschaft hat einen schmerzhaften Strukturwandel in Bremen hinter sich. Die hohe Arbeitslosigkeit drückt, der Schuldenberg ist mit über 20 Milliarden Euro astronomisch.

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Doch die Raum- und Luftfahrt entwickelte sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten rasant zu einem Markenzeichen der Hansestadt. Die Kennziffern: 140 Unternehmen, 20 Top-Institute, 12.000 Beschäftigte und ein Jahresumsatz von vier Milliarden Euro

In der Airbusallee unmittelbar am Bremer Airport werden nicht nur Flügel der A330 und A350 mit allen Systemen ausgerüstet. Dort wird auch die Oberstufe der Rakete Ariane 5 produziert, also das obere Bauelement, in dem Tanks und Steuerungstechnik untergebracht sind. Besucher müssen Schutzkappen, einen hellblauen Kittel und Überschuhe tragen, wenn sie die mit Hightech gespickten riesigen Bauteile aus der Nähe sehen wollen. „Klasse 100.000“, erläutert die Sprecherin von Airbus Safran Launchers in Deutschland, Kirsten Leung, den Reinraum. „Maximal 100.000 Staubpartikel pro Kubikmeter Luft sind erlaubt.“

Das internationale Weltraumrecht

  • Der Weltraumvertrag

    Als erste und grundlegende völkerrechtliche Vereinbarung des Weltraumrechts gilt der Weltraumvertrag, der 1967 unterschrieben wurde und dem heute 102 Staaten zugestimmt haben. Darin sind Grundsätze festgelegt, die die staatlichen Weltraumaktivitäten regeln. So wird etwa das Hoheitsrecht an Teilen des Weltraums, am Mond und an anderen Himmelskörpern ausgeschlossen. Für Forschung und wirtschaftliche Nutzung ist der Weltraum weitestgehend frei. Aber es gibt Beschränkungen. So muss die Erforschung und Nutzung des Weltraums Sache der gesamten Menschheit sein. Geschlossen wurde der Vertrag 1967 insbesondere mit Blick und Furcht vor einem Wettrüsten im All vor dem Hintergrund des Kalten Krieges.

  • Das Weltraumrettungsübereinkommen

    Das Weltraumrettungsübereinkommen wurde kurz nach dem grundlegenden Weltraumvertrag 1968 verabschiedet und regelt die Gewährung von Hilfe an in Not geratene Raumfahrer und zur Rückgabe von in den Weltraum gestarteten Gegenständen.

  • Das Weltraumhaftungsübereinkommen

    Mit dem Weltraumhaftungsübereinkommen wurde 1972 die Haftung im Weltraum in Regeln festgelegt. Zur Sicherstellung angemessenen Schadensersatzes für durch Weltraumgegenstände verursachte Schäden gibt es seitdem einen handfesten Rechtssatz - allerdings bezieht dieser sich in erster Linie auf staatliche und nicht auf private Aktivitäten im Weltraum.

  • Der Mondvertrag

    Nach dem allgemeinen Weltraumvertrag gilt der Mondvertrag von 1979 als die wichtigste Vereinbarung im Weltraumrecht. Darin wurden spezielle Regelungen über die Nutzung des Monds und der eventuellen Ausbeutung seiner Naturschätze festgehalten. Allerdings ist dieser Vertrag wenig bindend, denn im Vergleich zum Weltraumvertrag, dem immerhin 102 Staaten zustimmten, wurde der Mondvertrag bislang nur von 15 Staaten ratifiziert.

Das im Januar 2015 gegründete deutsch-französische Joint-Venture Airbus Safran Launchers ist der industrielle Hauptauftragnehmer für die Ariane 5, die Satelliten ins All befördert. Bislang gab es 72 erfolgreiche Starts in Folge. Auch die Oberstufe der neuen, insgesamt 62 Meter hohen Ariane 6 wird in Bremen gebaut (geplanter Erstflug: 2020). Insgesamt ein Milliarden-Auftrag der Europäischen Weltraumagentur ESA.

In der ersten „Weltraum-Liga“ spielt auch der europäische Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB SE. Das Bremer Familienunternehmen gehört zu den Raumfahrtpionieren und ist seit Jahren auf Expansionskurs. Unter dem Dach des seit 2001 börsennotierten Unternehmens werden die Galileo-Satelliten entwickelt, gebaut und getestet. Von den 14 Galileo-Satelliten im All stammen zehn von OHB. Weitere folgen. Auch ist das Augsburger Tochterunternehmen MT Aerospace größter deutscher Zulieferer des Ariane-Programms und produziert Oberstufentanks.

Wo Raumfahrtindustrie arbeitet, ist Wissenschaft und Forschung ein zentraler Baustein. „Man muss nicht in den Weltraum gehen, um unter Schwerelosigkeit zu testen“, sagt Professor Claus Lämmerzahl, Physiker und Direktor der Abteilung Raumfahrtwissenschaft am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM). Schwerelosigkeit wird am Bremer Fallturm erreicht, dem einzigen seiner Art in Europa. „Das ist deutlich günstiger als im All.“

Start-ups erobern das Weltall Wie Billig-Raketen die Raumfahrt revolutionieren

Lange war das All unerschwinglich. Doch Billigflieger und Minisatelliten ermöglichen neue Geschäfte im Weltraum. In den USA und Europa entstehen reihenweise Start-ups, die diese Chance nutzen wollen.

Quelle: Space X

Der „Drop Tower“ erinnert aus der Ferne an ein Minarett. Im Innern sausen bis zu drei Mal am Tag Kapseln in die Tiefe oder werden per Katapult in die Höhe geschossen. Vorher wird die Röhre evakuiert und damit der Luftwiderstand nahezu eliminiert. 9,3 Sekunden Schwerelosigkeit mit Katapult und rund die Hälfte beim Abwurf aus der Höhe werden für die Experimente erreicht. Ein Abwurf kostet 5000 Euro. „Und meistens sind wir auf ein Jahr ausgebucht“, so Lämmerzahl. Auch in den „siebten Himmel“ kann man im Fallturm fliegen - die Turmspitze kann für standesamtliche Trauungen gemietet werden.

Als Anerkennung wertet die Hansestadt die erneute Wahl als Ort für den „Internationalen Weltraumkongresses IAC“ im Oktober 2018. Bremen richtet die Konferenz nach 2003 zum zweiten Mal aus. „Das ist auch nicht alltäglich“, so Lämmerzahl. Über 3000 Vertreter der internationalen Raumfahrtbranche werden 2018 an der Weser erwartet.

Schon zum Wintersemester 2017/2018 will die Universität Bremen einen Masterstudiengang Raumfahrt anbieten. Alle Vorlesungen werden auf englisch angeboten, der Arbeitssprache in der Raumfahrt. Die USA sind einer der wichtigsten Treiber der Branche. Deshalb bricht Bremens Senator Günthner am Samstag mit 37 Delegationsteilnehmern zu einer einwöchigen Reise nach Kalifornien auf. „Dort gib es zum Teil ein ganz andere Dynamik“, sagt er. Der Fokus der Reise: kommerzielle Raumfahrt.

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