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Weltzeit: Rettet Philipp Rösler die Schaltsekunde?

von Robert Gast Quelle: Zeit Online

Schaltsekunde: Ja oder nein? Seit Jahren tobt innerhalb der Vereinten Nationen der Streit über die Weltzeit. Jetzt schaltet sich die Politik ein. Die Geschichte einer kuriosen Debatte.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler Quelle: dapd
Der Retter der Schaltsekunde: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) oszilliert zwar nicht schneller als ein Atomkern, aber für ihn zählt jede Sekunde. Quelle: dapd

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Momo für Erwachsene, zu bestaunen auf YouTube: Ein blasser Herr mit grauem Haar beugt sich über einen grauen Tisch und spricht in ein Mikrofon. Hunderte Zuhörer, vorwiegend ältere Männer, kauern auf den Bänken des Konferenzsaals und starren ins Leere. Sie wissen, worum es geht. Der graue Herr, ein Amerikaner, will ihnen Zeit stehlen. Anders als in der Urfassung von Michael Endes Märchen geht es aber nicht um Stunden oder Minuten, sondern lediglich um Sekunden. "Schaltsekunden führen zu Störungen in einem sonst kontinuierlichen Zeitfluss", ruft er. Alle ein bis zwei Jahre machen sie unseren Tag einen Augenblick länger – untolerierbar!

9.192.631.770

Eine Schaltsekunde, was war das noch mal? Es wäre wohl der Job von Momos Freund Meister Hora, zu erklären: Schaltsekunden sind notwendig, weil die Menschen zwei Uhren haben. Die erste Uhr orientiert sich am Lauf der Planeten. Für sie entspricht eine Sekunde dem 86.400. Teil einer vollständigen Drehung der Erde. Die zweite Uhr zählt die unermüdlichen Oszillationen eines Cäsium-Atomkerns. Schwingt dieser 9.192.631.770 Mal hin und her, verstreicht auf der Atomuhr eine Sekunde.

Schaltsekunde Quelle: ZBSP
Eine Präzisions-Pendeluhr kann eine Gangabweichung von einer Sekunde erreichen. Die Erduhr geht jeden Tag ein bisschen langsamer als die Atomuhr, deswegen wird bei Abweichungen bis zu einer Sekunde eine Schaltsekunde eingeschoben. Quelle: ZBSP

Jeden Tag langsamer

Aber die beiden Chronometer laufen nicht synchron, denn die Zeiger der Erduhr ticken langsamer als die der verlässlicheren Atomuhr. Schuld sind die Gezeitenkräfte von Mond und Sonne, starke Winde oder Ozeanströmungen. Sie bremsen den sich drehenden Erdball insgesamt ab. Heute vergehen zwischen zwei Sonnenaufgängen im Sommer grob zwei Millisekunden mehr als vor zweihundert Jahren. Jeden Tag geht die Erduhr also ein klein bisschen langsamer als die Atomuhr, über die Jahre wird aus dem winzigen Unterschied eine Differenz von Sekunden.

Da kommt die Schaltsekunde ins Spiel. Sie wird immer dann eingeschoben, wenn der Unterschied zwischen den zwei Uhren fast eine Sekunde beträgt. Seit ihrer Einführung im Jahr 1972 geschah das bisher 24 Mal. Statt von 23:59:59 auf Mitternacht zu schalten, springt die Anzeige von Atomuhren dann ausnahmsweise zunächst auf 23:59:60. Funkuhren bleiben einfach eine Sekunde lang stehen.

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